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13.07.2026 | (rsn) - Die Szene wirkt, als hätte sie der österreichische Tourismusverband für Werbezwecke inszeniert. Fahrer in rot-weiß-roten Trikots liegen sich auf der Wiener Ringstraße zwischen Burgtheater und Rathaus in den Armen und feiern den Sieger der Landesrundfahrt – ein Traum in Rot-Weiß-Rot.
Gregor Mühlberger (Decathlon - CMA CGM) gewann zwei Etappen und souverän die Gesamtwertung der fünftägigen Tour of Austria, die er mit der Nationalmannschaft bestritt. Häufig kommt es nicht vor, dass Nationalteams eine Mannschaft bei Rundfahrten an den Start bringen. Dass sich ein solches gegen die Profimannschaften durchsetzt, lässt sich auch nach längerer Recherche kein zweites Mal belegen.
___STEADY_PAYWALL___Der Wahlsalzburger, der noch kurz vor dem Start des Heimrennens auf seinen Social-Media-Kanälen seine Enttäuschung über die Nichtnominierung teilte, entschied sich erst kurzfristig für die Teilnahme an der Rundfahrt. "Ich war mental am Boden und habe einfach nicht damit gerechnet, dass ich nicht zur Tour de France gehe. Meine Frau meinte dann, was ist mit der Tour of Austria? Ich habe daran zuerst keinen Gedanken verschwendet, bekam dann aber von Roland Pils die Möglichkeit, hier an den Start zu gehen und das mit einem super Team”, erzählte Mühlberger im Zielinterview.
Wenn’s läuft, passt auch die Stimmung | Foto: Tour of Austria
Seine Teilnahme bot jedoch nicht nur ihm selbst eine gute Gelegenheit. Für das österreichische Nationalteam gingen mit Rainer Kepplinger (Bahrain Victorious) und Alexander Hajek (Red Bull - Bora - hansgrohe) zwei weitere Profis aus der ersten Liga des Radsports ins Rennen. Ergänzt wurde das Aufgebot durch drei Nachwuchsfahrer, die bereits in den Nachwuchsteams von WorldTour-Mannschaften unter Vertrag stehen oder standen: Valentin Hofer (Bahrain Victorious Development), Sebastian Putz (Red Bull - Bora - hansgrohe Rookies) und Paul Verbnjak (ehemals Lidl - Trek Future Racing) dürften in den fünf Tagen viel von ihrem Kapitän gelernt haben. Mühlberger selbst fand nach dem Erfolg nur lobende Worte für seine Helfer:
"Ich bin noch mit keinem der Jungs in einem Team gefahren, es hat aber schon am ersten Tag super funktioniert. Es ist natürlich ein gewisser Druck vorhanden, wenn man ein heimisches Trikot anhat und alle schauen auf einen. Aber die haben einfach einen gewaltigen Job gemacht. Ich fühle mich so jung, wenn ich mit den Jungs unterwegs bin. Ich glaube, ich würde das schon so sehen. Ich hoffe, ich habe ihnen etwas mitgeben können für die Zukunft."
Das Nationalteam verteidigte das Führungstrikot von Beginn bis zum Ende der Rundfahrt | Foto: Tour of Austria
“Mübsi” ging trotz des durchaus starken Starterfelds mit dem selbstbewussten Ziel des Gesamtsiegs in die Rundfahrt. UAE - Emirates - XRG brachte mit Jan Christen, Antonio Morgado und Igor Arrieta gleich drei Fahrer an den Start, die in dieser Saison bereits Siege einfahren konnten. Auch die Teams Netcompany - Ineos und Lidl - Trek waren stark vertreten, oder wie Mühlberger es im Ziel beschrieb: "Es sind keine Nasenbohrer hier.“ Vielleicht half dem 32-Jährigen am Ende auch der Ärger über die verpasste Tour-Teilnahme, auf jeden Fall konnten sich die Fahrer im Trikot der Nationalmannschaft erfolgreich gegen die versammelte WorldTour-Konkurrenz durchsetzen.
"Vom Stolz her ist das noch mal was anderes. Wir hatten das Führungstrikot von Anfang an und ich finde es schon unglaublich, was wir da gemacht haben, und ich glaube, das haben auch einige WorldTour-Teams wahrgenommen."
Nach dem Sieg ist der Ärger zwar abgeklungen, Mühlberger hätte sich aber, wie er deutlich bewiesen hat, durchaus bereit für den Einsatz in Frankreich gefühlt: "Sie kennen meine Werte. Sie wissen, wie ich im Trainingslager drauf war und dass alles von Ende Giro bis Anfang Tour gut verlaufen ist. Das war einfach perfekt. Dementsprechend haben sie gewusst, wie gut ich drauf bin. Ich bin auch froh, dass Olav (Kooij) abgeliefert hat und dass es sich ausgezahlt hat. Ich hoffe nur, dass ich bei den ganz krassen Bergetappen für Paul nicht fehlen werde. Aber ja, im Moment bin ich überglücklich mit dem Tour-of-Austria-Sieg."
Eine kurze Pause darf sich der gebürtige Niederösterreicher erlauben, dann startet er jedoch schon wieder in die Vorbereitung für die Vuelta a Espana. Wie auch beim Giro wird er seinem Kapitän und Trainingspartner in Salzburg, Felix Gall, bei der dritten Grand Tour des Jahres zur Seite stehen. Wie die Vorbereitung dafür genau aussieht, ist aber noch unklar. Teamkollege Gall weilte während der Tour of Austria schon im Höhentrainingslager.
Für das erfolgreiche Duo ist die Vuelta die letzte gemeinsame Grand Tour für ihre aktuelle Mannschaft – vermutlich jedoch nicht die letzte als Teamkollegen. Felix Gall und Gregor Mühlberger wechseln laut ORF im kommenden Jahr gemeinsam zu Lidl - Trek. Dass dieser Wechsel etwas mit seiner kurzfristig abgesagten Tour-de-France-Teilnahme zu tun hat, glaubt Mühlberger allerdings nicht. "Es fiel letztlich einfach die Entscheidung für einen Sprinter und einen Anfahrer“, erklärte er gegenüber RSN. "Ich wurde während des Giro angerufen und man sagte mir, dass ich auch bei der Tour dabei sein würde. Paret-Peintre und Prudhomme sind aber noch keine Grand Tour gefahren.“ Eventuell schickt das deutsche Team Lidl - Trek das Duo 2027 mit nach Frankreich. In diesem Jahr schaffte es kein deutschsprachiger Fahrer in die Auswahl.