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11.04.2026 | (rsn) - Das große Frühjahrsduell zwischen Mathieu van der Poel (Alpecin - Premier Tech) und Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) geht in die nächste Runde. Nach Mailand-Sanremo (1.UWT) und der Flandern-Rundfahrt (1.UWT) steht nun mit Paris-Roubaix (1.UWT) das dritte Monument des Radsportjahres bevor.
Aufgrund der flachen Strecke mit deutlich raueren Kopfsteinpflasterpassagen und im Angesicht eines möglichen Sprintduells im Velodrom von Roubaix, gilt Titelverteidiger van der Poel nach seinem Hattrick nun wieder als favorisiert und könnte mit einem vierten Sieg alleiniger Rekordhalter werden.
___STEADY_PAYWALL___Im vergangenen Jahr war zu beobachten, dass van der Poel seine stärksten Attacken nicht auf den berühmtesten Sektoren, sondern im Anschluss an diese auf dem Asphalt setzte. Die Tempoverschärfungen auf den davor liegenden Sektoren schienen vielmehr darauf abzuzielen, die Konkurrenz um Pogacar, Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) und Mads Pedersen (Lidl - Trek) zu testen und zu ermüden.
Auf dem schwierigsten Sektor des Rennens, der Trouée d’Arenberg, konterte er eine Attacke Pogacars und konnte eine kleine Lücke reißen. Direkt nach dem Kopfsteinpflaster hielt der Niederländer das Tempo hoch und zwang Pogacar auf flacher Strecke im Wind, wieder zu ihm aufzuschließen.
Mathieu van der Poel führte das Feld 2025 in der Trouée d’Arenberg an | Foto: Cor Vos
Auch danach attackierte van der Poel immer wieder auf dem Asphalt, häufig mit Anlauf aus einer Position hinter der Gruppe heraus, wobei er versuchte, seine überragende Beschleunigung aus niedrigen Geschwindigkeiten nach dem Kopfsteinpflaster auszuspielen. Pogacar sah sich gezwungen, Pedersen & Co. zum Hinterrad van der Poels zurückzufahren.
Der Weltmeister wirkte anschließend angeschlagen, dehnte sich auffällig oft auf dem Rad und schien unter Krämpfen zu leiden. Nach einem Sturz, bei dem er in einer Kurve auf dem Pflaster übersteuerte, und dem daraus resultierenden Defekt konnte er den Rückstand nach vorne zu van der Poel zunächst konstant halten. Nach weiteren 15 Kilometern war der Widerstand des Slowenen jedoch gebrochen und van der Poel rollte 1:18 Minuten vor Pogacar ins Ziel.
Neben Pedersen und van Aert, wobei insbesondere beim Dänen einige Fragezeichen bestehen, ist Pogacar auch diesmal der größte Herausforderer van der Poels, vor allem in Verbindung mit seinem Teamkollegen, dem Vorjahresfünften Florian Vermeersch, der sich in Topform befindet und der seinem Kapitän auch noch im Finale helfen könnte - ähnlich übrigens wie Nils Politt, der wie Vermeersch auch schon Zweiter in Roubaix war.
Was entscheidende Taktikänderungen zum Vorjahr betrifft, scheint Pogacar jedoch in einem Dilemma zu stecken. Einerseits wird er das Rennen am Sonntag von Anfang an möglichst schwer gestalten wollen. Der oben beschriebene Rennverlauf aus dem Vorjahr mit vielen Attacken und einer früh verkleinerten Spitzengruppe scheint jedoch sogar eher van der Poel zu liegen, wobei der Weltmeister nun nach nach seinen Erfahrungen besser auf solche Angriffe vorbereitet sein sollte.
Eine Verweigerung der Zusammenarbeit mit van der Poel erscheint ebenso wenig erfolgversprechend, da der Vorjahressieger aus einer größeren Gruppe heraus entweder entscheidende Attacken setzen oder aber auf seinem Sprint vertrauen kann.
Tadej Pogacar musste 2025 nach seinem entscheidenden Fehler das Rad wechseln | Foto: Cor Vos
Pogacars größte Chance auf den dritten Sieg beim dritten Monument scheint somit in Überraschungsangriffen zu liegen. Auf diese Weise konnte er im letzten Jahr in der anfangs noch größeren Favoritengruppe teilweise Lücken zu einem schlecht positionierten van der Poel reißen.
Der 5-Sterne-Sektor Mons-en-Pévele etwa könnte dafür eine Schlüsselstelle sein. Die letzten paar hundert Meter auf dem Pflaster verlaufen ansteigend, und auch die breite Hauptstraße danach verläuft für kurze Zeit deutlich bergauf. Aufgrund der Lage spät im Rennen und der Schwierigkeit des Kopfsteinpflasters ist aber die Chance, van der Poel hier auf dem falschen Fuß zu erwischen, auch angesichts dessen hoher Rennintelligenz eher gering.
Der Niederländer wird auf der flachen Roubaix-Strecke von seinem schwereren Körpergewicht profitieren, das bei der hügeligen Flandern-Rundfahrt gegenüber dem leichteren Pogacar noch ein Nachteil gewesen war.
Auch seine technischen Fähigkeiten auf dem Pavé sprechen für van der Poel. Zwar ließ er bei Attacken im vergangenen Jahr teilweise Lücken aufgehen, doch im Gegensatz zu Pedersen und Pogacar machte er in den entscheidenden Momenten keine Fehler und konnte auch dank seiner Fahrkünste Defekte vermeiden. Gleichzeitig ist aber auch er in Roubaix vor Stürzen oder technischen Pannen nicht gefeit. Es wäre ein Rekord, diesen Risiken und Gefahren zum vierten Mal in Folge zu trotzen.
Kritik an seiner Taktik in Flandern wies van der Poel bei der Pressekonferenz seines Teams am Donnerstag erneut zurück. "Nicht mitzufahren, hätte nichts am Ergebnis geändert", erklärte er. "Nicht zu kooperieren wäre auch ein bisschen 'anti racing' gewesen", gab er zu bedenken. "Tadej und ich werden uns noch viele Jahre begegnen, da ist es besser, wenn man gut miteinander auskommt."
Spielt der Niederländer damit auf den Sonntag an, an dem er auf dem für ihn vorteilhafteren Parcours von einer Zusammenarbeit mit Pogacar wieder profitieren könnte?
Mathieu van der Poel bei der Pressekonferenz am Donnerstag | Foto: Cor Vos
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