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27.09.2026 | (rsn) – Als es 40 Kilometer vor dem Ende des Straßenrennens der Frauen in die drittletzte von acht Runden auf dem WM-Circuit von Montreal ging, waren die Protagonistinnen von German Cycling noch gut vertreten: Franziska Koch, Liane Lippert und Antonia Niedermaier saßen alle drei gut positioniert relativ weit vorne im nach einem Massensturz bereits früh arg ausgedünnten Hauptfeld.
Nur fünf Minuten später aber sah man das Trikot der deutschen Nationalmannschaft bereits zum letzten Mal überhaupt in diesem Weltmeisterschaftsrennen im TV-Bild.
Denn die vom niederländischen Nationalteam durch ein unwiderstehliches Leadout von Karlijn Swinkels und Puck Pieterse sowie anschließend die vorentscheidende Attacke von Demi Vollering im 1,7 Kilometer langen und 7,7 Prozent steilen Anstieg zur Voie Camillien-Houde herbeigeführte Explosion des Pelotons war für die deutschen Hoffnungsträgerinnen eine Spur zu heftig. ___STEADY_PAYWALL___
Zwar gehörten sowohl Koch als auch Lippert und Niedermaier offensichtlich zu den besten 15, wenn man die Fahrerinnen abzählte, die unter dem niederländischen Tempodiktat nacheinander abreißen lassen mussten. Doch als gegen Ende der ersten Hälfte der Steigung nur noch sechs Frauen dem Klettertempo von Pieterse und Vollering folgen konnten, ging direkt vor Niedermaier und Lippert an Position neun und zehn die Lücke auf.
Antonia Niedermaier (links in Weiß) im von den Niederländerinnen angeführten Hauptfeld bei der WM in Montreal. | Foto: Cor Vos
"Als in der drittletzten Runde das Tempo zum ersten Mal so richtig, richtig verschärft wurde, hat es für mich gerade nicht mehr gereicht, in die Gruppe zu kommen. Da war das Rennen eigentlich gelaufen", erzählte Lippert später am ZDF-Mikrofon. Die Friedrichshafenerin kam dort als 14. 8:34 Minuten nach der neuen Weltmeisterin Vollering an und meinte: "Gut, dass es vorbei ist. Es war auf jeden Fall mega, mega hart."
Die Giro-Zweite und Tour-de-France-Vierte Niedermaier erklärte radsport-news.com, dass sie schon vorher gespürt habe, dass es nicht ihr Tag werden würde: "Wenn man nicht die Beine hatte, dann war man auch nicht vorne dabei. Ich habe schon am Anfang gemerkt, dass es bei mir nicht so lief und habe in der ersten Hälfte versucht, zu kontrollieren und das Team zu unterstützen. Als dann die Attacke ging, hab' ich gleich gemerkt, dass bei mir nichts mehr ging", so die 23-Jährige, die im ersten größeren Feld um Lippert schließlich als 28. über den Zielstrich kam.
Länger als die beiden Süddeutschen hielt die Mettmannerin Koch vorne mit. Sie biss sich nach der niederländischen Tempo-Explosion eingangs der drittletzten Runde zunächst noch beeindruckend stark fest. 300 Meter vor der Kuppe der Camillien-Houde-Steigung schien sie sogar die Drittstärkste zu sein: Nur Vollering und Longo Borghini konnte sie bis dahin nicht folgen, fuhr hinter ihnen her – mit Kasia Niewiadoma-Phinney, Dominika Wlodarczyk, Juliette Berthet und Pieterse am Hinterrad.
Das deutsche Team fürs WM-Straßenrennen von Montreal: Franziska Koch (links) wurde Zehnte, Liane Lippert (2. von rechts) 14. und Antonia Niedermaier (Mitte) 28. – Linda Riedmann (2. von links) und Ricarda Bauernfeind (rechts) wurden früh von einem Massensturz aufgehalten und gaben später auf. | Foto: Cor Vos
Dann aber schienen die letzten Meter der Steigung einfach nicht enden zu wollen – und am Ende verpasste die Paris-Roubaix-Siegerin nur auf den allerletzten Metern vor der Kuppe den Anschluss an jene Gruppe, die danach Jagd auf Solo-Spitzenreiterin Vollering machte. Während Marlen Reusser gerade noch an Koch vorbeifuhr und den Anschluss schaffte, fehlten der Deutschen Meisterin die entscheidenden paar Meter. Und von da an fuhr sie die letzten 37 Kilometer des WM-Rennens als Solistin auf Platz zehn des Rennens dem Ziel entgegen.
“Ich bin nach dem Motto gefahren, entweder gewinnt man oder verliert man, und leider war der Berg ein bisschen zu lang für mich. Ich konnte den letzten Angriff nicht mehr ganz mitgehen", erzählte sie anschließend der DPA.
"Ich war dann im Niemandsland, habe es mir also nicht viel einfacher gemacht, aber bis zur Linie gekämpft und darauf kann ich stolz sein. Ich habe die Gruppe vor mir noch lange gesehen und gehofft, dass sie sich anschauen und ich zurückkommen kann. Ich wusste auch, dass hinter mir eine Gruppe ist, aber wenn man einmal so überpaced, dann muss man einfach weiterfahren, denn so viel Punch hatte ich auch nicht mehr."
Eine Medaille, die ihr niemand mehr nehmen konnte: Franziska Koch gewann zu WM-Beginn am vergangenen Sonntag Bronze im Einzelzeitfahren. | Foto: Cor Vos
Tatsächlich kam die Gruppe hinter Koch aber auch ohnehin nicht mehr näher und erreichte das Ziel schließlich mehr als zweieinhalb Minuten hinter der Zeitfahr-WM-Dritten. "Eine Medaille wäre der große Traum gewesen, aber wenn man sich die Fahrerinnen vor mir in der Ergebnisliste anschaut, dann ist es keine Schande, dahinter zu sein. Zehnte ist eine gute Platzierung und eine Medaille hab' ich ja", fasste die 26-Jährige treffend zusammen.
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