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11.05.2026 | (rsn) – Während der Giro d’Italia in Bulgarien die Grand-Tour-Saison eröffnete, fand am Sonntag im Norden Frankreichs das “kleine Paris-Roubaix“, die Tro-Bro Léon (1.Pro), statt. Filippo Fiorelli (Visma – Lease a Bike) setzte sich etwa fünf Kilometer vor dem Ziel aus der Spitzengruppe ab und gewann sein erstes Rennen für seinen neuen Arbeitgeber.
Der Italiener rettete sich zeitgleich vor Alexis Renard (Cofidis) und Lewis Askey (NSN) ins Ziel. Das Rennen war von vielen Attacken geprägt, aus denen sich immer wieder kleine Spitzengruppen bildeten. Fiorelli profitierte davon, dass mit Axel Zingle und Per Strand Hagenes zwei weitere Teamkollegen in der Spitzengruppe vertreten waren.
Das Rennen im äußersten Nordwesten Frankreichs ist jedes Jahr ein Highlight. Hier treten vor allem Klassikerfahrer an, die nicht bei den Etappenrennen eingesetzt werden. Das Starterfeld ist daher oft recht ausgeglichen, was einen offenen Rennverlauf mit vielen Attacken begünstigt. Entscheidend sind die Ribinoù, was übersetzt “alles außer Straße“ bedeutet. Die Sektoren verlaufen über unbefestigte Wege, Schotter oder Kopfsteinpflaster.
Ein Solosieg war in den vergangenen Jahren selten. Meistens lief es auf einen Sprint von zwei oder mehr Fahrern hinaus. Christophe Laporte war 2018 der letzte Sieger, der als Solist im Ziel ankam. Mit Blick auf die restlichen Fahrer in der Spitzengruppe in diesem Jahr wäre Fiorelli auch in einem Sprint einer der Favoriten gewesen.
Vielleicht überraschte genau das seine Konkurrenten. Außer Visma – Lease a Bike war nur Decathlon – CGA – CGM mit zwei Fahrern in der Spitzengruppe vertreten. Fiorelli griff 3,5 Kilometer vor dem Ziel auf Asphalt aus der elfköpfigen Gruppe an und erreichte den letzten unbefestigten Sektor Meshuel mit einem kleinen Vorsprung. Am Ende des Abschnitts betrug sein Vorsprung acht Sekunden.
Auf dem letzten Kilometer konnte die Gruppe dahinter sich nicht mehr gut organisieren. Hagenes und Zingle blockierten 700 Meter vor dem Ziel entscheidend die Nachführarbeit. Auch Decathlon hatte keine Helfer mehr übrig.
Der 31 Jahre alte Italiener hatte auf der Zielgeraden sogar noch Zeit, sich auf dem Rad aufzurichten und kurz vor der Ziellinie zu jubeln. Es war sein zweiter Profisieg und der erste auf Pro-Tour-Niveau.
Der Profi aus Palermo war erst im Winter zum niederländischen Team gewechselt. Davor fuhr er sechs Jahre beim italienischen Pro-Team VF Group – Bardiani CSF – Faizanè. Dort gewann er 2021 die Trofej Porec (1.2), seinen bisher größten Sieg. Beim Giro d’Italia verpasste er 2021 und 2023 zweimal einen Etappensieg knapp mit dem dritten Platz.
Auffällig war dabei, dass einer dieser dritten Plätze bei einem Massensprint auf der letzten Etappe in Rom erreicht wurde. Das andere Mal war er der Drittbese einer Ausreißergruppe auf einer hügeligen Etappe. Der letzte Anstieg wenige Kilometer vor dem Ziel war fast zehn Prozent steil. Fiorelli zeigte schon hier seine vielseitigen Fähigkeiten.
Bei Visma – Lease a Bike ist er vor allem als Helfer und Anfahrer für Matthew Brennan geplant. Der vielseitige Jungstar ist bei Klassikerrennen die beste Option für einen Sieg des Teams. Fiorelli soll in den nächsten Jahren mit seiner Erfahrung und Kletterstärke Brennans Chancen bei den Eintagesrennen verbessern. Am Sonntag zeigte er zum ersten Mal, dass auch er selbst eine gute Option sein kann.