Sieberg: “Wir wollten kein Loch zufahren“

Tudor ließ beim Giro die kleine Chance auf Rosa liegen

Von Kevin Kempf

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Marcel Sieberg ist Sportlicher Leiter von Tudor beim Giro. | Foto: Cor Vos

10.05.2026  |  (rsn) – Rund 20 Zentimeter fehlten Florian Stork (Tudor) auf dem Zielstrich der 2. Etappe des 109. Giro d’Italia auf den Tagessieg und das Rosa Trikot. Das sorgte beim Deutschen für “etwas Enttäuschung“, doch brachte es ihn auch in eine hervorragende Ausgangsposition für die nächsten Tagesabschnitte. Schließlich weist er im Klassement nur vier Sekunden Rückstand auf den Gesamtführenden Guillermo Silva (XDS – Astana) auf. Schon am Sonntag bot sich eine neue Chance, das Rosa Trikot zu übernehmen.

Der Red-Bull-Sprint wartete 13 Kilometer vor dem Ziel. Und dort konnten die ersten drei Fahrer Bonussekunden gewinnen; nämlich sechs, vier und zwei. Allerdings fuhren drei Ausreißer seit Etappenbeginn knapp vor dem Feld – 17 Kilometer vor dem Wertungsstrich wurde ihr Vorsprung von der Zeiteinblendung auf 30 Sekunden beziffert. 

Doch die Mannschaft des Gesamtzweiten machte zu keinem Augenblick Anstalten, die Lücke zuzufahren, stattdessen wurde die wieder größer und betrug beim Sprint erneut circa eine Minute.

Wollten die Schweizer die Gesamtführung gar nicht übernehmen? “Wenn du vier Sekunden hinter dem Rosa Trikot bist, dann ist das natürlich der Plan“, erklärte der Sportliche Leiter Marcel Sieberg gegenüber Eurosport. “Wir haben gesagt, dass wir dafür fahren, wenn es möglich ist. Wir wollten aber kein Loch zufahren und dafür zwei oder drei Fahrer opfern. Wir hätten das echt nur gemacht, wenn die Möglichkeit da gewesen wäre“, präzisierte der 44-Jährige.

Eurosport-Experte Robert Bengsch war im Velo-Club teilweise mit der Aussage einverstanden. Ihm leuchte ein, dass man nicht die gesamte Etappe hinter der Gruppe herfahren wolle. Aber in der Situation, wie sie sich tatsächlich präsentierte, hätte er anders gehandelt.

Bengsch ist kritisch

“Das Rosa Trikot ist eine Riesenchance für Tudor“, begann er, um sich dann auf den Moment zu fokussieren, als der Abstand zwischen beiden Gruppen noch eine Minute betrug. “Die hätte ich versucht zuzufahren mit dem Team. Das kostet Kraft, ich habe nicht vergessen, wie doll das wehtut“, meinte der ehemalige Stagiaire beim T-Mobile Team, der 2010 bei der Bulgarien-Rundfahrt (2.2) in Burgas, dem Zielort der 1. Etappe dieses Giro, einen seiner drei Profisiege gefeiert hatte.

“Für diese Investition wäre es das sicherlich wert gewesen“, urteilte er abschließend. Statt unterwegs für Stork, baute Tudor seinen Zug im Finale auf. Da wurde der Schweizer Robin Froidevaux unterstützt, der am Ende Zwölfter wurde. Dessen Chancen standen von vorneherein schlecht, was man allerdings ebenfalls über die des Deutschen beim Zwischensprint sagen muss.

Die schnelle kasachische Garde

“Malucelli ist da von Astana. Der kann auch sprinten und die anderen von Astana können das auch“, erläuterte Sieberg. Tatsächlich ist Matteo Malucelli der nominell beste Sprinter der beiden Mannschaften, der im Zielsprint Fünfter wurde. Mit Davide Ballerini brachten die Kasachen einen weiteren Fahrer in die Top Ten. Gegen beide hätte Stork beim Zwischensprint wohl keine Chance gehabt – und somit wäre die Eroberung des Rosa Trikots nicht möglich gewesen, zumal Silva am Vortag auch schneller war als der Tudor-Profi. 

“Deswegen ist es auch nicht so, dass man die Sekunden unbedingt holt, wenn man das Loch zufährt“, fügte Sieberg an. Andererseits ist fraglich, inwiefern XDS einen oder beide Sprinter schon 13 Kilometer vor dem Ziel belastet hätte.

So richtet sich der Blick beim Zweitdivisionär auf die nahe Zukunft. “Bevor wir zum Giro gefahren sind, haben wir Pläne gehabt. Da war natürlich nicht dabei, dass Florian Zweiter in der Gesamtwertung ist. Der Plan war aber, dass Florian gestern auf die Etappe geht und so automatisch in der Gesamtwertung auch vorn ist“, legte Sieberg dar. 

Und nach dem Ruhe- beziehungsweise Reisetag folgen auf italienischem Boden zwei Teilstücke, die seinem Schützling liegen sollten. “Ich glaube, da kommen jetzt gute Etappen für uns. Wir schauen, was Florians Beine am Ende rausholen. Wenn man so knapp dran ist, versucht man natürlich das Maximum“, schloss er. Allerdings versuchte man genau das bei Tudor auf dem Weg nach Sofia eben nicht.

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