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17.07.2026 | (rsn) - Vier Teams kämpfen um die beiden Podiumsplätze hinter dem bislang unschlagbaren Tadej Pogacar (UAE – Emirates - XRG). Haben sie allesamt im Verlauf der 13. Etappe ein Nickerchen eingelegt? Denn plötzlich ist neben Visma – Lease a Bike, Red Bull – Bora – hansgrohe, Lidl – Trek und Decathlon - CMA CGM wie aus dem Nichts mit Tom Pidcock (Pinarello Q36.5) ein weiterer Konkurrent aufgetaucht. Richtig ernst nimmt den Briten im Moment aber (noch) niemand!
Pidcock machte in der zwischenzeitlich 57-köpfigen Ausreißergruppe des Tages als Drittplatzierter siebeneinhalb Minuten gut und rückte vom zehnten auf den vierten Rang mit nur neun Sekunden Rückstand auf Red Bulls Remco Evenepoel vor. Es stellt sich die Frage, warum haben sie den Dritten der letztjährigen Vuelta von der Leine gelassen?
Am wenigsten hat Pogacars Mannschaft damit zu tun, führt der Mann in Gelb doch mit komfortablen 3:36 Minuten Vorsprung auf Vismas Jonas Vingegaard die Gesamtwertung an. "Es war ein harter Tag. Sehr schnell. Wir hatten alles unter Kontrolle. Dabei lief es besser als gedacht. Es war gut für uns, dass Tom (Pidcock) vorne war, so mussten andere Teams nachfahren und wir auf den letzten 30 Kilometer nicht mehr das Tempo machen“, durfte der Slowene unwidersprochen behaupten. ___STEADY_PAYWALL___
Das Peloton hinter der großen Spitzengruppe. | Foto: Cor Vos
Doch die Angesprochen ließen sich lange bitten. "Ich glaube, es lag heute nicht nur an uns, irgendwie Nachführarbeit zu machen. Irgendwann ist dann Bahrain gestartet und Lidl auch. Aber ich denke, ja, es kommen noch super harte Etappen. Und klar, war es für uns jetzt nicht ganz optimal, aber ich denke, es passt trotzdem noch", meinte Red Bulls Co-Kapitän Florian Lipowitz gegenüber radsport-news.com zur Gefahr, die von Pidcock nun ausgeht.
Der letztjährige Dritte der Tour de France warnte aber auch: "Natürlich darf man ihn jetzt nicht aus den Augen lassen. Es war jetzt vielleicht nicht ganz so optimal, aber mit den harten Etappen, die jetzt kommen, hat er sicher auch heute ein paar Körner liegen lassen müssen. Mal schauen, was morgen passiert." Sein Team fühlte sich nicht ganz verantwortlich, weil ja mit Tim van Dijke und Maxim Van Gils zwei Teamkollegen vorne waren, die um den Etappensieg kämpften.
Deshalb schickte Patxi Vila, der Sportliche Leiter von Red Bull – Bora – hansgrohe, seine Mannen auch erst spät in die Aufholjagd: "Pidcock ist zweifellos ein großartiger Fahrer, aber wenn sich vorne eine Ausreißergruppe von 50 Fahrern bildet, kann man nicht mehr viel ausrichten. Wir haben erst eingegriffen, als wir dachten, dass es zu gefährlich wird. Wir wollten mit Maxim (Van Gils) den Etappensieg holen. Das war das Ziel des Tages. Der Kampf um den dritten Platz in der Gesamtwertung steht zwar im Fokus aller, aber der Etappensieg ist etwas, das das Team ebenfalls immer im Hinterkopf hat."
Maxim Van Gils saß für Red Bull in der Spitzengruppe. | Foto: Cor Vos
Als großen Konkurrenten sieht der Baske den Briten aber nicht. "Wir haben als Team so gut es ging dazu beigetragen, ihn so gut wie möglich unter Kontrolle zu halten. Sicher wird die Anstrengung, die er heute geleistet hat, ihren Tribut auf die Gesamtleistung im Rennen fordern", sagte er zu RSN, um ebenso wie Lipowitz zu warnen: "Aber vergiss nicht, er stand letztes Jahr bei der Vuelta auf dem Podium."
Ganz unumwunden gab Mads Pedersen (Lidl – Trek) bei Eurosport Fehler zu. "Natürlich haben wir den Start vermasselt. Wir dürfen nicht 30 Fahrer ziehen lassen, ohne jemand von uns in der Gruppe zu haben. Das war ein Riesenfehler und wir mussten einiges investieren, um den Schaden zu begrenzen", sagte er.
"Es war hart", stimmte Teamkollege Matthias Skjelmose bei Eurosport zu: "Wir haben versucht, das Tempo hochzuhalten und trotzdem Quinn Simmons (als Sprinthelfer von Pedersen) über den Anstieg zu bringen. Weil Pidcock Ayusos vierten Platz gefährlich wurde." Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte Lidl – Trek wohl früher eingegriffen, um Pidcock wieder einzufangen. Skjelmose: "Es war nicht meine Entscheidung, sondern die der Sportdirektoren. Die meinten, es wäre besser, mit der Nachführarbeit erst spät zu beginnen. Vielleicht hätten wir früher anfangen sollen, es war aber nicht meine Entscheidung."
Das Team Lidl – Trek jagt hinter der frühen Spitzengruppe her. | Foto: Cor Vos
Sein Chef Steven De Jongh wieß gegenüber radsport-news.com die Verantwortung von sich: "Es war kein Fehler, es lag einfach an den Umständen. Wenn so eine große Gruppe weggeht, kann man nicht jeden kontrollieren. Tom ist jetzt oben mit dabei und wir werden sehen. Aber es ist okay."
Dass sein Star unterschätzt wird, freut dessen Sportlichen Leiter Jens Zemke. "Wir sind natürlich schon mit der Intention reingegangen, die Etappe zu gewinnen. Auf der einen Seite freuen wir uns riesig, dass wir da jetzt im Klassement einen Riesensprung gemacht haben. Vielleicht spekulieren die anderen damit, dass Tom den Preis morgen oder in der nächsten Woche bezahlt. Vielleicht glauben sie noch nicht so richtig an ihn, wie wir es tun. Man hat aber letztes Jahr bei der Vuelta gesehen, dass er ein Podiumskandidat ist" sagte er RSN.