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27.05.2026 | (rsn) – Mutig, ambitioniert, überaus optimistisch: Es bieten sich viele Adjektive an, um die Attacke von Remi Cavagna bei der 17. Etappe des Giro d’Italia zu beschreiben. Denn stolze 118 Kilometer vor dem Ziel löste sich der Franzose alleine aus der bis dahin elfköpfigen Spitzengruppe und setzte zu einem Soloritt an. Das Ziel seiner Mission war dabei ganz klar.
Außer dem Etappensieg gab es für den 30-Jährigen nichts zu holen, weder das Bergtrikot noch die Punktewertung hatten für ihn eine Relevanz. Cavagna fuhr durchaus schon Siege als Solist ein. So gewann er mit einem 70 Kilometer Alleingang eine Etappe der Tour of California mit satten 7 Minuten Vorsprung, der heutige Versuch war aber doch ein wenig gewagt.
Im Interview nach dem Rennen gegenüber Eurosport räumte er ein, dass er sich seine Tempoverschärfung anders vorgestellt hatte: “Ich war selbst überrascht, dass mir niemand gefolgt ist. Das war komisch. Es waren noch 120 Kilometer bis zum Ziel. Ich dachte, dass zumindest 2 oder 3 Fahrer mit mir mitgehen würden. Am Ende kam es nicht dazu. Ich war ein bisschen frustriert und enttäuscht.”
Der zweifache nationale Meister im Zeitfahren ging gleich in die erste Gruppe des Tages, der jedoch schnell eine zweite Gruppe nachsetzte. Kurz bevor beide Gesellschaften zusammenliefen, forcierte er das Tempo. Er rechnete sich mit den deutlich kletterstärker besetzten Verfolgern nur wenig Chancen aus. Seiner Initiative wollte aber niemand folgen.
Trotzdem zog er seine Flucht durch und baute den Vorsprung zeitweise auf fast 2:30 Minuten aus. Mit noch 58 zu fahrenden Kilometern und 500 Meter vor der Sprintwertung endete sein Versuch jedoch - und das hatte UAE - Emirates - XRG perfekt kalkuliert. Jonathan Narvaez fuhr gerade rechtzeitig an Cavagna vorbei und sicherte sich - zum Bedauern des in lila fahrenden Paul Magnier (Soudal - Quick-Step) die Zähler fürs Maglia Ciclamino, das der Ecuadorianer dem Franzosen damit abknöpfte.
“Mit ihm an der Spitze war das eine gute Möglichkeit für uns, dass er ein paar Punkte wegnehmen könnte. Aber am Ende haben sie ihn 500 Meter vor der Linie wieder eingeholt”, bedauerte Geert Van Bondt (Sportlicher Leiter Soudal – Quick-Step), dass sein ehemaliger Fahrer nicht ein bisschen länger durchgehalten hatte.
Aus anderen Gründen bedauerte dies auch Cavagna , der sich die Etappe im Vorfeld rot angestrichen hatte: “Ich wusste, dass mir Leute im Nacken sitzen. Dann gab es ein Unwetter und der Wind hat gedreht. Es war schrecklich. Ich hatte überall Schmerzen, es war also echt schwierig. Später sind sie dann herangekommen und es wurde sofort attackiert. Ich habe mich nie mehr richtig erholt."