RSNplusArensman auf Podium, Ganna plant Etappenjagd

Nach dem Zeitfahren sieht es für Ineos rosig aus

Von Tom Mustroph aus Massa

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Filippo Ganna (Netcompany - Ineos) hat im Giro-Zeitfahren einen Favoritensieg gefeiert. | Foto: Cor Vos

19.05.2026  |  (rsn) - Für Netcompany - Ineos, formerly known as Team Sky, gestaltet sich dieser 109. Giro d’Italia (2.UWT) mittlerweile ziemlich rosig. Gut, mit dem Rosa Trikot hatten die Briten bisher noch nichts zu tun gehabt. Aber pünktlich zum Zeitfahren hat nicht nur Spezialist Filippo Ganna den erwarteten Tagessieg geholt. Teamkollege Thymen Arensman sorgte für einen kaum erwarteten Doppelerfolg. Auf Position zwei hatte man eher Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) erwartet. Aber der Däne legte ein erstaunlich mittelmäßiges Zeitfahren hin.

Arensman hingegen erwies sich als der Beste unter den Klassementfahrern. Tagessieger Ganna lobte daher auch sofort den Teamkollegen. “Er ist superstark gefahren, eigentlich wie beim Tirreno-Zeitfahren im März“, meinte der Italiener. Damals kamen sie ebenfalls auf 1 und 2 ein, Ganna mit einem Durchschnittstempo von 56,8 km/h, Arensman mit 55,2.

Jetzt beim Giro waren es 54,9 bzw. 52,7 km/h, aber die Strecke auf teilweise den gleichen Straßen war diesmal fast vier Mal so lang. “Für den Kopf war es einfach schwer. Das Ziel beim Tirreno kam ja wesentlich früher. Aber aus dem Auto haben sie mich gut unterstützt“, lobte Ganna auch den Zuspruch der Begleiter hinter ihm. ___STEADY_PAYWALL___

Überhaupt hatte er süßeste Worte für das vor allem Management-seitig neu aufgestellte Team parat. “Der ganze Rennstall hat super gearbeitet, wir machen Fortschritte“, meinte der 29-Jährige zum italienischen Fernsehen.

Filippo Ganna (Netcompany – Ineos) hat nach seinem Zeitfahrsieg gut lachen. | Foto: Cor Vos

Auch Arensman, im mittlerweile vierten Jahr bei den Briten, ist mit der aktuellen Situation offenbar im Reinen. Seinen Teamkollegen stellte er für das gute Positionsfahren für ihn in der ersten Giro-Woche eine 1a-Note aus. Der Niederländer ließ allerdings durchblicken, dass er mit den Privilegien der Leaderposition manchmal noch etwas hadert. “Manchmal fühle ich mich etwas schlecht, wenn ich jemandem meine Regenjacke gebe. Denn eigentlich will ich selbst die Dinge tun. Aber am Ende ist es mein Job, Resultate zu bringen und sie haben einen anderen Job zu erledigen“, zitierte ihn sein Team nach dem Rennen.

Arensman ist mittlerweile in die alleinige Leaderposition zumindest beim Giro hineingerutscht. Ursprünglich sollte er sich den Job mit Egan Bernal teilen. Aber der Kolumbianer ist nicht einmal mehr in den Top 10, verlor auf der Blockhaus-Etappe fast drei Minuten auf Sieger Vingegaard und immer noch mehr als eine auf Arensman. Und dass, obwohl er nach eigenen Angaben auf dem Wattmesser tolle Zahlen sah. “Ich bin die besten 40 Minuten meines Lebens gefahren“, sagte der Toursieger von 2019 und Giro-Gewinner von 2021. Aber im Jahr 2026 reicht nicht einmal das – ein Zeichen offenbar für die enorme Leistungsentwicklung im Straßenradsport.

Jetzt steht der Grand Tour-Sieger der alten Zeit dem eindeutig zur Nummer 1 im Team avancierten Arensman vor allem als wichtiger Ratgeber zur Seite. So jedenfalls beschreibt es der Niederländer: “Egan ist ein guter Typ. Er ist ein Krieger auf dem Rad und super entspannt, wenn er vom Rad steigt. Ich lerne immer noch von ihm, denn er hat unglaublich viel Erfahrung.“

Thymen Arensman machte den Ineos-Doppelerfolg perfekt. | Foto: Cor Vos

Arensman fühlt sich da auch an die letzten Jahre erinnert, als er vor allem an der Seite von Geraint Thomas fuhr. Auch von dem Waliser, mittlerweile "Director of Racing" bei Ineos und beim Giro vor Ort dabei, habe er sich eine Menge abgeguckt. “Und jetzt versuche ich meinen eigenen Dreh draus zu machen“, meinte er.

Im Gesamtklassement ist er jetzt bereits Dritter, hat den Österreicher Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) verdrängt. Zu Vingegaard, der den Sprung an die Spitze verpasste, fehlen ihm zwar anderthalb Minuten. Dennoch liegt der 26-Jährige deutlich auf Podiumskurs.

Auf die Hilfe von Etappensieger Ganna kann er sich in Zukunft zumindest halb verlassen. Der Italiener kündigte zwar an, nun auch selbst auf Etappenjagd zu gehen. Das aber nur an jenen Tagen, an denen das Profil nicht für den neuen Chef Arensman spricht. “Es gibt Etappen, die vom Profil für ihn geeignet sind und welche, die mir liegen. Im Hochgebirge würde ich ihm ohnehin keine große Hilfe sein. Da gibt es andere im Team, die ihn besser unterstützen können“, meinte der zweimalige Zeitfahrweltmeister.

Im Kampf um das Gesamtklassement kann Arensman auf den früheren Giro-Sieger Egan Bernal bauen. | Foto: Cor Vos

Nach komplettem Support für Arensmans Podiumsambitionen klingt das nicht. Es bleibt spannend zu sehen, wie die Sportliche Leitung vor Ort da die rechte Balance herstellt.

Arensman seinerseits muss beweisen, dass er auf den langen Rampen die klare Nummer 2 hinter Vingegaard ist. Am Blockhaus musste er sowohl Gall als auch das Red-Bull-Duo Jai Hindley und Giulio Pellizzari ziehen lassen. Am Corno alle Scale war Gall erneut stärker. Mit dieser Etappe haderte Arensman im Nachhinein ein wenig. “Ich habe da zu lange gezögert, als Felix und Jonas gingen. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer“, meinte er.

Auf der Etappe am Samstag in Aosta kann er beweisen, wie steil seine Lernkurve nach oben geht.

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