--> -->

23.07.2026 | (rsn) – Die nächtlichen Dopingkontrollen bei der Tour de France sorgen nach wie vor für Kontroversen. In der Nacht vor der 15. Etappe nach Solaison wurden Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) und Jonas Vingegaard (Visma - Lease a bike) um 2 bzw. 5 Uhr früh kontrolliert. Auch bei Red Bull-Bora-hansgrohe klopften die Tester am späten Abend vor dem Zeitfahren an die Tür.
RSN sprach am Rande des 17. Teilstücks mit Adam Hansen, dem Präsidenten der Fahrergewerkschaft CPA, über die Kontrollen.
Wie ist die Sichtweise der CPA? Nächtliche Kontrollen beeinträchtigen ja doch die Regeneration der Fahrer, gerade zwischen zwei Etappen der Tour de France. Auf der anderen Seite geht es darum, dem Radsport ein sauberes Gesicht eben durch gezielte Kontrollen zu geben. Was wäre eine gute Lösung aus Sicht der Fahrer?
___STEADY_PAYWALL___
Adam Hansen: Wir wollen, dass Fahrer getestet werden, das ist ganz klar. Wir wollen Betrüger aus dem Sport vertreiben, das ist ebenfalls klar. Und wir wollen sie nicht einfach raus haben, sondern wir möchten, dass der Sport fair ist für alle Athleten. Auf der anderen Seite müssen wir herausfinden, wie die Tests am besten stattfinden können, ohne dass sie die Leistung der Fahrer beeinträchtigen. Das ist es, was wir wollen: Dass die Fahrer sich gut erholen können. Dabei wäre es sehr unglücklich, wenn ein Fahrer einen Vorteil daraus zieht, dass er keine Dopingkontrolle hatte, die anderen aber doch.
Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) musste die Tour nach seinem Sturz auf der 15. Etappe aufgeben. In der Nacht zuvor hatte er einen Dopingtest abgeben müssen. | Foto: Cor Vos
Was heißt das dann für die Dopingtests?
Hansen: Fair wäre, man testet entweder alle Fahrer um 2 Uhr morgens oder man testet keinen. Wir wollen Fairness auch im Dopingkontrollsystem.
Das heißt also, weil das gesamte Peloton gleichzeitig zu testen logistisch etwas schwierig wäre, man nimmt zumindest in einer Nacht die ersten Zehn des Gesamtklassements dran und in der darauffolgenden Nacht die ersten Drei der Punktewertung. Wäre das fair?
Hansen (lacht): Ganz so möchte ich das nicht verstanden wissen. Nachher beklagen sich die Fahrer bei mir, dass ich es bin, der schuld ist, dass sie alle getestet werden. Aber ich denke, wenn alle getestet werden, sind sie mit dem System auf eine gewisse Weise auch einverstanden. Aber wenn du nur einen oder zwei Fahrer herausnimmst, ist das nicht fair. Und ich meine das nicht nur in Bezug auf die reine Leistung am nächsten Tag.
Die Jungs haben ja gute und schlechte Tage. Und das Letzte, was wir wollen, ist, dass du nach einer schlechten Nacht immer noch die Dopingkontrolle im Hinterkopf hast und wenn du dann im Rennen eine Schwächephase hast, dass du dann denkst: `Oh, das ist wegen der Dopingkontrolle letzte Nacht.' Als Fahrer versuchst du ja ständig, das Beste aus dir herauszuholen. Wenn du dann auf diese Art blockiert bist und denkst: `Ich kann genau deshalb nicht weitermachen', dann ist das schlecht. Das wollen wir vermeiden.
Wir hatten bei dieser Tour ja zwei ähnliche Vorfälle, mit Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz. Beide wurden in der Nacht vor der Etappe kontrolliert, hatten deshalb möglicherweise eine schlechtere Erholung. Und beide stürzten am nächsten Tag. Ist das nur ein zeitlicher Zusammenhang oder auch ein kausaler?
Hansen: Ich denke, alles summiert sich da. Ich glaube an den Schmetterlingseffekt, dass aus einer kleinen Veränderung eine sehr große erwachsen kann. Vielleicht war es tatsächlich dieses fehlende Stück Schlaf, das zu nachlassender Konzentration geführt hat, die dann den Sturz begünstigte. Wir wissen das nicht. Aber wir wissen, dass wir das nicht wollen. Wir wollen, dass Fahrer gut performen können. Sind sie dazu nicht in der Lage, gefährden sie auch andere Fahrer. Und das wollen wir erst recht nicht.
Bei Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) klingelten die Kontrolleure am Abend vor dem Zeitfahren, in dem sich die deutsche Tour-Hoffnung dann einen Schlüsselbeinbruch zuzog. | Foto: Cor Vos
Haben Sie die Internationale Test-Agentur (ITA) kontaktiert, um nach guten Lösungen für die Kontrollen zu suchen?
Hansen: Wir waren in verschiedenen Meetings zusammen. Was ich immer gesagt habe, war, dass wir ein effizienteres Testsystem haben sollten. Ich habe vorgeschlagen, dass wir Geld in besseres Testequipment stecken sollen, denn mit besseren Tests vergrößert sich auch das Nachweisfenster. Und hast du ein größeres Nachweisfenster, brauchst du auch nicht diese verrückten nächtlichen Kontrollen. Aber die Sache ist, dass unsere finanziellen Beiträge zur ITA gehen.
Deren Job ist es gerade nicht, das Equipment zu produzieren. Aber das wäre ein Weg in der Zukunft. Denn ich wäre nicht überrascht, wenn es Labore mit veraltetem Equipment gäbe. In der Vergangenheit gab es ja auch große Unterschiede zwischen den Testergebnissen einzelner Labore. Das Kölner Labor zum Beispiel ist richtig gut. Die haben Sachen gefunden, die andere nicht gefunden haben oder auch gar nicht finden konnten. Und das kann es ja auch nicht sein, dass einer nur deshalb davonkommt, weil er nicht in Deutschland getestet wird.