RSNplusDas Grand-Tour-Debüt der Unibet - Rose Rockets

Groenewegen, Kittel und Co. zwischen Sturz und Podium

Von Christoph Matt

Foto zu dem Text "Groenewegen, Kittel und Co. zwischen Sturz und Podium"
Die Unibet - Rose - Rockets bei der Teampräsentation in Bulgarien | Foto: Cor Vos

12.05.2026  |  (rsn) - Der Radsponsor Rose hätte für die perfekte Grand-Tour-Premiere alles angerichtet: Der rosarote Rose-Rahmen für Dylan Groenewegen (Unibet - Rose Rockets) wäre schon lackiert und vor Ort gewesen. Der Radsportverantwortliche des Bocholter Herstellers, Bastian Marks, wurde mit frischem Material im Gepäck nach Bulgarien eingeflogen. Die 1. Etappe des Giro d’Italia verlief für die Unibet - Rose Rockets aber nicht gerade optimal.

Groenewegens Chance auf ein Rosa Trikot endete beim Sprintauftakt in Burgas mit einem Massensturz. Glücklicherweise ließ der sechsfache Tour-Etappensieger jedoch nicht allzu viel Haut auf der engen Straße und konnte auf der 3. Etappe Rang drei und damit das erste Grand-Tour-Spitzenergebnis für die Mannschaft einfahren.

Zufrieden zeigte sich Groenewegen damit jedoch nicht. "Das Team hat einen fantastischen Job gemacht, ich hätte aber einfach früher losfahren sollen, dumm. Wir sind auch heute für den Sieg gekommen, ich bin also nicht zufrieden mit dem dritten Platz. Das hätte ich mir für die Mannschaft gewünscht. Wenigstens macht es Hoffnung auf die nächste Chance", resümierte Groenewegen am Ende des Bulgarienausflugs.

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Einen Tick zu spät dran: Groenewegen (rechts) unterliegt im Sprint von Sofia knapp gegen Magnier (Mitte) und Milan (links). | Foto: Cor Vos

Immerhin ließ Marcel Kittel, der Sprint-Coach des Teams, aus dem Auto positive Worte verlauten. "Ich weiß, dass sich das jetzt scheiße anfühlt. Aber das war ein verdammt gutes Leadout. Mit diesem Leadout werden wir gewinnen", sagte er nach der Ankunft.

Bulgarische Doppel-Logistik

Grundsätzlich sei der Start in Bulgarien allerdings gelungen, erzählte Marks im Gespräch mit RSN: "Die Stimmung war supergut. Am Start und Ziel war schon gut was los, es hingen überall Flaggen und die Leute wussten schon Bescheid. Sehr viele hatten irgendwas Rosanes an oder sich Merch gekauft."

Im Telefonat betonte der Besenwagen-Podcast-Host allerdings auch den finanziellen und logistischen Aufwand des Starts an der Goldküste. Jede Equipe schickte zwei Trosse für die Rundfahrt los, einen zuerst nach Bulgarien, knapp danach fuhr ein weiterer nach Italien. “Je kleiner das Team und je weniger Material im Vorfeld schon vorhanden ist, desto knapper ist alles. Das macht so eine Doppel-Logistik dann nochmal schwerer”, erläuterte er.

Sprint-Coach Kittel und Teamchef Tietema im Frühjahr bei der Ronde van Brügge. | Foto: Cor Vos

Auf Social Media präsentiert sich die bisherige Giro-Berichterstattung des jungen Teams gewohnt humoristisch. Man merkt der Mannschaft von Bas Tietema jedoch an, dass sie deshalb nicht weniger ernsthaft arbeitet. Der mit dem dritten Platz deutlich enttäuschte Groenewegen untermauerte den Eindruck, dass das Ziel eines Etappensiegs bei der Grand-Tour-Premiere durchaus nicht als Floskel für Sponsoren zu verstehen ist.

Mit Kittel zum perfekten Sprintzug

Für diese Mission ist Kittel als Dirigent des Sprintzugs in Italien dabei und fuhr im Vorfeld alle potenziellen Massenankünfte selbst ab. Die erste Geige im Leadout spielt Elmar Reinders, in Marks Worten "Dylans Adjutant, der das schon seit Ewigkeiten kennt und einen guten Job macht". Reinders kam gemeinsam mit Groenewegen im Winter von Jayco – AlUla zu den Rockets.

Ursprünglich wäre auch Carsten Feldmann, der Groenewegen bei seinen bisher vier Saisonsiegen ins Finale brachte, eingeplant gewesen. Der Norweger erkrankte jedoch noch vor dem Rennen und wurde durch Matyas Kopecky ersetzt, der die Rundfahrt nun gemeinsam mit seinem Bruder Tomas im Aufgebot bestreitet. "Matyas war im diesjährigen Klassiker-Frühjahr schon vorne dabei. Die Brüder sind Weltklasse, beide recht groß, eher Klassikertypen und werden das schon regeln", sieht Marks den Sprintzug in dieser Besetzung ebenfalls gut aufgestellt.

Lukas Kubis und Wout Poels waren vor dem Start der 3. Etappe zu Scherzen aufgelegt. | Foto: Cor Vos

Neben den Spezialisten für das schnelle Finale hat aber noch ein weiterer Fahrer der Mannschaft eine Rechnung mit dem Giro offen. Wout Poels fehlt für seinen Grand-Tour-Hattrick noch ein Etappensieg in Italien. "Der will auf jeden Fall dezidiert eine Etappe gewinnen. Die Erfahrung, wann man in eine Gruppe geht und wie man das dort macht, hat er und ich glaube, treten kann er sowieso noch", hält Marks auch einen Ausreißersieg mit dem Kletter-Routinier für möglich.

Die nächste große Chance wird indes wieder der Sprintfraktion gehören, denn schon auf der 4. Etappe läuft wohl alles auf eine Massenankunft hinaus – wenn das Tempo am Kategorie-2-Anstieg eingangs des letzten Renndrittels nicht zu hoch für Groenewegen und Co. ist. Abseits der Flachetappen wird es aber ebenso spannend zu beobachten sein, wie sich das Team bei seinem Debüt über drei Wochen schlagen wird. Neben einem möglichen Etappensieg können die Rockets vor allem wertvolle Erfahrung mitnehmen. Einzig das rosarote Rose Shave FFX dürfte nach dem verpatzten Auftakt vorerst umsonst lackiert worden sein.

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