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12.04.2026 | (rsn) – Wer sind die Favoritinnen und Favoriten für das nächste große Rennen? Auf wen sollte man sonst noch achten? In der Redaktion bei radsport-news.com gehen die Meinungen vor den Saison-Highlights oft auseinander – auch wenn die Top-Favoriten manchmal auf der Hand liegen, weicht der eine oder andere mitunter gerne vom Offensichtlichen ab und wagt Außenseitertipps.
In der Saison 2026 werden wir uns vor den Highlights virtuell aus dem Fenster lehnen und unsere Prognosen wagen, um uns dann am Ende auslachen zu lassen, wenn es wieder ganz anders gekommen ist.
Jan Zesewitz:
Ist man gerne dabei, wenn Geschichte geschrieben wird oder drückt man einem Überraschungssieger die Daumen? Alleine schon für die Vielfalt würde ich sehr gerne andere Namen in den Ring werfen, aber ich kann nicht, auch wenn Roubaix sicherlich die meisten Unvorhersehbarkeiten bereit hält. Van der Poel oder Pogacar? Vier Siege in Serie oder fünf Monumente in Serie und die Sammlung vollständig. Ich glaube an Mathieu Van der Poel als Sieger im Velodrom. Es ist das Rennen, das für ihn gemacht scheint.
Bei den Frauen ist die Favoritenrolle deutlich breiter verteilt. SD Worx - ProTime hat mit Lotte Kopecky eine ehemalige Siegerin am Start, die sich bereits in guter Form gezeigt hat. Ich tippe aber, dass Kopecky sich für den Sieg bei Mailand-Sanremo revanchieren kann und ihre Teamkollegin Lorena Wiebes den Sprint einer kleinen Gruppe gewinnt.
Kevin Kempf:
Im Gegensatz zu vielen sehe ich nicht unbedingt einen Zweikampf. Wout van Aert und vermutlich auch Mads Pedersen werden schwer abzuhängen sein auf einer Strecke, die kaum Höhenmeter hat. Die Trümpfe, die Pogacar bei seinen drei bisherigen Saisonsiegen hatte, fehlen in Roubaix also. Was ihm bleibt, ist seine scheinbar schier unendliche Ausdauer. Während der Konkurrenz bei langen Angriffen zuletzt langsam der Saft aus den Beinen zu laufen schien, sah der Weltmeister meist aus wie auf einer Gesundheitswanderung. Trotzdem wird er auf der flachen Strecke nicht alle Gegner los - und es gewinnt Mathieu van der Poel, der im Sprint schneller ist als der Slowene, der wiederum hinter van Aert Dritter wird.
SD Worx - Protime hat mit Lotte Kopecky und Lorena Wiebes zwei heiße Eisen im Feuer. Die Konkurrenz muss eigentlich beide loswerden, um den Sieg davontragen zu können. Das klappt nicht. Auf den Spurt wird es aber nicht ankommen. Die Belgier wird auf dem Asphalt davonfahren, während die dezimierte Gegnerschaft die Niederländerin beäugt.
Paul Grosch:
Vor der “Ronde“ hatten viele Fans, mich eingeschlossen, das Gefühl, dass Tadej Pogacar bei Paris-Roubaix vielleicht sogar der Topfavorit ist. Nach seiner überraschend starken Leistung in Belgien wird jedoch am Sonntag Mathieu van der Poel den Rekord für die meisten Siege bei der “Königin der Klassiker“ einstellen. Er kann Pogacar und den anderen Favoriten wie Mads Pedersen und Wout van Aert mit seinem Antritt sowohl auf Asphalt als auch auf dem Kopfsteinpflaster weh tun. Zudem verfügt er über die besten technischen Fähigkeiten und braucht sich im Sprint im Velodrom vor niemandem zu verstecken. Lediglich vor Attacken der breit aufgestellten Teams wie Visma – Lease a Bike und UAE – Emirates – XRG mit mehreren Co-Kapitänen müssen der Niederländer und sein Team auf der Hut sein.
Bei den Frauen sind die Chancen auf einen Außenseitersieg deutlich höher als im Männerrennen. Zoe Bäckstedt, das starke UAE Team ADQ oder das FDJ-Duo mit Elise Chabbey und Franziska Koch sind allesamt realistische Anwärterinnen auf den Sieg. Ich tippe jedoch auf eine Titelverteidigung des Visma – Lease a Bike – Teams, dieses Jahr mit Marianne Vos. Sie kann sich im Finale im Windschatten ausruhen und den Sprint einer kleinen Gruppe für sich entscheiden, nachdem Vorjahressiegerin Ferrand-Prévot erneut früh attackiert und die anderen Teams wie SD Worx – Protime dazu zwingt, ihre Kräfte früher als geplant zu verbrauchen.
Sebastian Lindner:
Es könnte keine größere Bühne geben, um das letzte Mosaikstück, in dem Fall ein Pflasterstein, an Ort und Stelle zu rücken. Tadej Pogacar gewinnt trotz eines starken Mathieu van der Poel im Velodrom von Roubaix als Solist und holt sich den ersehnten Titel bei der “Königin der Klassiker“, mit dem er auch den letzten großen Titel, der ihm noch fehlt, eintütet. Die beiden besten Monument-Jäger der jüngeren Geschichte werden früh ein einsames Rennen fahren. Doch nach drei Jahren mitunter auch erzwungenen Glücks, in denen ihn weder Defekte zurückwarfen noch Flaschenwerfer oder der Degenkolb-Zwischenfall stoppen konnten, muss es ihn dieses Mal irgendwie ereilen. Davon wird Pogacar profitieren. Der Fachmann spricht vom Matthäus-Effekt, das Volk sagt eher: Der Teufel scheißt auf den größten Haufen.
Im Frauen-Peloton gibt es im Vergleich zu den Männern zahlreiche Favoritinnen. Und die werden ständig damit beschäftigt sein, sich gegenzeitig zu beäugen. Und deswegen gewinnt – richtig – keine von ihnen. Während sich Wiesbes, Vos, Ferrand-Prevot, Kopecky und wie sie alle heißen in einer großen Gruppe gemeinsam dem Velodrom nähern, startet die junge, freche Cat Ferguson bereits bei der Einfahrt ins Betonoval eine Attacke. Während der Rest komplett überrumpelt ist und zu lange braucht, um zu reagieren, fährt die 19-Jährige zum vielleicht gar nicht so großen Außenseitersieg. Denn es wäre nicht das erste Mal, dass sie die Konkurrenz auf diese Weise narrt.
Christoph Niederkofler:
Die Meilensteine, welche Tadej Pogacar in diesem Jahr erreichen kann, mögen noch so verlockend sein: An Mathieu van der Poel führt am Sonntag dennoch kein Weg vorbei. Drei Siege in Folge bei Paris – Roubaix kommen nicht von irgendwo, der Niederländer kennt das Rennen wie seine Westentasche – was man von seinem slowenischen Herausforderer nicht unbedingt behaupten kann. Darüber hinaus lastet auf Pogacar eine unglaubliche Erwartungshaltung, die ihm wie im vergangenen Jahr den ein oder anderen Fehler einbrocken könnte.
Bei den Damen sehe ich Pauline Ferrand-Prévot vorn, weil sie aktuell eine seltene Kombination aus klassischer Stärke und moderner Vielseitigkeit mitbringt: Sie kann harte Rennen nicht nur mitgehen, sondern aktiv gestalten. Auf dem Pavé ist genau das entscheidend – nicht das reine Durchhalten, sondern das richtige Timing in den Schlüsselsektoren. Ihr die Titelverteidigung streitig machen könnte Lotte Kopecky. Mit ihrer Übersicht, Physis und Endschnelligkeit muss man die Belgierin immer auf dem Zettel haben – das unterstreicht auch ihr Triumph von 2024.
Christoph Matt:
Tadej Pogacar ist in diesem Jahr noch ohne Gegner. Ich glaube, auch bei Paris Roubaix wird es nicht anders sein. Mit der Erfahrung aus dem Debüt und penibler Materialvorbereitung wird der Slowene mit seiner scheinbar unermüdlichen Ausdauer und einem formidablen Team auch dasjenige Monument gewinnen, das ihm in seiner Sammlung noch gefehlt hat.
Bei den Frauen wird kein Weg an SD Worx - Protime vorbeiführen. Das Duo aus Lotte Kopecky und Lorena Wiebes in seiner aktuellen Form wird nicht abzuhängen sein. Die Belgierin wird dabei die Niederländerin ins Velodrom führen, wo Wiebes den Sprint aus einer kleinen Gruppe gewinnt.
Matthias Seng:
Tadej Pogacar hat aus seinem Debüt im vergangenen Jahr gelernt und wird mit diesen Erfahrungen diesmal gegen Titelverteidiger Mathieu van der Poel bestehen. Der Weltmeister wird es nicht auf ein Sprintduell gegen den Niederländer im Velodrome von Roubauix ankommen lassen, sondern van der Poel mit einer Attacke am Carrefour de l’Abre, dem letzten der drei 5-Sterne-Sektoren abschütteln, um sich als Solist auch das letzte, von ihm noch nicht gewonnene Monument des Radsports, zu sichern.
Bisher stehen fünf unterschiedliche Namen in der Siegerinnenliste des Paris-Roubaix Femmes – am Ende der 6. Auflage des dritten Monuments der Saison wird ein sechster hinzukommen. Das stark besetzte SD Worx-Aufgebot wird alle seine Qualitäten ausspielen und das Feld mit hohem Tempo bis auf eine kleine Spitzengruppe ausdünnen, ehe die Vorjahresdritte Lorena Wiebes im Sprint im Velodrome von Roubaix erstmals die “Königin der Klassiker“ gewinnt.
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