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23.07.2026 |
(rsn) - Diesmal hat es gereicht für Richard Carapaz (EF Education - EasyPost): Der Ecuadorianer gewann in Orcières-Merlettes die 18. Etappe der Tour de France. Aus einer sechsköpfigen Spitzengruppe heraus attackierte der Giro-Sieger von 2019 am Schlussanstieg und distanzierte alle verbliebenen Begleiter. Nach mehreren vergeblichen Versuchen als Ausreißer bei dieser Tour konnte Carapaz nach 185,2 Kilometern mit Start in Voiron nun endlich jubeln.
Während die Klassementfahrer bei der ersten von drei aufeinanderfolgenden Bergankünften in den Alpen auf Angriffe verzichteten, legte der Schweizer Mauro Schmid (Jayco – AlUla) einen weiteren starken Auftritt hin und wurde 45 Sekunden hinter Carapaz Zweiter vor dem zeitgleichen US-Amerikaner Matteo Jorgenson (Visma – Lease a Bike). Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick Step / +1:14) verpasste als Tagesvierter knapp den Sprung an die Spitze der Bergwertung. Platz fünf belegte Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility / +1:57), der mit der Spitzengruppe in den 7,1 Kilometer langen Schlussanstieg gegangen war.
Für Carapaz war es nach 2024 der zweite Etappensieg bei einer Tour de France, die der 33-Jährige 2021 als Dritter auch auf dem Podium beendet hatte. Außerdem feierte er in Orcières-Merlette seinen 25. Sieg als Profi. “Es ist ein sehr besonderer Moment, hier bei der Tour zu gewinnen. Es ist etwas, wofür man einfach alles geben muss. Ich möchte diesen Sieg meiner Familie widmen. Das ist das Wichtigste für mich“, kommentierte Carapaz, dessen Mutter Anfang des Jahres verstorben war, diesen Erfolg, für den er am schweren Schlussanstieg im richtigen Moment angegriffen habe.
Auch Carapaz’ Sportlicher Leiter Charles Wegelius erinnerte an den Schicksalsschlag, den sein Schützling zu verkraften hatte. “Er hatte ein schwieriges Jahr, privat und als Sportler. Er ist aber einer der Athleten, die dich wirklich überraschen können, auch mit der Form, die er plötzlich hat“, sagte der Brite gegenüber Eurosport. Carapaz sei kein Roboter, sondern ein Fahrer, der mit Herz und Leidenschaft Rennen bestreite.
Der Tageszweite Schmid zollte dem Gewinner seinen vollen Respekt. “Ich glaube, es ist keine Schande, auf einer Etappe wie dieser von Carapaz abgehängt zu werden. Er war eindeutig der Stärkste in der Gruppe, und ich war einfach super froh, überhaupt in der Ausreißergruppe zu sein“, sagte der Eidgenosse im Ziel. Bereits am Vortag hatte der Etappensieger von Belfort aus der Gruppe des Tages heraus Platz zwei eingefahren.
4:35 Minuten nach Carapaz führte der Franzose Lenny Martinez (Bahrain Victorious) die Favoritengruppe ins Ziel. An seinem Hinterrad wurde Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) Etappenneunter. Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG), dessen Team wohl unter den Folgen eines grassierenden Virus’ leidet, rollte zeitgleich als 13. über den Zielstrich. Bis Platz neun ergaben sich keine Verschiebungen im Gesamtklassement. Allerdings verdrängte Carapaz Yannis Voisard (Tudor) von Platz zehn auf Platz elf. Die Beiden trennen vor der Fahrt nach Alpe d’Huez 3:18 Minuten.
Der Kampf ums Punkteklassement wurde auch in den Alpen fortgesetzt. Aus der da noch deutlich größeren Spitzengruppe heraus gewann Mads Pedersen (UAE – Emirates – XRG) am Zwischensprint in Corps 25 Zähler, während der letzte verbliebene Kontrahent, Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech), leer ausging. Der Däne hat nun wieder 32 Punkte Vorsprung zum Belgier.
Paret-Peintre geht auch auf der 19. Etappe mit dem Bergtrikot auf den Schultern ins Rennen. Führender im Kletterklassement ist aber noch immer Pogacar – wenn auch nur um einen Punkt. Carapaz hat sieben Zähler Rückstand zum Slowenen. Bester Nachwuchsprofis blieb der Mexikaner Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) mit 20 Sekunden auf den Franzosen Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM). Im Mannschaftsklassement baute Lidl – Trek den Vorsprung zum angeschlagenen UAE-Team auf 22:05 Minuten aus.
Nach zahlreichen Attacken an der Cote d’Engins (1.Kat.), wo sich Valentin Paret-Peintre den Bergpreis und damit zehn Punkte vor Carapaz holte, setzten sich in der Abfahrt Pedersen, Jorgenson Tobias Halland Johannessen, Pablo Castrillo (Movistar), Thymen Arensman (Netcompany - Ineos), Nicolas Breuillard (TotalEnergies) und Felix Engelhardt (Jayo - AlUla) ab und erhielten später Begleitung von Romain Grégoire (Groupama – FDJ United).
Dahinter formierten sich bei erneut großer Hitze eine kleinere und eine größere Verfolgergruppe, wobei die von Paret-Peintre und Carapaz angeführte erste kurz vor der zweiten Bergwertung (2.Kat.) die Lücke schloss und sich dann auch diesen Bergpreis vor dem Ecuadorianer sicherte. Zur neuen, nun 14-köpfigen Spitzengruppe gehörten noch Schmid, Egan Bernal (Netcompany – Ineos), Raul Garcia Pierna (Movistar) und Pedersens Teamkollege Mathias Vacek.
Hinter den nunmehr beiden Spitzengruppen kontrollierte Pogacars Team das Geschehen. Allerdings fehlten mit Tim Wellens, Brandon McNulty und Florian Vermeersch gleich drei Fahrer der bisher dominierenden Mannschaft dieser Tour. Das Trio hatte bereits im ersten Anstieg den Anschluss an das Feld verloren und kämpfte sich im Gruppetto durch die Etappe. Dem US-Amerikaner ging es von den Dreien augenscheinlich am schlechtesten – er erreichte den Zwischensprint mehr als eine halbe Stunde nach dem Hauptfeld und stieg dort in den Besenwagen.
Das Streckenprofil der 18. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter
Pedersen gewann 56 Kilometer vor dem Ziel den Zwischensprint und konnte sich damit die angepeilten 25 Zähler gutschreiben lassen. Danach ließ sich der Däne zurückfallen. Kurz darauf zerfiel die Spitzengruppe, übrig blieben Carapaz, Jorgenson, Halland Johannessen, Paret-Peintre, Garcia Pierna und Schmid, der erneut eine exzellente Leistung zeigte.
19 Kilometer vor dem Ziel gewann Paret-Peintre an einem Anstieg der 3. Kategorie noch einmal zwei Bergpunkte vor Carapaz, der einen abbekam. Den 7,1 Kilometer langen und im Durchschnitt 6,7 Prozent steilen Weg hinauf nach Orcières-Merlette nahm das Spitzensextett noch mit 5:40 Minuten in Angriff. Der maximale Vorsprung der Ausreißer hatte mehr als acht Minuten betragen. Die Teams Tudor und Pinarello – Q36.5 hatten dafür gesorgt, dass Carapaz ihren jeweiligen Kapitänen nicht zu viel Zeit abnahm.
In den ersten Kehren begann in der Fluchtgruppe das Belauern, während Red Bull – Bora – hansgrohe die Kontrolle bei den Favoriten übernahm. 4,5 Kilometer vor dem Ziel attackierte Jorgenson, was aber zunächst nur Garcia Pierna in Schwierigkeiten brachte. Kurz darauf beschleunigte Carapaz auf seine unwiderstehliche Art – nur Paret-Peintre konnte folgen. Weil sich die Bergtrikot-Duellanten gegenseitig anschauten, kamen Schmid und Jorgenson noch einmal heran. 3400 Meter vor dem Ende gelang es dem Ecuadorianer dann, alle Begleiter abzuschütteln.
Schnell wuchs der Abstand des Solisten zu Jorgenson und Schmid, während Paret-Peintre weiter zurückfiel. Der Franzose musste Etappendritter werden, um die Führung im Kletterklassement zu übernehmen, doch so sehr er sich auch ausquetschte – er sah keinen der Konkurrenten wieder.
Nach fast viereinhalb Stunden Fahrzeit richtete Carapaz sein Trikot und feierte seinen hochverdienten Etappensieg ausgiebig. Im Sprint um Platz zwei gab sich Schmid keine Blöße und rollte 45 Sekunden nach dem Sieger und mit einer Radlänge Vorsprung zu Jorgenson ins Ziel. Mit 1:14 Minuten Rückstand wurde der abgekämpfte Paret-Peintre Vierter. Aus der Gruppe der Favoriten gab es keine Attacken – bis auf den von Lenny Martinez (Bahrain Victorious) gewonnenen Schlussspurt, bei dem sich aber keine Zeitabstände ergaben.
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