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23.05.2026 | (rsn) – Nach einigen hügeligen Etappen und nur zwei Bergankünften am Ende der ersten Giro-Woche steht am Samstag nun in den Alpen die erste richtige Hochgebirgsetappe an – und die sollte das Gesamtklassement nun nochmal so richtig sortieren. Auch Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) hat sich die 14. Etappe rot markiert. Er will dort mehr Distanz zwischen sich und die anderen Klassementfahrer bringen sowie natürlich zunächst mal das Rosa Trikot von Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) übernehmen. Für den Dänen ist der Samstag ein "auserwählter Tag".
Zur Ankunft in den Alpen führt die Strecke im Aostatal vom Start weg ständig bergauf und bergab. Fünf kategorisierte Anstiege stehen auf dem Programm, mit einer schweren Bergankunft zum Abschluss.
Vielleicht auch deswegen gab es in den vergangenen Tagen auf den hügeligen Tagesabschnitten kaum Attacken der Klassementfahrer, obwohl es dafür passende Streckenabschnitte in den Etappenfinals gegeben hätte – sowohl in den Cinque Terre auf Etappe 11 als auch in Verbania auf Etappe 13. Kräftesparen schien angesagt, denn nun gilt's. Der Gesamtführende Afonso Eulalio könnte am Freitag seinen letzten Tag im Rosa Trikot verbracht haben.
Top-Favorit Vingegaard verbindet gute und schlechte Erinnerungen mit dem Aostatal. "Ich habe beim U23-Rennen dort ein Zeitfahren gewonnen, am Tag darauf aber bin ich gestürzt und musste leider aufgeben", erzählte er am Eurosport-Mikrofon am Freitagnachmittag. Der Däne hofft, ähnlich wie bei Paris-Nizza, Revanche nehmen zu können. Dort war er im vergangenen Jahr ebenfalls gestürzt und gewann die Fernfahrt dafür 2026 überzeugend.
Nun freut er sich auf eine schwere Etappe – und das schon seit Monaten: "Ehrlich gesagt habe ich mich die ganze Zeit schon sehr auf die morgige Etappe gefreut. Schon seit ich den Giro-Parcours zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich, dass das eine der härtesten Etappen ist – nicht superlang, aber man kann da großen Schaden anrichten", sagte der Däne. "Wir haben uns die Etappe schon vor dem Start des Giros angestrichen – wie ich immer sage: Man muss sich die Tage aussuchen, und morgen ist einer dieser auserwählten Tage."
Doch nicht nur Vingegaard hat sich den Samstag dick angestrichen. "Morgen ist ein großer Tag. Das wird eine wirklich ehrliche Etappe", sagte auch Jai Hindley (Red Bull – Bora – hansgrohe). "Ich denke es ist ziemlich geradeheraus: Du musst einfach die Beine haben." Einen Recon hat der Australier nicht gemacht.Das übernahm sein Sportlicher Leiter Christian Pömer im März. "Die Straße wird schon direkt nach dem Start die Wahrheit zeigen, denn es geht sofort 17 Kilometer bergauf", erzählte der Österreicher.
Pömer erwartet, dass danach jeder weiß, wo er steht. Die Verantwortung sieht er beim Team des Top-Favoriten. "Ich denke, dass es für die Visma-Jungs relativ einfach zu kontrollieren wird." Ein Duell seiner Fahrer Hindley und Giulio Pellizzari gegen Vingegaard erwartet er nicht. Auch wenn der Däne zuletzt kränkelte, lässt sich Pömer dadurch wohl nicht dazu verleiten, einen Großangriff auf Visma und Vingegaard anzuzetteln. "Ich mache mir keine Sorgen um Jonas Vingegaard. Unser Ziel ist das Podium in Rom", betonte er, wo das eigene Schlachtfeld liegt.
Dafür müssen auch die Bora-Kapitäne spätestens am Schlussanstieg nach Pila erste Schritte machen. Hindley liegt aktuell mit über drei Minuten Rückstand auf Eulalios Rosa Trikot und 1:09 Minuten auf den dritten Platz von Thymen Arensman (Netcompany – Ineos) auf dem sechsten Gesamtrang, Pellizzari rangiert 1:30 Minuten weiter hinten auf Platz neun.
Der junge Italiener hatte in den vergangenen Tagen mit Magenproblemen zu kämpfen. Hindley zeigte am Berg auch nicht immer seine beste Leistung. Deshalb will Pömer es zunächst vorsichtig angehen lassen. "Wir werden morgen einfach nach Situation entscheiden. Vielleicht fahren wir auch konservativ und schauen, ob irgendjemand reißen lässt", sagte er am Freitag.
Ben O’Connor (Jayco – AlUla) - aktuell Gesamtfünfter, 22 Sekunden vor Hindley - freut sich schon lange auf die Berge. "Es wird schön, zurück in die richtigen Berge zu kommen", sagte er am Lago Maggiore nach Etappe 13. "Am Blockhaus war ich gut. Es ist lange her seitdem, morgen ist Etappe 14. Ich hoffe, ich habe einen guten Tag." Der Australier fühlt sich gut vorbereitet. "Es hat mich nicht gestört, den zusätzlichen Tag zum Akklimatisieren zu haben", sagte er bei Eurosport mit Blick auf die gestiegenen Temperaturen.
Die Hitze und 4.350 Höhenmeter auf nur 133 Kilometern, ein 17-Kilometer-Anstieg direkt von Kilometer 0 an und die lange, schwere Schlusssteigung von Pila:
Es ist angerichte für einen actiongeladenen Samstag bei diesem Giro d'Italia, an dem sich der Kampf ums Giro-Podium zwar sicher noch nicht komplett entscheiden wird, einige Fahrer aber von ihren Ambitionen wohl werden verabschieden müssen und die Fans ein viel klareres Bild über die wahren Kräfteverhältnisse der Podiumskandidaten um Eulalio, Vingegaard, Arensman, Felix Gall (Decathlon - CMA CGM)), O'Connor, Hindley, Michael Storer (Tudor), Derek Gee-West (Lidl - Trek) und Pellizzari bekommen werden.