RSNplusSchweizerin spricht von “perfekter Vorbereitung“

Reusser will endlich bei der Tour angreifen

Von Paul Grosch

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In diesem Jahr will Marlen Reusser auch endlich bei der Tour de France Femmes etwas zu Lachen haben. | Foto: Cor Vos

01.08.2026  |  (rsn) – 2026 soll es endlich klappen für Marlen Reusser (Movistar). In der Vergangenheit trat sie bei der Tour de France Femmes (2.WWT) meist als Helferin auf. Im vergangenen Jahr musste die Movistar-Kapitänin dann krankheitsbedingt früh auf der 1. Etappe aufgeben. In diesem Jahr zeigte sie sich zuletzt besonders bei der Tour de Suisse (2.WWT) in bestechender Form. Zudem dürfte ihr die Streckenplanung der neun Etappen entgegenkommen.

Erstmals startet die Tour de France Femmes in der Schweiz, und das auch noch am Nationalfeiertag des Landes. "Ich wusste das natürlich schon lange. Mein Ziel war es eigentlich, das Straßenrennen der Schweizer Meisterschaft zu gewinnen und hier mit dem Schweizer Kreuz auf dem Trikot an den Start zu gehen", sagte Reusser auf der Pressekonferenz in Lausanne am Freitag. "Es wäre natürlich unglaublich, gleich da das Gelbe Trikot anzuziehen. Aber das ist nicht unser Ziel. Wir schauen eher auf das große Ganze." ___STEADY_PAYWALL___

Im vergangenen Jahr musste sie schon während des ersten Teilstücks aufgeben. "Ich habe eine Hassliebe zu diesem Rennen. Vor fünf Jahren konnte ich die erste Tour de France Femmes erleben. Bei allen Ausgaben, die ich beenden konnte, hatte ich immer eine Helferrolle", erklärte sie. "Im vergangenen Jahr hatte ich dann die Lebensmittelvergiftung und mir ging es sehr schlecht."

Reusser: Nach langer Verletzungspause wieder in Topform

Umso optimistischer blickt sie auf 2026. "Es ist das erste Mal, dass es wirklich unser Ziel war, hier in Topform an den Start zu gehen. Ich hatte in den vergangenen ein, zwei Monaten eine perfekte Vorbereitung und fühle mich gesund", sagte Reusser. Eine lange Verletzungspause nach ihrem Sturz bei der Flandern-Rundfahrt (1.WWT) hatte die Schweizerin erneut zurückgeworfen. Beim Giro d’Italia (2.WWT) war sie dann noch nicht in der nötige Form für ein Etappenrennen.

Doch schon einige Wochen später überzeugte sie bei ihrem Heimrennen. Reusser gewann bei der Tour de Suisse zwei Etappen sowie die Gesamt- und Punktewertung. Auf der schweren Schlussetappe konnte sie auch andere Favoritinnen auf das Gelbe Trikot der Tour wie Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon – SRAM) oder Elisa Longo Borghini (UAE – L'Imad) distanzieren.

In ihrer Heimat hing Reusser die Konkurrenz um Niewiadoma deutlich ab. | Foto: Cor Vos

Die Anstiege auf dieser Etappe ähneln auch dem Mont Ventoux. Die legendäre Bergankunft ist in diesem Jahr erstmals Teil der Tour de France Femmes. Daneben wird sich Reusser vor allem auf das Zeitfahren am vierten Tagesabschnitt freuen. Sie ist die aktuelle Weltmeisterin in dieser Disziplin. Auf dem 21 Kilometer langen Kurs ist ein zwei Kilometer langer Anstieg enthalten, der Reusser zusätzlich entgegenkommen dürfte. Im vergangenen Jahr konnten vor allem die reinen Kletterinnen um Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) glänzen – die Strecke in diesem Jahr ist deutlich ausgewogener.

Ihre Fähigkeiten im Kampf gegen die Uhr könnte Reusser auch auf der Schlussetappe gut gebrauchen. Viermal geht es über den Col d’Eze. Wer hier früh attackieren will, braucht auch auf der vergleichsweisen flachen Abfahrt und dem Flachstück einen großen Motor, den Reusser sicherlich mitbringt. Außerdem würden auf ihr Profil auch die 5. und 6. Etappe passen, auf denen es durch das hügelige Terrain des Zentralmassiv geht.

Reusser mal wieder unterschätzt?

Auf diesen Etappen kann Reusser auch auf die Hilfe ihrer deutschen Teamkollegin Liane Lippert zählen. Die Klassikerspezialistin zeigte zuletzt eine aufsteigende Form. "Liane ist so stark. Das haben wir immer wieder gesehen", zeigte sich Reusser bei der ARD von ihrer Teamkollegin begeistert. Die Schweizerin will nicht nur sich selbst auf dem Podium sehen. "Ich hoffe sehr, dass es für sie mit einem Etappensieg klappt. Ich glaube, dass sie das kann, und hoffe auch, dass sie selbst daran glaubt."

Trotz des Zeitfahrens und ihrer zuletzt guten Leistungen zählt die Schweizerin nicht zu den absoluten Topfavoritinnen. "Ich glaube, ich werde vor jedem Rennen unterschätzt, glaube ich", sagte die 34-Jährige. "Ich verstehe das zwar nicht. Aber das ist okay." Die größten Chancen auf den Gesamtsieg werden neben der Vorjahressiegerin Ferrand-Prévot Reussers ehemaliger Teamkollegin Demi Vollering (FDJ – United Suez) eingeräumt.

Die aktuelle Weltmeisterin im Zeitfahren dürfte sich die 4. Etappe der Tour de France Femmes besonders dick angestrichen haben. | Foto: Cor Vos

Beim Team SD Worx – Protime agierte Reusser noch als Helferin für die Niederländerin. Seit sie bei Movistar selbst eine Kapitänsrolle eingenommen hat, trafen beiden bei den Frühjahresklassikern und Rundfahrten immer wieder aufeinander. Vollering ging dabei zwar meistens als Siegerin hervor. Doch schon im vergangenen Jahr gewann Reusser die Tour de Suisse vor Vollering. Das große Duell zwischen den beiden in Frankreich einige Wochen später wurde dann durch Reussers Krankheit frühzeitig verhindert. In diesem Jahr stehen die Vorzeichen nun ähnlich. Reusser wird sich endlich auch in Frankreich zeigen wollen.

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