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"irgendwo zwischen Spaß, Gelände-Eignung und Expedition"

Fatbikes: aus der Nische zum Trend

Foto zu dem Text "Fatbikes: aus der Nische zum Trend"
Surly "Moonlander" | Foto: pressBureau.de/ W Preß

11.01.2015  |  (pd-f) - Sie sind echte Hingucker: Fatbikes haben ihren Namen von den extrem voluminösen Reifen – bis zu 4,9 Zoll, rund zwölf Zentimeter breit können sie sein. Vom Mountainbike kommend, hat sich das Fatbike mittlerweile als eigene Radgattung etabliert – irgendwo zwischen Spaß, Gelände-Eignung und Expedition.

Wegen der riesigen Auflagefläche der Reifen
und des sehr niedrigen Luftdrucks (um 0,5 Bar) bieten die Räder eine immense Traktion, was sie als Geländerad für die nasse, schneereiche Jahreszeit ebenso wie für losen Untergrund prädestiniert – und darum auch als Extrem-Reiserad.

„Der Erfolg der Breitreifen-Bikes liegt in ihrer Universalität
begründet“, meint Felix Puello, Head of Product Management bei Haibike, und folgerichtig wurden die Vorteile der dicken Walzen Ende der 2000er-Jahre auch für andere Terrains erkannt. Wo sich das klassische Mountainbike mit den kaum 2,5 Zoll breiten Reifen in Sand, Kies oder Schlamm festfährt, rollt man mit dem Fatbike einfach weiter.

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„Doch auch auf klassischen Mountainbike-Trails
machen Fatbikes Spaß. Mit einem Luftdruck zwischen 0,4 und 1 bar sind die dicken Pneus in puncto Traktion und Komfort unschlagbar,“, weiß Marcus Lambertz vom deutschen Reifen-Hersteller Schwalbe, und merkt an, dass sich Fatbikes jenseits asphaltierter Wege leichtfüßiger geben, als ihr wuchtiges Aussehen vermuten lässt.

Der süddeutsche Hersteller "Velotraum" prägte den treffend
umschreibenden Begriff “Omniterra-Nutzspielzeug”. Geboren wurden die dicken Räder im Schnee Alaskas, im Rahmen der Fahrrad-Wettbewerbs beim Schlittenhunde-Rennen "Iditarod", vor etwa zwanzig Jahren.

Neben ein paar Maßrahmenbauern machte sich seit 2005
vor allem die nordamerikanische Firma "Surly" um die Markt-Präsenz der dicken Räder verdient, und bot Rahmen, Reifen, Schläuche und Felgen an. Im Jahr 2013 erlebten Fatbikes einen weltweiten Durchbruch – jeder größere und so manch kleinerer Anbieter hat nun mindestens ein Modell im Programm.

Das Fatbike „Pilger“ der schwäbischen Manufaktur "Velotraum"
(ab 2500 Euro) war 2013 einer der Vorreiter aus Deutschland. Es macht sich die langjährige Erfahrung des Herstellers im Segment individueller Reiseräder zueigen, und ist auch im Baukasten-System konfigurierbar (u. a. Schaltung, Beleuchtung, Farbe).

Der Aluminium-Rahmen hat über die nötigen
Gewinde und Ösen zur Montage von Gepäck- und Flaschenträgern, und auch die "hauseigene" Stahl-Gabel lässt sich mit Gepäckträgern aller Art ausrüsten.

Ursprünglich eigens für Velotraum konstruierte der führende deutsche Gepäckträger-Hersteller Tubus (www.tubus.com) das Modell „Fat“, das mittlerweile auch regulär erhältlich ist, und dem Hinterrad die nötige Freiheit bietet.

Dass sich die optisch etwas behäbigen Bikes
durchaus sportlich bewegen lassen, entdecken immer mehr Fans des Mountainbikes. Zum Produktjahr 2015 hält die Bike-Welt unterschiedliche Konzepte bereit.

Den Einstieg gibt es für unter tausend Euro: 999 Euro legt man für das „Double Double 70“ von Felt auf die Theke, dafür erhält man 20 Gänge und Scheibenbremsen der Mittelklasse. Auf die Waage bringt es 16 Kilogramm. Der Rahmen ist aus Aluminium, ebenso die starre Gabel.

Das hohe Reifenvolumen der Fatbikes bietet eine gute,

wenn auch etwas rudimentäre Federung und Dämpfung, weswegen viele Fatbike-Designer auf federnde Elemente verzichten. Seit Mitte 2014 sind jedoch auch Federgabeln mit dem nötigen Reifendurchlass erhältlich, wie die „Bluto“ von RockShox (www.sram.com; luftgefedert, ab 572 Euro).

Zum Beispiel für diese Gabel bietet die norddeutsche Mountainbike-Manufaktur Nicolai den Rahmen „Argon Fat“ an, der einerseit eine sportliche Geometrie und moderne Mountainbike-Features aufweist, wie etwa Aufnahmen für Kettenführung und verstellbare Sattelstützen. Und er ist für alle Antriebsformen vorbereitet, ob Naben- oder Kettenschaltung, Singlespeed oder Carbon-Riemen statt Kette.

In der Saison 2015 gibt's erste Serien-Fatbikes mit Vollfederung,
wie das Salsa Cycles „Bucksaw“ mit jeweils 100 mm Federweg an Front und Heck. Besonders gut zu den Überall-hin-Fahrrädern mit dicken Reifen scheint das Thema Elektrifizierung zu passen.

Kein Wunder also, dass Felt mit dem „Lebowsk-E“ schon 2013 das erste E-Fatbike vorgestellt wurde. Der Bosch-Antrieb an der Tretkurbel sorgt hier ausgewogenes Handling.

Auf der vergangenen "Eurobike"
(der wichtigsten Rad-Messe) stellte auch der Schweinfurter Hersteller "Haibike" sein Modell „FatSix“ vor, ebenfalls mit Bosch-Motor, und zudem mit Federgabel ausgestattet.

Am Fatbike zeigt sich deutlich das in der gesamten Branche
gestiegene Entwicklungs-Tempo: Während die 29-Zoll-Mountainbikes recht langsam anliefen, und sowohl Zulieferer (für Reifen, Gabeln etc.) als auch Radhersteller eher zögerlich ihr Spektrum in der Größe erweiterten, hielt das Fatbike quasi innerhalb eines Produkt-Zyklus’ Einzug in die Radwelt.

Wenig überraschend: Fatbikes lassen Mountainbiker

und Reiseradler ihre Passion neu entdecken, und/ oder geben ihnen die vierte Jahreszeit zurück.  Und Fatbikes befeuern sichtlich den Spieltrieb der Produkt-Entwickler der Branche: So fanden sich innerhalb kürzester Zeit Studien zu Kinderrädern, Liegerädern, Liege-Dreirädern, Lastenrädern oder auch Einrädern auf den einschlägigen Seiten im Netz - alle mit den fetten "Mehr-Spaß-Schlappen".

„Ein Fatbike braucht man nicht, man will es“,
ist sich Gunnar Fehlau, Leiter des pressedienst-fahrrad und Fatbike-Fan der ersten Stunde, sicher. Der Fachjournalist beobachtet in seinem Umfeld reges Interesse, wenn er beruflich oder privat auf Breitreifen unterwegs ist.

„Die dicken Räder sind natürlich Effekt-Hascher
– was den ,Ausprobieren’-Faktor wie bei kaum einer anderen Radgattung nach oben treibt.“ Fehlau spricht einen Punkt an, der Tourismus-Destinationen aufhorchen lassen sollte. Nach Einschätzung des Experten bieten Fatbikes ein enormes Potential für touristische Angebote.

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