Das ´andere Wunderkind´ zeigt sich in der Weltspitze

Philipsen: “Nicht ganz einfach, zwischen den ganzen kleinen Kletterern“

Von Kevin Kempf

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Albert Withen Philipsen (Lidl - Trek) bei der Ronde van Limburg im April. | Foto: Cor Vos

29.04.2026  |  (rsn) – 19-Jährige sind im internationalen Radsport gerade voll im Trend. Über Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM) wurde zuletzt zurecht mehr als genug geschrieben. Doch auch der, der in dieser Generation eigentlich als das “Wunderkind“ galt, zeigt sich immer deutlicher in der Weltspitze: Albert Philipsen (Lidl – Trek).

Seine letzten vier Renntage absolvierte er auf WorldTour-Niveau, drei davon beendete er unter den besten Zehn. Dabei war das Terrain durchaus unterschiedlich. Beim Amstel Gold Race wurde er Achter, im Prolog der Tour de Romandie ließ er die siebtbeste Zeit notieren und tags drauf kam er bei der Bergetappe als Fünfter ins Ziel. Vielseitigkeit ist sowieso eine Stärke des Dänen. 2023 wurde er – als Fahrer des jüngeren Jahrgangs – Europa- und Weltmeister der Junioren. Fünf Tage nach dem Straßen-Titel in Schottland legte er mit dem auf dem MTB nach. Vier weitere Monate später musste er – etwas enttäuschend – mit Platz fünf bei der Cross-WM zufrieden sein.

Die U23 ließ Philipsen aus, er wurde direkt Berufsradfahrer bei Lidl – Trek und feierte schon in der ersten Saison einige große Erfolge. Im April unterstrich er bei der U23 Ausgabe von Paris-Roubaix (1.2U) als Sieger ein weiteres Mal seine Vielseitigkeit. In Frankfurt wurde er auf WorldTour Niveau im Alter von 18 Jahren Sechster, zwei Wochen später schloss er die Tour de Hongrie (2.Pro) als Dritter ab. Bei seinen letzten beiden Saisonrennen schlug er als Zweiter der Tre Valle Varesine (1.Pro) und Dritter von Paris-Tours (1.Pro) noch mal richtig zu.

Unauffälliger Saisonauftakt

Zum Saisonauftakt wurde es dann zunächst ruhig um den Lidl-Profi, der als starker, aber erfolgloser Ausreißer bei der Ronde van Limburg (1.1) auf sich aufmerksam machte. Vier Tage später kam das bereits erwähnte Amstel und am Mittwoch jener starke Auftritt am Berg. “Ich bin sehr zufrieden. Die Etappe war sehr schwer für mich, denn der Anstieg war wirklich steil“, meinte er am Mikrofon des Presseteams seiner Mannschaft.

Der Ovronnaz (1.Kat.) hatte es mit 8,9% Länge und 9,8% im Schnitt tatsächlich in sich, doch Philipsen hielt lange in der Gruppe um Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) mit. “Es war nicht ganz einfach, zwischen ganzen kleinen Kletterern zu fahren. Es ist mir geglückt, nicht zu viel Zeit zu verlieren“, so der Teenager. Der war mit 1,84 Metern nicht nur etwas größer als seine Begleiter, sondern auch ein gutes Stück schwerer. Das half ihm dann aber vielleicht hinter der Kuppe: “Ich bin dann eine gute Abfahrt gefahren und im Tal haben wir die nächste Gruppe eingeholt und so konnte ich um den fünften Platz kämpfen.“

Licht aus, Spot an!

Ganz gereicht hatte es für den Youngster doch nicht, um an Roglic und Co. dranzubleiben. “Nach etwas mehr als 20 Minuten gingen bei mir die Lichter aus. Ich dachte, es sei vorbei, aber nach ein paar Minuten habe ich den Puls etwas runterbekommen und mich etwas zusammengerissen. Die letzten 2,5 Kilometer fühlte ich mich dann recht gut“, fasste Philipsen zusammen. Auf den letzten Metern machte er dann kurzen Prozess mit seinen Widersachern. “Der Sprint lief gut, fast perfekt. Ich war vor der Kurve etwas zu weit hinten, konnte mich aber innen vorschieben und bin in der dritten Position auf die Zielgerade gekommen“, blickte er zurück. “Ich habe dann einen langen Spurt gefahren. Ich konnte ihn durchziehen und so kam niemand neben mich“, fügte er an.

Im Klassement rangiert der Däne nun auf dem fünften Platz. Damit liegt er rund fünfeinhalb Minuten vor seinem ersten Teamkollegen, Sam Oomen. “Ich werde probieren, die gute Position im Klassement zu verteidigen. Und wir werden sehen, was passiert“, meinte Philipsen, der hinter dem drei Jahre älteren Lenny Martinez (Bahrain Victorious) und dem zwei Jahre älteren Jörgen Nordhagen (Visma – Lease a Bike) Dritter der Nachwuchswertung ist. Die 2. Etappe von Rue nach Vucherens sollte ihm - wenn man Spitzenreiter Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) ausklammer - von den Besten in der Gesamtwertung jedenfalls am ehesten liegen.

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