Astana jubelt nach Kanters Sieg erneut

Tejada sichert sich bei Paris-Nizza größten Erfolg der Karriere

Von Sebastian Lindner

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Harold Tejada (XDS – Astana) hat die 6. Etappe von Paris-Nizza gewonnen. | Foto: Cor Vos

13.03.2026  |  (rsn) – Zuerst kommt Gott. So ist das eben in manchen Regionen der Erde. Dann die Familie. Und dann das Team. In dieser Reihe dankte Harold Tejada (XDS – Astana) seinen Freunden und Helfern. Er hatte allen Anlass, hatte er doch wenige Augenblicke zuvor die 6. Etappe von Paris-Nizza gewonnen. Erstmals entschied der 28 Jahre alte Kolumbianer ein Rennen auf WorldTour-Niveau für sich, insgesamt war es erst sein zweiter Sieg als Profi. Gereicht hatte dafür ein kurzer, aber perfekt getimter Antritt kurz vor der Kuppe des letzten Berges.

Was folgte, waren ein kurzer Moment des Innehaltens im Feld und nur noch zwei Kilometer bis ins Ziel, die erst steil bergab und dann noch mal leicht ansteigend zum Zielstrich führten. Die kleine Lücke, die Tejada riss, reichte am Ende für einen ausgiebigen Jubel und sechs Sekunden Vorsprung vor dem zweitplatzierten Dorian Godon (Ineos Grenadiers), der eine große Gruppe mit den Klassementfahrern und dem einen oder anderen Sprinter ins Ziel führte. Dritter wurde Lewis Askey (NSN), Vierter Bryan Coquard (Cofidis).

“Am Radio habe ich auf den letzten Metern allen gesagt, dass ich gewonnen habe. Ich hatte genügend Zeit, allen zu danken. Es war ein wunderschöner Moment, die Arme dann in die Höhe zu strecken“, sagte Tejada im Siegerinterview. “Bei Paris-Nizza in einem Rennen mit Jonas Vingegaard und Daniel Martinez zu gewinnen, ist fantastisch. Das ist mein erster Sieg in einem World Tour-Rennen und ich bin überglücklich darüber. Ich hatte viel Geduld und bin so glücklich, es jetzt geschafft zu haben.“

 

Nach 179 Kilometern zwischen Barbentane und Apt durch die Provence war lange unklar, wer denn das Rennen machen würde: Ausreißer, Klassementfahrer, vielleicht doch die bergfesten Sprinter? Am Ende kippte das Pendel dann doch in Richtung der Rundfahrer, zu denen sich Tejada zählt. “Mein Team hat mir gesagt, ich solle für das letzte Stück über den Berg bereit sein.“ Diese Vorgabe hat er perfekt umgesetzt. “Ich glaube, wir sind jetzt in den Top 10“, sagte er richtigerweise. “Wir sind aber hierhergekommen, um um das Podium mitzukämpfen. Ich habe aber leider viel Zeit im Teamzeitfahren verloren.“ 1:15 Minuten kassierte er dort auf das siegreiche Lidl-Team, doch die machen kaum den Unterschied. Zum Podium fehlen Tejada mehr als sechs Minuten.

Dort haben Vingegaard (Visma – Lease a Bike), Martinez (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) ihre Positionen problemlos verteidigt. Und ihre Trikots. Vingegaard besitzt weiter das Gelbe und Gepunktete Trikot, Steinhauser bleibt bester Jungprofi und damit in Weiß. Luke Lamperti (EF Education – EasyPost) verteidigte einmal mehr das Grüne Trikot.

Wieviel bleibt von der Königsetappe übrig?

Morgen wartet – zumindest planmäßig – die Königsetappe mit Bergankunft in Auron. Wie viel davon letztlich übrig bleibt, wird sich erst kurzfristig entscheiden. Die Wettervorhersagen, die Schnee fürs Finale ankündigen, lassen jedoch nichts Gutes erwarten. Dessen ungeachtet sagte Tejada im Überschwang: “Es stehen noch ein paar Etappen für mich und Max (Kanter) an. Ich hoffe wir können auf einen weiteren Sieg gehen.“

Doch gerade für den deutschen Sprinter dürfte es am finalen Wochenende nichts mehr zu erben geben, sollte die ASO die Königsetappe nicht schon am Fuße des eigentlichen Schlussanstieges beenden. So oder so: “Heute am Abend wird’s noch etwas Champagner mit dem Team geben“, kündigte Tejada an.

So lief die 6. Etappe von Paris-Nizza:

Bei frühlingshaftem Wetter dauerte es fast 50 Kilometer, bis sich eine Gruppe vom Feld lösen konnte. Nach anfänglich vielen gescheiterten Angriffen schafften es Joshua Tarling (Ineos Grenadiers), Igor Arrieta (UAE - Emirates - XRG), Steff Cras (Soudal - Quick-Step) und Arthur Kluckers (Tudor), sich auf maximal zwei Minuten abzusetzen.

Der Vorsprung des Quartetts schrumpfte danach nur langsam. Und deswegen sah sich Sören Kragh Andersen (Lidl – Trek) 37 Kilometer vor dem Ziel in einem Anstieg der 2. Kategorie dazu gezwungen, aus dem Feld heraus anzugreifen. Schnell hatte der Däne den Rückstand auf 30 Sekunden reduziert, genauso groß war sein Abstand nach hinten, als es in die Abfahrt ging.

Unten angekommen hatte Kragh Andersen Cras eingeholt, der Abstand auf den Rest der Ausreißer – wie auch zum Feld – war aber wieder angewachsen. Und 19 Kilometer vor dem Ziel war das Unterfangen für das Duo beendet. Derweil hatte die Spitze zu diesem Zeitpunkt wieder 1:20 Minuten Vorsprung auf das Feld.

Aber Lidl – Trek wollte plötzlich ein Wörtchen um den Etappensieg mitreden. Kragh Andersen spannte sich jetzt vor das Feld, um Mathias Vacek die Chance auf den Tagessieg zu ermöglichen. Zehn Kilometer vor dem Ziel riss das Feld dann an mehreren Stellen im Flachstück kurz vor dem ersten Berg. Der Rückstand betrug aber immer noch 35 Sekunden.

Das Streckenprofil der 6. Etappe von Paris-Nizza | Foto: Veranstalter

 

Kluckers fiel auf den ersten Metern des Berges zurück, genau wie das Lidl-Team. Ohnehin nur noch mit einem Rumpfaufgebot in den Tag gestartet, hatte die deutsche Mannschaft ihr Pulver verschossen und die Arbeit abgegeben. Bahrain Victorious hatte sich jedoch eingemischt, und so war es fünf Kilometer vor dem Ziel dann doch vorbei mit den Ausreißern. Denn es waren die Klassementfahrer, die doch nochmal ein Wörtchen um den Tagessieg mitreden wollen.

Lenny Martinez (Bahrain Victorious) und Valentin Paret-Peintre (Soudal – Quick-Step) versuchten es, doch als kurz vor dem Gipfel dann Tejada antrat, waren sie genauso wenig zur Stelle wie irgendjemand anders. Der Kolumbianer fuhr sich ein paar Meter Vorsprung heraus, die er auf den letzten zwei Kilometern nicht mehr hergab.

Sechs Sekunden hinter Etappensieger führte Godon die Verfolgergruppe ins Ziel, in der die komplette Top 10 der Gesamtwertung saß – bis auf Oscar Onley (Ineos Grenadiers), der zum Start der Etappe nicht mehr angetreten war.

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