Sorgt der Giro für eine neue Hackordnung?

Tudor fährt beste Grand-Tour-Bilanz seiner Geschichte ein

Von Sebastian Lindner

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Michael Storer beendete den Giro d´Italia als Siebenter und feierte damit sein besten Grand-Tour-Ergebnis seiner Karriere. | Foto: Cor Vos

03.06.2026  |  (rsn) – Tudor und der Giro d’Italia, das ist seit Bestehen des Teams eine besondere Beziehung. Die Italienrundfahrt war 2024 die erste Grand Tour, an der die Mannschaft aus der Schweiz per Wildcard teilnehmen durfte. Drei Austragungen später hat Tudor nicht nur teilgenommen, sondern das Rennen auch mitgestaltet. Für einen Etappensieg hat es nicht ganz gereicht, auch an Rosa ist das Team knapp vorbeigefahren. Doch hinter der absoluten Spitze war das Team immer präsent.

14 Top-10-Ergebnisse hat die achtköpfige Mannschaft zustande gebracht. Nachdem Florian Stork gleich auf der 2. Etappe auf Rang zwei fuhr und damit auch die Gesamtführung nur knapp verpasste, übernahmen im Rennverlauf mehr und mehr die beiden Klassementfahrer Michael Storer und Mathys Rondel die Verantwortung, auch wenn es Luca Mozzato im Sprint noch drei Mal unter die besten Zehn schaffte. Und auch das australisch-französische Duo, ein Mix aus Erfahrung und Grand-Tour-Debütant, lieferte über drei Wochen so, wie es sich das Team vorgestellt hatte – und besser.

“Das Ziel war, Michaels Platzierung in der Gesamtwertung zu verbessern, idealerweise nahe an die Top 5 zu kommen“, erklärte Matteo Tosatto, Tudors Sportlicher Leiter in Italien, rückblickend auf das Rennen in einer Mitteilung des Teams. Der 29-Jährige beendete den Giro 2024 und 2025 als Zehnter. Dieses Mal reichte es für den siebenten Rang. “Wir waren sehr nahe dran“, so Tosatto mit Bezug auf die Top 5 weiter. Storer, der auf Gesamtsieger Jonas Vingegaard etwas mehr als zehn Minuten Rückstand hatte, fehlten auf Derek Gee-West (Lidl – Trek), dem Fünften, gute zwei Minuten.

Bestleistungen für Storer und Rondel

“Ich bin sehr glücklich mit meinem Giro“, sagte Storer selbst. “Ich bin das Rennen Tag für Tag angegangen, und ich glaube, es war die beständigste Grand Tour, die ich je gefahren bin. Dieser siebente Platz ist das beste Ergebnis, das ich erreichen konnte.“ Tatsächlich ist es auch Storers bestes Grand-Tour-Ergebnis seiner Karriere.

Und das ist auch der elfte Platz von Rondel, denn es war sein Debüt bei einer dreiwöchigen Landesrundfahrt. Mit 15 Minuten Rückstand beendete der 22-Jährige den Giro. “Sein 11. Platz in der Gesamtwertung ist eine beeindruckende Leistung für einen Fahrer bei seiner ersten Grand Tour und gibt uns großen Zuversicht für die Zukunft.“ Selbst sagte Rondel: “Insgesamt betrachte ich diesen Giro als eine sehr positive Erfahrung. Es hat zwar nicht ganz gereicht, um das von mir angestrebte Niveau zu erreichen oder unter die Top 10 zu kommen, aber ich bin trotzdem sehr stolz auf das, was ich erreicht habe. Eine der wichtigsten Erkenntnisse war einfach, mir selbst zu beweisen, dass ich über drei Wochen hinweg mithalten kann. Dieser Giro hat mich über meine Grenzen hinausgetrieben und mir viel über mich selbst beigebracht.“

Sorgt der Giro für eine neue Hackordnung bei Tudor?

In Summe stehen für Tudor neben einem beeindruckenden Kraftakt auf der Königsetappe, der den Gesamterfolg der Rundfahrt absicherte, zwei Fahrer in den Top 11 des Gesamtklassements. Das gelang in Visma – Lease a Bike, Bahrain Victorious und Netcompany – Ineos zwar auch drei anderen Teams. Im Umkehrschluss haben aber auch ganz viele Mannschaften gar keinen Profi vorne platzieren können, was letztlich auch in Rang vier in der Mannschaftswertung endete. Von den Nicht-WorldTour-Teams war Tudor mit Abstand das beste.

Was vor allem teamintern Anklang finden dürfte, ist, dass die Mannschaft diese Resultate ohne die vermeintlichen Stars des Kaders eingefahren hat. Während Stefan Küng verletzungsbedingt noch nicht liefern konnte, stecken Julian Alaphilippe und Marc Hirschi seit geraumer Zeit in der Krise. Hirschi verpasste, obwohl eigentlich eingeplant, zum zweiten Mal in Serie den Giro. 2025 wegen Formschwäche statt nach Italien ins Trainingslager geschickt, verhinderte dieses Mal ein Sturz mit Schlüsselbeinbruch einen Start. Ob der Schweizer zum Zeitpunkt aber überhaupt noch im Aufgebot stand, nachdem der Frühling wieder sehr bescheiden lief, ist nicht überliefert.

Der zweite Anzug hat es dann in Italien also gerichtet. Gut möglich, dass die drei Wochen auch dazu beigetragen haben, im Kleiderschrank generell für neue Ordnung zu sorgen. Bislang steht aus dem Giro-Team nur Storer auch im Aufgebot der Mannschaft für die Tour de France, dem wichtigsten Rennen des Jahres auch für Tudor. Nicht auszuschließen, dass sich daran noch etwas ändert.

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