RSNplusLidl sorgt für Sprint, Milan schafft die Muro, nur der Sieg fehlt

Walscheid: “Für unseren Plan brauchte es schon ´Grinta´“

Von Felix Mattis

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Paul Magnier (Soudal - Quick-Step, links) bezwang Jonathan Milan (Lidl - Trek, rechts) bereits zum dritten Mal bei diesem Giro. | Foto: Cor Vos

28.05.2026  |  (rsn) – Die Botschaft verbreitete sich am Morgen in Fai della Paganella im Trentino wie ein Lauffeuer: "Bei Lidl – Trek wollen sie das Rennen zusammenhalten für einen Sprint", hörte man Fahrer wie Sportliche Leiter und auch TV-Experten vor dem Start der 18. Etappe überrascht sagen, nachdem Tim Torn Teutenberg selbiges bereits am Vortag in Cassano d'Adda gegenüber radsport-news.com angedeutet hatte.

Eigentlich, so glaubten alle, sollte das Finale über die gefürchtete Muro Di Ca' Del Poggio mit 1,2 Kilometern bei etwa 12 Prozent zu steil für die Sprinter sein und die Etappe eine für Ausreißer werden. Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) schien sie auf den Leib geschneidert, um Tagessieg Nummer vier zu holen und das Maglia Ciclamino abzusichern. Da waren sich die meisten einig. Tobias Lund (Decathlon – CMA CGM) etwa schätzte seine Siegchance als Sprinter in Pieve di Soligo vor dem Start am Eurosport-Mikrofon auf "fünf Prozent" und meinte: "Ich habe noch nie einen Sprinter den Flèche Wallonne siegen sehen."

Doch am Ende sprinteten die schnellen Männer im Prosecco-Revier doch um den 'Spumante'. Die Lidl-Sportdirektoren Bernhard Eisel und Gregory Rast hatten die Etappe richtig eingeschätzt, zurecht an die Fähigkeiten von Sprint-Ass Jonathan Milan geglaubt, über die steile Muro mit keinem großen Rückstand drüberzukommen, und daher ihr Team den Tag im Hauptfeld mitkontrollieren lassen. ___STEADY_PAYWALL___

Einzig: Milan gewann den Endspurt nicht, er musste sich zum dritten Mal dem Franzosen Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) geschlagen geben und wurde nach Platz vier auf Etappe 1 in Burgas sowie Platz zwei auf Etappe 3 in Sofia nun Dritter.

"Wir haben von Anfang an probiert zu kontrollieren und die Jungs haben einen fantastischen Job gemacht. Ich muss mich bei ihnen entschuldigen, dass ich nicht das erwünschte Resultat erzielen konnte. Nach so einem großen Effort hätten sie das gebraucht", sagte der 25-jährige Italiener anschließend am Eurosport-Mikrofon voller Demut und Selbstkritik: "Wir haben unser Bestes gegeben und es war mein Fehler, dass ich in der letzten Kurve in vier Position war. Ich hätte direkt hinter Magnier bleiben sollen."

Jonathan Milan, hier neben Teamkollege Derek Gee-West, schlug sich an der Muro gut und lag auf der Kuppe nicht weit zurück. | Foto: Cor Vos

Tatsächlich saß Milan eingangs des Schlusskilometers perfekt positioniert: Er hatte das Hinterrad seines ehemaligen und Magniers jetzigem Anfahrer Jasper Stuyven, verlor das aber an den Franzosen und saß so hinter dem späteren Sieger. Das war ideal, denn hätte Milan Magnier nicht vorgelassen, so hätte Stuyven Milan sicher früh in den Wind gesetzt und das Leadout nicht ganz durchgezogen. Vom Hinterrad von Magnier dagegen waren die Siegchancen größer.

Dann aber machte der Italiener den entscheidenden Fehler und verlor auch die dritte Position auf in der kurvigen Sprint-Anfahrt noch an seinen Landsmann Edoardo Zambanini (Bahrain Victorious) – und um den sowie den ausscherenden Stuyven herum war der Weg in der langgezogenen Linkskurve, auf die kurze Zielgerade zu weit, um Magnier noch gefährden zu können.

Max Walscheid, der im Tagesverlauf viel gearbeitet hatte, dessen 'Schicht' aber vor der steilen Muro bereits vorbei war, hatte den Sprint an sich im Ziel noch nicht gesehen, als er ans Eurosport-Mikrofon trat. Allein aufgrund des Ergebnisses aber zog der Heidelberger den virtuellen Hut vor seinem Kapitän.

Max Walscheid führt das Peloton auf der 18. Giro-Etappe an. | Foto: Cor Vos

"Ich muss sagen, dass ich es ziemlich beeindruckend finde, dass Johnny hier Dritter wird", meinte er. "Um den heutigen Plan überhaupt auszuarbeiten, brauchte man schon Grinta. Die meisten Leute haben nicht an einen Sprint geglaubt, wir schon. Wir haben nicht gewonnen, waren aber nah dran. Platz drei finde ich fantastisch!"

Den Sprint gesehen hatte dagegen Rast. Und der Sportliche Leiter aus der Schweiz erkannte an: "Wir müssen sagen, dass Quick-Step es sehr gut gemacht hat. Es war ein wirklich schlauer Move von ihnen. Wenn du als Dritter durch die Kurve fährst, kommst du auch als Dritter im Ziel an", lobte er damit vor allem das Leadout seines eigenen Ex-Fahrers Stuyven, der im Winter die Seiten gewechselt hatte und für Magnier bei diesem Giro nun schon zum wiederholten Mal Gold wert war.

Doch Rast lobte nicht nur den Gegner, sondern vor allem auch das eigene Team: "Ich bin enttäuscht", sagte er zwar mit dem Blick auf den Ausgang des Rennens, führte dann aber auch aus: "Ich denke, dass das Team vollen Einsatz gezeigt und den Plan verfolgt hat. Am Ende hat es nicht geklappt, aber wir sind trotzdem stolz darauf, wie wir heute gefahren sind. Nur: Wir brauchen immer noch den Sieg."

Giulio Ciccone würde gerne noch eine der beiden Bergetappen und am liebsten auch das Bergtrikot gewinnen – beides wird aber sehr schwer gegen den hungrigen Vingegaard. | Foto: Cor Vos

Drei Etappen verbleiben noch, um sich den zu holen, und die beste Chance dürfte der Sonntag in Rom mit einer weiteren Sprintankunft sein – wenn für Milan dann endlich der Knoten gegen Magnier platzt. "Ich hoffe, wir müssen nicht bis dort warten, um das Ruder herumzureißen, sondern können es morgen mit einem anderen Fahrer machen", lachte Rast in Pieve di Soligo und dürfte dabei wohl vor allem Giulio Ciccone im Hinterkopf gehabt haben.

Der Italiener, der das Bergtrikot stellvertretend für den Gesamtführenden Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) trägt, wird es in den Dolomiten erneut versuchen, über die Ausreißergruppe möglichst viele Bergpunkte zu sammeln und die Etappe zu gewinnen. Ersteres dürfte dabei die leichtere Aufgabe sein, denn Vingegaard zeigte am Donnerstag einmal mehr, dass er nichts verschenken will – keine neun Punkte am Kategorie-3-Bergpreis an der Muro, die er als Erster überquerte, und auch sicher keinen Tagessieg auf der Königsetappe.

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