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28.11.2023 | (rsn) - Erst im Winter 2022 fand Sebastian Schönberger mit dem Zweitdivisionär Human Powered Health einen neuen Arbeitgeber, nachdem die französische Equipe B&B Hotels aus finanziellen Gründen plötzlich die Pforten schloss und ihren Fahrern die Freigabe erteilte. Zwölf Monate später steht der Österreicher vor dem gleichen Problem, denn nun haben die US-Amerikaner ihrem Männerteam den Stecker gezogen.
"Im Vergleich zum letzten Jahr war der Zeitpunkt aber ein besserer", nahm es Schönberger im Gespräch mit radsport-news.com mit Galgenhumor. Am Tag nach den WM-Straßenrennen von Glasgow erfuhren der 29-Jährige und seine Mannschaftskollegen, dass Human Powered Health seine Aktivitäten im Männerradsport einstellen wird. "Das ursprüngliche Ziel war es, unter die besten zehn Teams der Welt zu kommen. Es waren große Namen für 2024 im Gespräch, dementsprechend war es für jeden ein Schock, als uns die Einstellung mitgeteilt wurde", erinnerte sich Schönberger.
___STEADY_PAYWALL___Für den Innviertler war es ein Spiegelbild des vergangenen Herbstes, mit dem Unterschied, dass er die Situation schon kannte. "Ich wusste, wie ich damit umgehen muss. Aber schon das bei B&B Hotels hat mich zum Nachdenken gebracht", erzählte Schönberger weiter und führte aus: "Ich habe seitdem ein kleines Team rund um mich aufgebaut und Partner um mich geschart."
Sebastian Schönberger (Human Powered Health, re.) und seine Teamkollegen bei der Sizilien-Rundfahrt | Foto: Cor Vos
So arbeitet er mit dem in der Nähe seines Wohnsitzes angesiedelten Fahrradhersteller Felt eng zusammen. "Die Radsportkarriere ist nur ein kurzer Abschnitt, da musst du einfach weiterdenken, was du langfristig bewegen kannst", so der Oberösterreicher, für den sich mit der Zusammenarbeit neue Türen öffneten, vor allem beim Thema Gravel.
"Das ist echt der boomende Bereich im Radsport. Das kommt noch mehr und mehr", prognostizierte Schönberger, der neben der Gravel-WM mit La Monsterrato auch noch ein Rennen der Weltserie bestritt und mit den Rängen zehn und drei sehr zufrieden war: "Ich war glücklich mit den Ergebnissen, weiß aber, dass ich da noch mehr reinwachsen muss."
Im nächsten Jahr peilt er sogar noch mehr Gravel-Rennen an, wird aber auch auf der Straße fahren. Für welches Team, das wollte er noch nicht verraten, aber man darf annehmen, dass der Radausrüster von Schönberger wohl auch dessen zukünftige Mannschaft versorgen wird.
Bei der spanischen Rundfahrt O Gran Camino stoppten widrige Witterungsverhältnisse den Österreicher, der als Solist unterwegs war, ehe die Auftaktetappe abgebrochen werden musste. | Foto: Cor Vos
Auch wenn 2023 ein Sieg fehlte, war Schönberger mit seiner Straßensaison sehr zufrieden: "Von der Performance her war es eines meiner besten Jahre." Schon zum Auftakt in Spanien zeigte er sich am ersten Tag der Rundfahrt O Gran Camino in seiner Lieblingsrolle als Ausreißer. Doch heftiger Schneefall sorgte für den Abbruch der Etappe und verhinderte so Schönbergers möglichen ersten Profisieg.
Am Ende sicherte er sich noch die Sprintwertung, indem er auch an den folgenden beiden Tagen in die Spitzengruppe ging. Nach einer Corona-Erkrankung baute er dann wieder eine gute Form auf und gewann im Mai die Bergwertung der Ungarn-Rundfahrt. Im September wollte er bei Slowakei – Rundfahrt auf Klassement fahren, verpasste aber am ersten Tag die entscheidende Ausreißergruppe. "Auch bei den Weltmeisterschaften habe ich mich gut gefühlt, bin leider dann in einem ungünstigen Zeitpunkt zurückgefallen. Dann war keine Chance mehr zurückzukommen, sonst wäre ein Ergebnis in den Top 15 sicher möglich gewesen", erinnerte er sich.
Bei der Ungarn-Rundfahrt im Mai gewann Schönberger (re.) das Bergtrikot. | Foto: Cor Vos
Ein denkwürdiges Erlebnis war bereits im April die Tour of the Alps, die er mit dem Nationalteam bestritt. Neben Lukas Pöstlberger gehörte er zu den erfahrenen Athleten der Auswahl, zur der vor allem talentierte U23-Fahrer wie Alexander Hajek, Marco Schrettl (beide Tirol KTM) oder Philipp Hofbauer (WSA KTM Graz p/b Leomo) gehörten. "Es war alles perfekt organisiert, mit Stefan Sölkner als Nationaltrainer ist da ein neuer Schwung reingekommen. Es hat Spaß gemacht, die jungen Athleten zu leiten und zu führen", erklärte Schönberger.
Als persönliches Highlight bezeichnete er die Gravel-Weltmeisterschaft, wo er lange mit an der Spitze des Rennens fuhr. "Ich habe aber auch gesehen, dass ich noch viel lernen muss, vor allem materialtechnisch. Da musst du dich richtig reinfreaken", erklärte Schönberger, der auf den hügeligen Schotterpisten durch die venezianischen Weinberge die falsche Übersetzung wählte: "Die letzten zehn Kilometer hat es mir echt den Stecker gezogen und ich war komplett leer, habe mich mit gut 30 Umdrehungen mit aberwitzigen Wattwerten noch den Hügel raufgequält“, kommentierte er seinen zehnten Platz.
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