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10.05.2026 | (rsn) - Reine Kletterräder sind im Männerpeloton selten geworden. Die hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten machen aerodynamische Rahmen oft zur besseren Wahl. Bei den Frauen sieht man klassische Bergräder noch etwas häufiger, doch auch hier scheint das reine Kletterbike einen langsamen Tod zu sterben. Für die Angliru-Premiere der Frauen ließen viele Teams aber die klassischen Leichtgewichte wieder hochleben.
Unter den ersten zehn Fahrerinnen setzte nur eine auf ein Aerobike. Usoa Ostolaza (Laboral Kutxa – Fundación Euskadi) fuhr auf dem windschnittigen Rahmen des chinesischen Herstellers X-Lab einen der härtesten Anstiege des Radsports und landete auf dem achten Platz. Der Rest der Top Ten vertraute jedoch auf reine Bergräder oder griff zumindest zum Allround-Modell des Sponsors.
Auffällig unaufällig war dabei das Rad der Etappensiegerin Petra Stiasny (Human Powered Health). Aus Gewichtsgründen blieb ihr Factor O2 VAM farblos und die Schweizerin fuhr ohne bunte Teamlackierung ihren ersten WorldTour Sieg ein. Laut Teamwaage wog das rennfertige reinrassige Kletterbike 6,84 Kilogramm und lag damit nur 40 Gramm über dem UCI-Minimum. Für Stiasny, die selbst nur knapp über 40 Kilo wiegen dürfte, ein durchaus relevanter Wert. Ein Anteil daran könnte auch den auf Gewicht optimierten Laufrädern zuzurechnen sein, verbaut waren lediglich 30 Millimeter hohe Felgen der bei Factor hauseigenen Marke Black Inc.
Die Gesamtsiegerin und Etappenzweite Paula Blasi (UAE - ADQ) verzichtete ebenfalls auf das Aerobike und fuhr auf einem Colnago V5Rs, das beispielsweise Tadej Pogacar bei der letztjährigen Tour de France im Keller verstauben ließ. Die Tagesvierte und Gewinnerin des Weißen Trikots, Marion Bunel (Visma - Lease a Bike), ersetzte ihr Cervelo S5 mit dem leichteren Cervélo R5, ein Modell, das man im Männerfeld inzwischen ebenfalls sehr selten sieht.
Fünf der ersten zehn Fahrerinnen waren auf Specialized unterwegs, das mit FDJ United - Suez, AG Insurance - Soudal und SD Worx - Protime gleich drei Teams sponsert. Wenig überraschend fuhren alle auf dem Tarmac SL8, das bei allen Straßenrennen der Rahmen der Wahl für Specialized Teams ist. Mit dem noch leichteren Modell Athos der kalifornischen Marke hätten sich aber eventuell noch ein paar Gramm herauskitzeln lassen.
Viele Profis mit SRAM-Setup waren zudem mit dem neuen, sehr niedrigen ZIPP 202 Laufrad unterwegs, das sich im WorldTour-Peloton sonst eher selten blicken lassen wird.
Besonders interessant präsentierte sich das Setup von Anna van der Breggen (SD Worx - Protime), die auf der letzten Etappe das Führungstrikot noch verlor. Als einzige Fahrerin ihres Teams setzte sie auf einen 1x-Antrieb mit einer ungewöhnlich großen Kassette aus dem MTB-Bereich (10–52).
Die Idee dahinter dürfte die große Übersetzungsbandbreite in Kombination mit der Gewichtsersparnis durch den wegfallenden Umwerfer gewesen sein. Beides fällt allerdings geringer aus, als man annehmen könnte. Die MTB Kassette selbst ist rund 120 Gramm schwerer als ihr Rennrad-Pendant.
Hinten MTB-Kassette, vorne sehr niedrige ZIPP-Felge: Das Rad von Anna van der Breggen sieht auf den ersten Blick extrem ungewöhnlich aus. | Foto: Cor Vos
Beim genaueren Blick auf das 1x-Kettenblatt relativiert sich auch der Eindruck einer extremen Übersetzung. Mit 48 Zähnen als kleinstem Blatt liegt der tatsächliche Unterschied zur kleinstmöglichen SRAM-Rennradübersetzung bei nur 0,7 Prozent.
Rein physikalisch überrascht es nicht, dass bei den Bergetappen der Frauen mehr Anpassungen beim Material stattfinden als bei den Männern. Fahrerinnen sind im Schnitt leichter als ihre männlichen Kollegen. Das Rad macht damit prozentual einen größeren Anteil am Gesamtsystemgewicht aus. Gewichtsersparnis macht also im Vergleich einen größeren Unterschied als im Männerfeld.
Gerade an einem Berg wie dem Angliru kann das den Ausschlag geben und ist moralisch ebenfalls nicht zu unterschätzen. Dass Petra Stiasny wusste, dass sie kaum unnötige Gramms mit hinaufschleppt, könnte ihr auch mental Flügel verliehen haben.