RSNplusAttacke im Glauben an Gold

Longo Borghini von Krampf gebremst: “Demi ist eine gute Weltmeisterin“

Von Peter Maurer aus Montreal

Foto zu dem Text "Longo Borghini von Krampf gebremst: “Demi ist eine gute Weltmeisterin“"
Elisa Longo Borghini (rechts) setzt der neuen Weltmeisterin Demi Vollering das WM-Maskottchen auf den Kopf. | Foto: Cor Vos

27.09.2026  |  (rsn) – Zum vierten Mal gab es Bronze für Elisa Longo Borghini im Straßenrennen der Frauenelite bei Weltmeisterschaften. Nach dem Gewinn des Regenbogentrikots mit der italienischen Mixed-Staffel am Dienstag wollte sie nachlegen und zeigte ein extrem offensives Rennen, hatte aber am längsten der drei Anstiege des Kurses in Montreal nur die drittbesten Beine.

Das sorgte dafür, dass sie auch anschließend nicht mehr an die Niederländerin Demi Vollering und die Polin Kasia Niewiadoma rankam und sich gerade noch so vor Marlen Reusser aus der Schweiz ins Ziel retten konnte.

“Ich wollte heute unbedingt gewinnen und hatte wirklich nichts anderes im Kopf als die Regenbogenstreifen. Ich glaubte fest daran, dass ich es schaffen kann, als ich attackierte“, so die 34-Jährige, die sich immer wieder an die Rennspitze rankämpfte und sogar als erste Fahrerin in die Schlussrunde ging. ___STEADY_PAYWALL___

Eine mutige Attacke gab ihr einen kleinen Vorsprung, den aber Niewiadoma und Vollering nicht nur auf dem Voie Camillien Houde wieder wettmachten – die beiden fuhren an jenem Anstieg hinauf zum Mont Royal auch an der Italienerin vorbei und ihr endgültig davon.

Alles versucht: Longo Borghini (links) attackierte eingangs der Schlussrunde, wurde von Vollering und Niewiadoma aber bald wieder ein- und überholt. | Foto: Cor Vos

“Leider hatte ich Krämpfe bekommen und als sie an mir vorbeifuhren, kam ich gar nicht mehr an ihre Hinterräder“, erinnerte sich Longo Borghini, die genau dort jene paar Sekunden aufriss, die ihr am Ende auf das Duo vor dem Zielsprint fehlten. “Ich dachte mir, sie müssen mich ja erst einholen, aber dann zogen sie vorbei. Die fünf Sekunden wurden zu einer Welt für mich und ich kam bis zum Ende nicht mehr ran“, erklärte die Italienerin auf der Pressekonferenz der Medaillengewinnerinnen.

Reusser im Nacken – ohne zu wissen, wer es ist

Im Finale blickte sie zwar nur nach vorne, spürte aber auch eine Verfolgerin in ihrem Windschatten. “Ich wusste nicht, wer da kam, aber ich sagte mir, die kommt nicht mehr an mich ran und nimmt mir die Medaille nicht weg. Ich bin heute so stark gefahren, da wollte ich zumindest etwas mitnehmen“, erklärte Longo Borghini, die zwar das Regenbogentrikot als Ziel auserkoren hatte, aber auf dem Podium als Dritte auch definitiv keinen unglücklichen Eindruck machte.

“Die Medaille hat einen großen Wert für mich, denn ich bin ein starkes Rennen gefahren. Willst du gewinnen, dann musst du auch was probieren. Ich fahre nicht gerne passiv, weil ich finde, dass auch die anderen sich ihren Sieg verdienen müssen. Und ich mag gerne, wenn sie hinter mir leiden", grinste die Italienerin, die ihre Gegnerinnen durchaus vor schwere Aufgaben stellte, vor allem im Finale.

Konnte sich auch über Bronze sehr freuen: Elisa Longo Borghini (rechts). | Foto: Cor Vos

Als Vollering in der drittletzten Runde das Rennen mit ihrer Attacke so richtig eröffnete, schien der Traum von Longo Borghini und dem Regenbogentrikot schon ausgeträumt zu sein, auch wenn sie am längsten das Hinterrad der Niederländerin halten konnte. Dennoch konnte sie dort noch nicht folgen und musste sich mit den Kontrahentinnen dahinter zur Nachführarbeit arrangieren.

Tempo-Explosion durch Vollerings Angriff zu extrem

"Es war so ein brutaler Antritt von Demi. Ich denke sie war überzeugt, dass sie als Solistin ankommt und zugleich überrascht, als wir noch einmal zurückkamen", ging die 34-Jährige auf die vorentscheidend wirkende Rennszene ein.

Vollering unterstrich dort, so sah es auch Longo Borghini, dass sie auch unbedingt den Titel einfahren wollte. "Sie war die Stärkste an diesem Tag und ich habe echt viel Respekt dafür, wie sie gefahren ist und was sie für das Rennen getan hat. Sie ist eine gute Weltmeisterin und wird das Regenbogentrikot auch würdig vertreten", streute sie der Siegerin verbal die Rosen aus.

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