Youngster schon mit zwei Giro-Etappensiegen

Magnier ist in der Sprinterelite angekommen

Von Paul Grosch

Foto zu dem Text "Magnier ist in der Sprinterelite angekommen"
Paul Magnier (Soudal - Quick-Step) stellt sich der Sprinter-Elite beim Giro d´Italia eindrucksvoll vor. | Foto: Cor Vos

11.05.2026  |  (rsn) – Nach zwei Etappensiegen in drei Tagen beim 109. Giro d'Italia (2.UWT) ist Paul Magnier (Soudal - Quick-Step) in der Weltspitze der Sprinter angekommen. Der erst 22 Jahre alte Franzose kann nach etwas mehr als zwei Profijahren bereits 28 Siege vorweisen. In der vergangenen Saison gewann er 19 Rennen, nur eins weniger als der Weltmeister Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG).

Auf allerhöchstem Niveau feierte Magnier seine Siege in der Vergangenheit aber noch nicht. Fünf Erfolge holte er bei der Tour of Guangxi (2.UWT), dem letzten größeren Rennen der Saison. Das Sprinterfeld dort war nicht sonderlich stark besetzt, zudem hatten viele Fahrer am Saisonende nicht mehr ihre beste Form. Trotz zahlreicher Siege hatte Magnier den Nachweis, es mit den besten Sprintern der Welt um Jonathan Milan (Lidl - Trek) aufnehmen zu können, noch nicht erbracht.

Die Saison 2026 begann gut - mit zwei Etappensiegen und dem Gewinn des Punktetrikot bei der Algarve-Rundfahrt (1.Pro). Im Frühjahr wusste er dagegen weniger zu überzeugen. Bei Kuurne-Brüssel-Kuurne (1.Pro) fiel er früh zurück. Auch bei Mailand-Sanremo (1.UWT) gelang es Magnier ihm nicht, in der ersten größeren Gruppe um die vorderen Platzierungen mitzusprinten.

Als Außenseiter zu zwei Tagessiegen

Sein letztes Rennen vor dem Giro d’Italia, die Flandern-Rundfahrt (1.UWT), beendete er auf einem unauffälligen 36. Platz. Vor der 1. Giro-Etappe in Bulgarien galt Magnier lediglich als Mitfavorit mit Außenseiterchancen auf das erste Maglia Rosa.

In Anwesenheit von starken Ssprintern wie Jonathan Milan (Lidl – Trek), Dylan Groenewegen (Unibet – Rose) oder Tobias Lund Andresen (Decathlon – CMA CGM) gestanden ihm nur wenige Experten wirklich gute Chancen zu.

Nach einem Massensturz 700 Meter vor dem Ziel war Magnier auf der 1. Etappe in einer elfköpfigen Gruppe, die unversehrt blieb, als einziger Fahrer mit zwei Teamkollegen. Das Team setzte die Vorgaben der Sportlichen Leiter sehr gut um.

“Es war der Plan, im Finale links zu bleiben. Danach haben wir alle Fahrer gebraucht und Paul (Magnier) hat es zu Ende gebracht. Das ist sein wichtigster Sieg in diesem Jahr bisher“, sagte Davide Bramati im Ziel am Eurosport-Mikrofon. Im Finale fuhr Soudal – Quick-Step praktisch die ganze Zeit auf der linken Straßenseite.

Perfekt vorbereitet und mit gutem Plan

Das “Wolfpack“ traf auch sonst die richtigen Entscheidungen. Jasper Stuyven erklärte seine Taktik im Finale in Burgas am Freitag. “Wir waren vielleicht etwas zu knapp dran, als es in den letzten Kilometer ging. Aber dann hat Walscheid nochmal richtig gezogen und kurz dachte man wahrscheinlich, er hängt mich ab. Aber ich wusste, dass ich Dries bei 400 Metern absetzen musste und habe das gemacht.“

Auch die Vorbereitung lief bis auf die krankheitsbedingte Absage des GC-Kapitäns Mikel Landa perfekt. Magnier trainierte im Höhentrainingslager gut. Dort entwickelte sich auch der Traum vom Rosa Trikot. Auf der 2. Etappe musste er dieses dann mit dem Maglia Ciclamina des Punkteführenden eintauschen.

Auf der 3. Etappe konnte Magnier wieder jubeln. Der Plan ging erneut auf. “Wir wollten einen Kilometer vor dem Ziel in guter Position sein. Das haben wir dann umgesetzt“, sagte der Sprinter direkt danach im Sieger-Interview.

Magniers Selbstvertrauen wächst

Nach den zwei Siegen und einem großen Vorsprung von 41 Punkten in der Punktewertung auf Milan ist das Selbstvertrauen im Team und bei Magnier selbst groß. “Wenn man gewinnt, sieht man das den Fahrern und dem Staff an“, bestätigte Bramati nach der Etappe. “Wir werden weitermachen.“ Sein Nachsatz kann als Warnung an die Sprint-Konkurrenz gesehen werden.

Auch Magnier will noch mehr erreichen. “Erstmal reisen wir nach Italien und genießen den zweiten Etappensieg. Dann werden wir einen neuen Plan machen und versuchen, eine weitere Etappe zu gewinnen.“ In seiner aktuellen Form wäre nur ein weiterer Tagessieg fast schon pessimistisch gedacht. 

Denn Magnier hat den Sprung in die absolute Sprint-Elite spätestens mit seinen eindrucksvollen Siegen beim Giro vollzogen.

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