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30.05.2026 | (rsn) – Das Maglia Rosa ist vor der letzten Bergetappe praktisch vergeben. Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) hat mehr als vier Minuten Vorsprung und konnte auf der Königsetappe bereits Geschenke an seine Teamkollegen verteilen. Auch Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) muss sein Maglia Ciclamino für den Punktbesten nur noch heil und im Zeitlimit nach Rom tragen; mathematisch hat er es sicher. Dennoch sind andere Sonderwertungen noch offen. Auch die Plätze im Gesamtklassement hinter Vingegaard sind nicht in Stein gemeißelt.
Giulio Ciccone (Lidl – Trek) übernahm am Freitag das Blaue Trikot von Vingegaard, hat das Maglia Azzurra aber noch nicht sicher. In der Nachwuchswertung konnte Vingegaards Teamkollege Davide Piganzoli seinen Rückstand auf Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) halbieren. Visma – Lease a Bike und Lidl – Trek verfolgen auf dem Weg nach Piancavallo mehrere Ziele. Das kann auch die beiden Sonderwertungen beeinflussen.
Obwohl er am Freitag erneut einen Etappensieg verpasste, wurde Ciccone für seine Anstrengungen belohnt. An den ersten vier Bergwertungen sammelte er die maximalen 126 Punkte. Einer Rubio (Movistar) nahm Ciccone dann noch derer zehn weg – wie sich später herausstellte aus Rache. Nach seinem dritten Platz am Schlussanstieg nach Piani di Pezze führt Ciccone die Bergwertung mit 57 Zählern Vorsprung an. Bei noch 99 zu vergebenden Punkten wird er auch am Samstag versuchen müssen, in die Gruppe des Tages zu kommen.
Für den Italiener werden vor allem die ersten beiden Anstiege entscheidend sein. Mit vier Punkten an der Bergwertung nach Clauzetto und 40 bei der ersten Auffahrt nach Piancavallo hätte Ciccone das Trikot rechnerisch sicher. Selbst wenn Vingegaard bei einem Etappensieg noch 50 Zähler erhält. In der Gruppe des Tages könnte ihm aber erneut Rubio dazwischenfunken. Er muss als Ausreißer seine Führung in der Red-Bull-Punktewertung verteidigen. Die Meinungsunterschiede zwischen dem Kolumbianer und Ciccone setzten sich auch in den Interviews nach der Etappe fort.
Ciccones Team verfolgt neben dem Bergtrikot noch ein weiteres Ziel. Derek Gee-West rückte am Freitag auf den fünften Gesamtrang vor. Sollte der Kanadier am Samstag Unterstützung benötigen, muss sich Lidl – Trek möglicherweise zwischen Gee-Wests Gesamtklassement und Ciccones Bergtrikot entscheiden. Fast das ganze restliche Team besteht aus einem Sprintzug für Jonathan Milan.
Doch nicht nur Lidl – Trek könnte in eine taktische Zwickmühle geraten. Auch Visma – Lease a Bike verfolgt möglicherweise mehrere Ziele. Das Rosa Trikot von Jonas Vingegaard sollte normalerweise nicht mehr in Gefahr sein. Nachdem Sepp Kuss mit seinem Etappensieg am Freitag Vingegaards ersten Wunsch erfüllte, bleibt die Nachwuchswertung übrig. Piganzoli muss 1:03 Minuten auf Eulalio aufholen, um das Weiße Trikot in Rom noch überziehen zu können.
Außerdem hatte Vingegaard nach der 18. Etappe Interesse am Bergtrikot gezeigt, nachdem er an der Muro Ca’ Del Poggio um die Punkte gesprintet war. Allerdings ist es nach seinen Aussagen vor dem 19. Teilstück eher unwahrscheinlich, dass der Däne ein mögliches Weißes Trikot von Piganzoli opfern und den Italiener als Helfer für sein Bergtrikot einsetzen wird. Taktisch wäre es hier sinnvoll, das Tempo bereits am ersten Anstieg nach Piancavallo zu erhöhen, um Eulalio frühzeitig abzuhängen. Kann Vingegaard so doch noch das Bergtrikot gewinnen?
Im Kampf um das Podium der Gesamtwertung wirken die Rollen klar verteilt. Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) war erneut zweitbester Klassementfahrer. Jai Hindley (Red Bull – Bora – hansgrohe) lag knapp hinter dem Österreicher. Thymen Arensman (Netcompany – Ineos) konnte den beiden nicht folgen und musste seinen dritten Gesamtrang an den Australier abgeben.
Die Plätze in den Top Ten könnten vor allem dann noch durcheinandergeraten, wenn - wie auf der 19. Etappe - wieder Klassementfahrer in die Ausreißergruppe kommen. Außerdem könnten einige Teams Helfer in der Gruppe des Tages platzieren. Attacken am ersten Piancavallo-Anstieg sind somit gut möglich. Auch die Abfahrt ist im Mittelteil technisch anspruchsvoll, was vor allem für Gall eine große Gefahr darstellt. Die 20. Etappe bietet also taktisch nochmal einige Möglichkeiten.
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