Entwurf des Bundesernährungs-Ministeriums - Forderungen der Diabetes-Gesellschaft

Nationale Reduktions-Strategie: 50 % weniger Zucker in Softdrinks nötig

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06.12.2018  | 

(ddg) – Der Entwurf einer „Nationalen Reduktions- und Innovations-Strategie für Zucker, Fette und Salz in Fertig-Produkten“ des Bundesernährungs-Ministeriums liegt derzeit den an einem Runden Tisch zum Thema beteiligten Organisationen zur Stellungnahme vor.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) fordert daher, den Zuckergehalt
in herkömmlich gesüßten Softdrinks zu halbieren, ähnlich wie dies in Großbritannien erreicht wurde. „Die deutsche Politik ist in diesem Punkt deutlich zu wenig ambitioniert“, kommentiert DDG-Präsident Professor Dirk Müller-Wieland den jetzt bekannt gewordenen Entwurf des Bundesernährungs-Ministeriums für eine Nationale Reduktions-Strategie.

Sollte es nicht bis Ende 2020 zu einer messbaren Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertig-Produkten kommen, seien gesetzliche Schritte notwendig: „Wir erwarten, dass Ministerin Klöckner dann entsprechend nachbessert.“

Die DDG begrüßt durchaus einige der in der Strategie
enthaltenen Punkte, wie ein engmaschiges Monitoring, die Möglichkeit zur Nachsteuerung sowie die Ankündigung der Ministerin, bei „fehlender Bereitschaft zur Zusammenarbeit regulatorische Maßnahmen zu prüfen“.

An den für Übergewicht besonders relevanten Punkten bleibt die Strategie jedoch hinter dem zurück, was angesichts der hohen Raten von Übergewicht in Deutschland notwendig wäre. So wird für Softdrinks lediglich eine „deutlich zweistellige Zucker-Reduktion“ bis 2025 gefordert. Zum Vergleich: Großbritannien erreichte durch die Ankündigung einer Zuckersteuer eine Reduktion von rund 50 Prozent.

„Angesichts der Tatsache, dass Softdrinks
als zusätzliche Kalorien-Träger einen großen Einfluss bei der Entstehung von Übergewicht haben, appellieren wir dringend an Ministerin Klöckner, bei den konkreten Vereinbarungen mit der Industrie diese Zielmarke zu erreichen“, sagt Müller-Wieland.

Auch das Ziel, dass Produkte mit Kinder-Optik keine ungünstigere Nährstoffzusammensetzung haben sollen als solche, die sich nicht speziell an Kinder wenden, ist kein großer Fortschritt gegenüber dem Status Quo. „Wir erwarten, dass die Strategie an diesem Punkt für einen stärkeren Schutz dieser besonders vulnerablen Gruppe sorgt“, sagt Müller-Wieland: „Spezielle Kinder-Lebensmittel sind eigentlich gänzlich unnötig. Wenn überhaupt, sollten sie eine besonders günstige Nährstoffzusammensetzung haben.“

Unklar bleibt in der Reduktions-Strategie das Thema Werbung
an Kinder und Jugendliche. Die DDG fordert, hier der Aufforderung der EU nachzukommen und entsprechende gesetzliche Regelungen zu erlassen, um an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohen Gehalten an Zucker, Fetten und Salz zu unterbinden.

Die DDG begrüßt, dass bereits im Herbst 2019 eine Überprüfung stattfinden soll, ob die Hersteller die Reduzierungen umsetzen. Offen bleibt allerdings, zu welchem Zeitpunkt regulatorische Maßnahmen ergriffen werden, falls sich die freiwillige Vereinbarung als wirkungslos erweist.

„Vor dem Hintergrund der alarmierenden Daten
darf damit nicht bis 2025 gewartet werden“, sagt DDG-Präsident Müller-Wieland: „Sollte sich bis Ende 2020 abzeichnen, dass die Reduktion nicht oder nur unzureichend umgesetzt wird, sind verbindlichere Regelungen notwendig.“

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
ist mit mehr als 9000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind.
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