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28.05.2026 | (rsn) – Als Fünfter und Träger des Weißen Trikots ist Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) weiterhin einer der Protagonisten und außerdem die Überraschung des 109. Giro d’Italia. Auf der unterwegs an Höhepunkten armen 18. Etappe rückte sich der Zweitjahresprofi auf unterschiedliche Weisen selbst ins Rampenlicht.
Mit noch 47 zu fahrenden Kilometern stürzte Eulalio bei niedriger Geschwindigkeit beim Versuch, einen Verpflegungsbeutel anzunehmen. Das ist eigentlich eine Aufgabe, die des Risikos wegen Helfer für ihren Kapitän übernehmen, doch das war bei Bahrain Victorious am Donnerstag nicht der Fall – zur Überraschung des Sportlichen Leiters Franco Pellizotti. “Wir wissen nicht, was passiert ist. Das Tempo lag nicht so hoch und er hat den Verpflegungsbeutel selbst abgenommen, aber das war keine gute Idee“, meinte der Giro-Vierte von 2008.
Eulalio schien sich erst schlimmer verletzt zu haben, hielt den Arm in einer Position, die den Verdacht auf einen Schlüsselbeinbruch nahelegte. Dann aber rappelte er sich auf und bewegte alle Gliedmaßen. Die schienen zwar beeinträchtigt, aber nicht gebrochen. Also setzte sich der 24-Jährige wieder aufs Rad und fuhr dem Feld hinterher. Da sich das aber dem Zwischensprint näherte, hatte es Fahrt aufgenommen und Eulalio sowie sein Helfer Robert Stannard lagen hinter dem Konvoi und kamen nicht näher.
Im Gegenteil, der Maximalrückstand des Duos wuchs stellenweise auf 2:30 Minuten auf das Peloton an, obwohl es hinter dem Teamfahrzeug herfuhr. Die Rennjury hatte das offenbar erlaubt, denn eine Gelbe Karte bekam er zwar, aber nur für das Auflegen der Unterarme auf den Lenker. Der Gesamtfünfte schien zunächst Probleme zu haben, dem Tempo zu folgen. Dann erholte er sich aber und rund 40 Kilometer vor dem Ziel kamen er und der Australier wieder ans Feld heran.
Und dort hielt Eulalio es noch circa 30 Kilometer aus. Denn an der letzten Steigung des Tages griff er plötzlich völlig unerwartet an den steilen Rampen an und riss dabei ein beträchtliches Loch. "Seine Attacke im Finale war nicht geplant", gab Pellizotti zu. "In einem Finale wie diesem ist Afonso großartig. Er hat es probiert. Das war vermutlich auch nicht die beste Idee", befand der 48-Jährige, um dann aber gleich einschränkend zu ergänzen: "Für den Kopf ist es aber so vermutlich doch besser."
Kurz vor dem Wertungsstrich am Kategorie-3-Bergpreis holte Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) persönlich den Iberer zurück. Der hatte sich offensichtlich körperlich blendend vom Sturz erholt – und hatte mit seiner Attacke die Moral wieder angehoben. Denn er versuchte es in der Abfahrt in Richtung Pieve di Soligo gemeinsam mit Johannes Kulset (Uno-X Mobility) gleich nochmal. Das Duo wurde kurz vor dem Schlusskilometer erst gestellt.
Die Moral, die sich Eulalio laut Pellizotti mit seinen Aktionen aufgepeppelt haben dürfte, ist in den nächsten Tagen wichtig. "Es kommen jetzt zwei schwere Etappen und das hat er in dieser Form noch nie erlebt", so Pellizotti, dessen Schützling beim Giro 2025 – seiner ersten Grand Tour - auf der 19. Etappe aufgeben musste. "Er ist aber gut drauf, obwohl wir noch sehen müssen, wie seine Form nach dem Sturz ist. Aber am Ende der Etappe war er schon wieder gut", meinte Il Delfino di Bibione.
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