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09.07.2026 | (rsn) – Es gibt nicht Wenige, für die Le Tour schon vor dem Start in Barcelona entschieden war. Und es gibt noch mehr, für die spätestens jetzt, nach dem sechsten Tag, alles klar ist: Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) wird zum fünften Mal die Tour de France gewinnen.
Auf der ersten wirklich schweren Bergetappe der Rundfahrt ließ der Slowene keine Zweifel daran aufkommen, wer der stärkste Profi im Feld ist. Bei seinem zweiten Etappensieg – einen möglichen dritten schenkte er seinem Edelhelfer Isaac Del Toro – nahm Pogacar seinem größten Rivalen Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) 2:38 Minuten ab. ___STEADY_PAYWALL___
Die Zahlen sprechen dabei für sich. Diese Differenz ist die größte, die es zwischen den beiden Rivalen während der Tour jemals am Ende einer Etappe gab. Die 2:10 Minuten von der Bergankunft in Hautacam im Vorjahr waren der bisherige "Rekord". Pulverisiert hat Pogacar nebenbei auch sein längstes Tour-Solo, als er am Col du Tourmalet 43 Kilometer vor dem Ziel letztmals einen Konkurrenten bei sich hatte.
Der alte Rekord stammte aus dem Jahr 2024, als er auf der 4. Etappe mit Ziel im Skiresort Valloire bei noch etwas mehr als 19 Kilometern antrat und nicht mehr gesehen wurde. Dass ein amtierender Weltmeister während der Tour den Gipfel des Tourmalet als Erster erreichte, ist ebenfalls ein Novum.
Teamkollege Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) war der letzte Fahrer, der Tadej Pogacar am Tourmalet noch folgen konnte. | Foto: Cor Vos
Ist die Tour de France 2026 entschieden? Im Grunde spricht alles dafür – wenn da nicht noch 15 Etappen wären, die für Pogacar potenzielle Sturzgefahr bieten. Dass sportlich noch irgendetwas schiefgehen kann, dass der 27-Jährige einbricht, scheint ausgeschlossen. Sprechen will darüber im UAE-Lager allerdings niemand so wirklich, was durchaus nachvollziehbar ist. "Es würde mich freuen, wenn das schon die Entscheidung wäre, aber ich glaube nicht, dass es so ist“, sagte etwa Teamchef Mauro Gianetti in der ARD und verwies dabei ebenfalls auf noch mehr als zwei Wochen Renngeschehen, in dem viel passieren könne.
Und auch Pogacar wollte sich darüber keine Gedanken machen und erzählte lieber, wie sein jugendlicher Leichtsinn zu diesem Ergebnis führte. “Als wir gestern mit dem Bus zurückgefahren sind nach der Etappe, war der Hype bei den Jungs sehr groß. Alle haben da bereits über diesen Tag gesprochen“, holte er aus. “Ich bin heute schon um 7 Uhr aufgewacht. Mein Kopf hat da schon verrückt gespielt.“
Doch dieses Mal waren es nicht die Kopfschmerzen, die ihn zwei Tage zuvor geplagt hatten. “Ich wusste, dass die Jungs super motiviert sind und es somit ein guter Tag wird. Wir haben alles reingeworfen und hatten nichts zu verlieren. Falls wir eingegangen wären, wäre das so gewesen.“ Volles Risiko also, falls es denn bei einem wie Pogacar tatsächlich eines gewesen sein sollte. “Ich habe keine Sekunden oder Minuten berechnet oder darüber nachgedacht, wer gewinnt. Ich wollte einfach bis zum Ziel Vollgas geben und habe nicht gedacht, dass ich das Gelbe Trikot heute übernehme.“
Nach seiner überragenden Vorstellung holte sich der Slowene das Gelbe Trikot zurück und ist nun auf dem besten Weg zum fünften Tour-Sieg. | Foto: Cor Vos
Der geschlagene Vingegaard wollte die Tour ebenfalls noch nicht zu früh abhaken. Jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit – anders, als es bei Florian Lipowitz der Fall ist, der allerdings auch mit anderen Ambitionen in das Rennen gegangen ist. Der dänische Giro-Sieger hatte zumindest vor der Tour mit einem Auge darauf geschielt, seinen dritten Tour-Sieg zu feiern und die Pogacar-Dominanz der vergangenen zwei Jahre wieder zu beenden - so, wie er es 2022 schon einmal getan hatte. "Es war natürlich nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte“, sagte Vingegaard in der Mixed Zone, sah das Problem aber eher bergab als bergauf.
“Am Tourmalet war ich nicht zu weit hinten, aber so eine Abfahrt liegt mir nicht wirklich.“ Das bestätigen letztlich auch die Zeiten. Konnte Vingegaard den Rückstand auf Pogacar bis La Mongie bei zehn und bis zur Bergwertung bei 30 Sekunden halten, ging die Lücke erst so richtig auf der 20 Kilometer langen Abfahrt nach Luz-Saint-Sauveur auf. Zudem fügte er an: “Ich glaube nicht, dass ich auf meinem höchsten Level war. Es war nicht mein bester Tag. Natürlich bin ich enttäuscht. Ich glaube aber immer noch, dass meine Beine im Laufe des Rennens besser werden.“
Dass das auch für Pogacar gelten könnte, muss Vingegaard dabei bewusst außer Acht lassen, denn ansonsten könnte er nicht behaupten: “Der Kampf ist noch nicht vorbei." Doch ob diese Entscheidung wirklich in seiner Macht liegt, bestimmt wahrscheinlich ein anderer.