RSNplusTrost für entgangenen Etappensieg

Carapaz zieht Pogacar in L’Alpe d’Huez das Bergtrikot aus

Von Tom Mustroph aus Alpe d´Huez

Foto zu dem Text "Carapaz zieht Pogacar in L’Alpe d’Huez das Bergtrikot aus"
Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) hat auf der 19. Tour-Etappe das Bergtrikot erobert. | Foto: Cor Vos

24.07.2026  |  (rsn) - Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) musste schon am vorletzten Berg, dem Col d’ Ornon, seinen Traum vom Bergtrikot für diesen Tag aufgeben. Sichtlich kraftlos ließ der Franzose im Finale der 19. Tour-Etappe die Fluchtgruppe ziehen, aus der heraus er die vorherigen Bergpreise mit explosiven Sprints für sich entschieden hatte.

Seinem Schatten bei diesen Duellen, dem Ecuadorianer Richard Carapaz (EF Education – EasyPost), erging es genau andersherum. Er fühlte sich stark, war auch von allen Fesseln befreit, die ihm Paret-Peintre zuvor angelegt hatte. Also holte er ohne Gegenwehr die fünf Punkte am Col d’Ornon. Und mit einem mächtigen Antritt sprengte er schließlich die Fluchtgruppe. Nur Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike) und Lenny Martinez (Bahrain Victorious) vermochten ihm zu folgen. ___STEADY_PAYWALL___

Dann allerdings spielte ihm sein Kämpferherz einen Streich. Carapaz wollte auch noch den Etappensieg. Statt dafür eine gute Pacingstrategie zu entwickeln und seine beiden Begleiter auch darauf einzuschwören, wählte er im 13,8 Kilometer langen Schlussanstieg hinauf nach L’Alpe d’Huez den Weg des Kriegers: Er attackierte, kam kurz weg, musste dann aber erleben, wie sowohl Martinez als auch Kuss immer wieder zurückkehrten.

Gemeinsam mit Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike, vorn) und Lenny Martinez (Bahrain Victorious, hinten) jagte Richard Cara-paz (EF Education – EasyPost) den Schlussanstieg nach Alpe d’Huez hin-auf. | Foto: Cor Vos

“In der Ausreißergruppe haben wir uns im finalen Anstieg nicht wirklich geholfen“, blickte der 33-Jährige gegenüber Eurosport auf diese unbefriedigende Situation zurück. Denn hinter dem Trio kam der Mann in Gelb mit einer wesentlich besseren Pacingstrategie näher und näher. “Wir wussten, dass auch Pogacar dahinter alles gibt“, fasste Carapaz den Kenntnisstand der drei Ausreißer zusammen. Zu besserer Kooperation führte das aber nicht. So war in Sachen Tagessieg der Slowene schließlich der Stärkste.

Carapaz selbst hatte den Sieg allerdings durchaus in den Beinen. Davon jedenfalls war sein Teamchef Jonathan Vaughters überzeugt. “Ich habe heute gedacht, dass er gewinnen kann“, meinte der US-Amerikaner im Ziel zu Eurosport. Er schätzte das doppelte Tagesziel – Bergpunkte sammeln und auch noch die Etappe zu gewinnen – als letztlich wenig hilfreich ein: “Möglicherweise hat er etwas zu viel Energie bei den Bergwertungssprints liegen gelassen. Das ist immer eine schwierige Balance, was wir da hätten tun sollen. Wären wir nicht mit dieser Strategie gefolgt, hätte er vielleicht noch etwas mehr in sich gehabt.“

Immer wieder attackierte der Ecuadorianer, ohne sich allerdings entscheidend lösen zu können. Am Ende sprang Rang drei auf der 19. Etappe heraus. | Foto: Cor Vos

Den Vorwurf, nicht die richtige Balance gefunden zu haben, durfte Vaughters aber gerne sich selbst und seinen Sportlichen Leitern machen. Carapaz jedenfalls tat das Seine, um beide Ziele zu erreichen. Immerhin sorgte das fleißige Punktesammeln dafür, dass der überragende Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) wenigstens für einen Tag ein Trikot los ist, nämlich das Gepunktete des besten Kletterers. Carapaz selbst wusste das durchaus zu schätzen. “Ich bin sehr glücklich über dieses Trikot, auch wenn es immer noch ein weiter Weg nach Paris ist“, meinte er.

Im Dreikampf mit Paret-Peintre und Pogacar hat er sich an diesem Tag als der fleißigste Punktesammler erwiesen. Das ist schon was. Und am Samstag locken auf der Königsetappe erneut viele Bergpunkte für tapfere Ausreißer, nicht weniger als insgesamt 70 an drei HC-Anstiegen und einem der 1. Kategorie.

Mehr als nur ein Trostpflaster war allerdings das Bergtrikot, dass Carapaz vom überragenden Tadej Pogacar (UAE – Emirates, li.) übernahm. | Foto: Cor Vos

Schlussendlich war dann auch Vaughters mit dem Ausgang der 19. Etappe im Reinen. “Am Ende war es ein großartiger Tag für das Team und eine großartige Fahrt von Richie. Wir wurden von einem besseren Fahrer geschlagen, bei dem auch noch das halbe Team ausgefallen ist.“

Zugute halten muss man EF Education - EasyPost tatsächlich, dass man in halber Mannschaftsstärke in der Fluchtgruppe präsent war und somit eine exzellente Basis für Carapaz’ Attacken gelegt hatte. Im Sinne der Spannung kann man nur hoffen, dass Carapaz’ Teamkollegen wie der unermüdliche Ben Healy nochmal einen ebenso guten Tag erwischen, Carapaz aus dem ersten Getümmel heraushalten und Pogacar zumindest ein wenig die Grenzen aufzeigen. Man freut sich inzwischen ja über jedes bisschen Widerstand. 

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