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20.07.2026 | (rsn) – Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) hat sich am Sonntagabend vor dem Teamhotel seiner niederländischen Mannschaft noch zu einem kurzen Interview mit dem dänischen TV-Sender TV2 bereiterklärt und über sein Tour-Aus gesprochen. Dabei machte der 29-Jährige einen bereits recht aufgeräumten Eindruck:
"Es geht mir überraschend gut", erklärte Vingegaard, bestätigte aber auch noch einmal, was das Team zuvor bekannt gemacht hatte: "Ich muss mich einer Operation unterziehen, bevor es wieder in Ordnung ist." Dazu wird der amtierende Vuelta- und Giro-Sieger nun nach Dänemark zurückkehren.
Im Gespräch wurde Vingegaard auch nach einem möglichen Zusammenhang seines Sturzes mit der in der Vornacht um 2 Uhr durchgeführten Dopingkontrolle und dem damit verbundenen Schlafmangel gefragt. Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hatte diese Verbindung am Sonntag nach der Etappe am Plateau de Solaison bereits vorsichtig angedeutet.
"Nun ja, es ist klar, dass das sicher nicht gut war. Ich wage nicht zu beurteilen, ob das die Ursache ist. Ich will die Schuld nicht darauf schieben. Denn das gehört eben auch zum Radsport dazu", meinte Vingegaard und nahm daher auch die anderen Begründungsansätze in seine Gedanken auf - wie etwa das vorausfahrende Motorrad, dem seine Teamkollegen auf der komplizierteren Seite um eine Verkehrsinsel gefolgt waren und das dort wohl auch kurz gebremst hatte.
"Vielleicht hat das Motorrad einen Fehler gemacht, aber wir dürfen uns auch nicht blind auf die Motorräder verlassen. Wir müssen unser eigenes Urteilsvermögen einsetzen. Menschen machen Fehler, so ist das nun mal, und daran können wir jetzt nichts mehr ändern", so Vingegaard.
Als der Däne am Sonntagnachmittag mit dem Krankenwagen zum Röntgentruck der Tour de France gebracht wurde, der hinter dem Pressezentrum stand, hielt Vingegaard den Arm nicht nur angewinkelt in einer Schlinge, sondern humpelte auch stark, so dass zunächst Sorge bestand, er könne sich auch weitere Frakturen zugezogen haben.
Diesbezüglich gab es aber Entwarnung: "Zum Glück ist die Verletzung auf einen Schlüsselbeinbruch beschränkt. Ich spüre ihn im Moment deutlich. Aber ich habe zwischenzeitlich Schmerzmittel genommen, also ist es auszuhalten", erklärte er im TV2-Interview.
"Ich habe gerade mit meiner Familie gesprochen. Das war mir am wichtigsten. Wir haben einen Plan für das weitere Vorgehen entwickelt und mit dem Team gesprochen. Es bringt nichts, Trübsal zu blasen - das macht alles nur noch schlimmer", meinte der 29-Jährige und spielte den Ball dann bereits an seine Teamkollegen weiter: "Es ist natürlich extrem ärgerlich. Wir sind enttäuscht, und ich hoffe einfach, dass sich die Jungs jetzt auf nächste Woche konzentrieren und hoffentlich ein oder zwei Etappen gewinnen können."
Visma – Lease a Bike war mit einem einzigen, klaren Ziel zur 113. Frankreich-Rundfahrt angereist: Man wollte den dritten Tour-Sieg mit Vingegaard erringen. Die gesamte Mannschaft wurde darauf ausgerichtet und mit dem Sieg im Auftakt-Teamzeitfahren von Barcelona ging die Reise gut los. In den Bergen aber wurde deutlich, dass Pogacar auch in diesem Jahr klar stärker sein würde und Vingegaard wohl nur um Platz zwei kämpfen würde.
Nun darf man gespannt sein, ob Edoardo Affini, Bruno Armirail, Victor Campenaerts, Per Strand Hagenes, Matteo Jorgenson, Sepp Kuss oder Davide Piganzoli in der schweren Alpen-Schlusswoche noch die Kraft haben, eine weitere Etappe zu gewinnen.