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12.07.2026 | (rsn) – Ein fünfter Platz auf einem Teilstück der Tour of Austria (2.1) ist für einen deutschen U23-Fahrer ein sowieso herausragendes Ergebnis. Etwas Vergleichbares hat dieses Jahr nur Jermaine Zemke (Rembe – rad-net) geschafft – und genau der war es auch, der in Österreich auf der 4. Etappe die WorldTour-Fahrer testete. Schon am Vortag fiel der 20-Jährige durch Platz 14 bei der kleinen Bergankunft in St. Johann Alpendorf auf. Dabei war er hinter elf Ausreißer Dritter der Favoritengruppe.
Da war die Leistung noch besser als das Ergebnis, das aber folgte am Samstag. “Ich habe mich ganz gut gefühlt. Am Anfang hatte ich noch superschwere Beine, aber das fährt sich bei mir immer ganz gut ein bei so längeren Etappen. Ich habe auch das Gefühl, dass ich eher gegen Ende der Rundfahrten immer so richtig in Schwung komme. Das war hier auch wieder der Fall. Ich habe mich von Anstieg zu Anstieg besser gefühlt“, erzählte er RSN am Abend der 170 Kilometer langen Etappe rund um Steyr.
An deren Ende wartete der Porscheberg: 1,5 Kilometer bei 10,6% im Schnitt. Oben angekommen ging es sechs meist bergabführende Kilometern hinab nach Steyr, wo ein technisches Finale auf dem Programm stand. Als das Feld mit Zemke zum letzten Anstieg kam, umfasste es noch rund 30 Fahrer. “In dem Moment, wo wir da um die Kurve fahren und ich sehe, was vor mir steht, habe ich eigentlich nur noch nach oben geguckt, so steil war das Ding. Da musste ich mich echt mal zusammenreißen, dass ich nicht direkt mal aufgebe“, lachte der Youngster.
Zemke stieg natürlich nicht ab, wählte aber sein eigenes Tempo und ließ die Spitze zunächst von dannen ziehen. “Ich habe mich da irgendwie versucht rüberzuwuchten. Gegen Ende des Anstieges sind immer mehr in die Luft geflogen. Ich habe immer mehr Leute eingesammelt. Das gibt natürlich Selbstbewusstsein. Oben haben mich die vielen Fans und die Pyrotechnik auch noch mal gepusht“, resümierte er den Anstieg.
Oben angekommen war er in der zweiten Gruppe, die von drei Lidl-Fahrern angeführt wurde. Die schlossen den kleinen Rückstand zu fünf Spitzenreitern um Leader Gregor Mühlberger mit noch 3,4 zu fahrenden Kilometern. Zemke – als endschnell bekannt – hatte plötzlich sogar realistische Chancen auf den Tagessieg. Andrea Bagioli und Devo-Fahrer Hector Alvarez (beide Lidl – Trek) sollten auf dem Papier seine größten Konkurrenten sein. “Im Anstieg war ich natürlich ziemlich drauf. In der Abfahrt konnte ich mich gut erholen“, blickte der Rembe-Athlet zurück.
Trotzdem lief das kurvige Finale nicht wie gewünscht. Alvarez und Bauke Mollema bereiteten Bagioli den Sprint mustergültig vor, zogen die Elfergruppe bei noch immer horrender Geschwindigkeit enorm in die Länge. Zemke befand sich zu weit hinten. “Am Ende habe ich mich gut verschätzt, weil ich dachte, die Gerade vor der Rechtkurve wäre ein bisschen länger. Somit habe ich es vom Timing einfach verpennt“, gab er zu.
“Da ärgere ich mich ziemlich drüber. Aber da muss ich draus lernen. Ich hätte einfach mehr Selbstbewusstsein haben können und sollen, sodass ich da weiter vorn reinfahre. Aber das passiert. Somit habe ich auf den letzten 300 Metern auf dem Kopfsteinpflaster noch ungefähr vier oder fünf Rennfahrer eingeholt. Das war stark!“, urteilte er. Damit reichte es zu Platz fünf. “Mit dem Ergebnis kann ich auf jeden Fall sehr zufrieden sein und vor allem damit, mit so einer starken Gruppe vorn mit anzukommen. Ich meine, das waren alles nur noch wirklich gestandene WorldTour-Fahrer um mich herum“, zog er weiter Bilanz.
Aufgrund des Devo-Fahrers Alvarez, der erst für das nächste Jahr einen Vertrag beim deutschen WorldTeam unterzeichnet hat, ist das zwar nicht ganz wahr, die anderen neun Profis um den Deutschen herum waren aber in der Tat erfahrene Erstligisten. Und zwar allesamt solche, die als Bergfahrer durchgehen. “Ich glaube, diesen Stempel als Sprinter habe ich mir in den letzten Rennen definitiv abarbeiten können“, freute sich Zemke. In Ruanda, als es für ihn “Knipps“ gemacht hatte, fiel er noch durch seine schnellen Beine auf. Danach kombinierte er die immer häufiger mit guten Bergbeinen.
“Ich bin mir sicher, dass ich nach dem heutigen Tag oder der Deutschen Meisterschaft auch als bergfester Fahrer gelten kann“, befand Zemke, der bei der DM der Profis auf dem schweren Kurs in Bad Liebenstein als Neunter schon bester KT-Fahrer hinter acht Berufsradfahrern geworden war. Für den Abschluss der Tour of Austria hofft er aber noch mal auf seine Endschnelligkeit. “Am Sonntag gibt es voraussichtlich eine Sprintetappe. Da traue ich mir auch noch etwas zu. Wenn wir das mit dem Leadout gut hinbekommen und ich da ein bisschen Glück habe und das richtige Hinterrad finde, sollte da auch noch etwas gehen“, kündigte er an.
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