RSNplusSchweizerin Vierte im WM-Straßenrennen

Reusser hadert in Montréal mit Rivalinnen und Entscheidungen

Von Jan Zesewitz mit Peter Maurer aus Montreal

Foto zu dem Text "Reusser hadert in Montréal mit Rivalinnen und Entscheidungen"
Marlen Reusser (Schweiz) war nach Platz vier bedient. | Foto: Cor Vos

26.09.2026  |  (rsn) – Marlen Reusser war im Ziel nach dem Elite-Rennen der Frauen bei den Weltmeisterschaften in Montreal sichtlich frustriert. Sehr frustriert. Und sie machte diesem Frust im Interview unmittelbar nach dem Rennen auch Luft: “Der vierte Platz ist für mich das Ticket dafür, dass ich um Platz eins gefahren bin. Ich hatte das Gefühl, da war ich die einzige“, sagte sie am Eurosport-Mikrofon. “Wenn jemand wie Demi (Vollering) wegfährt, dann kann man nicht nur ein bisschen führen. Entweder macht man es richtig, oder das Rennen ist vorbei.“

In der turbulenten und ereignisreichen Schlussphase des längsten Rennens der WM-Geschichte der Frauen suchten die Niederländerinnen mit Topfavoritin Vollering 38 Kilometer vor dem Ziel in der drittletzten Runde des anspruchsvollen Kurses in der kanadischen Metropole die Entscheidung. Puck Pieterse zog am längsten Anstieg des Kurses das Tempo an, Vollering attackierte und war allein. Reusser verpasste den Anschluss an diese Attacke – aus eigenem Verschulden, wie sie zugab. ___STEADY_PAYWALL___

“Im entscheidenden Moment hatte ich zu tun, weil ich keine Gels und so weiter mehr hatte, ich war mit der Verpflegung beschäftigt, das war unglaublich dumm. Darum habe ich den entscheidenden Moment verpasst“, schilderte die Zeitfahrweltmeisterin die Situation. Nach dem Anstieg formierte sich zunächst eine achtköpfige Verfolgergruppe hinter der niederländischen Führenden. Den Hauptteil der Arbeit leistete Reusser, andere Favoritinnen wie Kasia Niewiadoma-Phinney, Elisa Longo Borghini oder die sogar dreifach vertretenen Französinnen blieben am Hinterrad oder attackierten die Gruppe.

Reusser: "Wenn ich nicht fahre, macht es keine"

“In der Gruppe hatte Puck als einzige das Recht, nicht zu führen und uns zu nerven, das ist fair, aber alle anderen hatten keinen Grund“, echauffierte sich die Schweizerin. “Es war meine Entscheidung und mein Fehler. Aber wenn ich nicht führe, dann macht es keine und Demi gewinnt. Schwierig. Nächstes Mal darf ich den Angriff einfach nicht verpassen."

Reusser kam tatsächlich nicht mehr an die spätere Siegerin heran, Longo Borghini und Niewiadoma-Phinney dagegen schon. Vollering musste sich ihr erstes Regenbogentrikot im Sprint erkämpfen. Die Schweizerin fuhr ihr eigenes Tempo weiter, mal begleitet von anderen aus der Verfolgergruppe, dann wieder allein. Auf der Zielgeraden kam sie Longo Borghini noch einmal nahe, aber es reichte nur für Platz vier. Eine Holzmedaille, die trotz des Zeitfahrtitels bitter schmeckt.

Für die 35-Jährige eröffneten sich Parallelen zu Freud und Leid bei den Titelkämpfen im Vorjahr in Kigali: “Auch vergangenes Jahr habe ich das Zeitfahren gewonnen, was megacool war, dann hatten wir den Defekt im Teamzeitfahren und gewinnen Bronze, genau wie dieses Jahr und dann mache ich einen Riesenfehler im Straßenrennen, bei dem ich in Topform war und verpasse eine Medaille.“ Vergangenes Jahr sprach sie von einer “Tragödie“, als sich die Favoritinnen zu lange im Finale beäugten. Und nun wiederholte sich die Geschichte. “Ich bin 35 Jahre alt, ich werde das nicht noch zehn Jahre machen“, erklärte sie. “Also bin ich schon sehr enttäuscht.“

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