Niedermaier verliert Zeit im Bergauf-Sprint in Lausanne

Wiebes schlägt die Klassement-Favoritinnen beim Tour-Auftakt

Von Jan Zesewitz und Marc Zeiringer

Foto zu dem Text "Wiebes schlägt die Klassement-Favoritinnen beim Tour-Auftakt"
Lorena Wiebes (SD Worx - ProTime) ist die erste Trägerin des Gelben Trikots bei der Tour de France Femmes. | Foto: Cor Vos

01.08.2026  |  (rsn) - Lorena Wiebes (SD Worx - ProTime) hat die 1. Etappe der Tour de France Femmes in Lausanne gewonnen. Die weltbeste Sprinterin setzte sich in einem Bergauf-Sprint vor den Klassement-Favoritinnen Kim Le Court Pienaar (AG Insurance - Soudal) und Demi Vollering (FDJ - Suez) durch. Die Niederländerin übernimmt damit auch das erste Gelbe Trikot der 5. Austragung der Frauen-Tour.

Der 2,6 Kilometer lange Schlussanstieg sorgte bereits für erste Abstände. Nur zehn Fahrerinnen erhielten die gleiche Zeit wie Wiebes. Mitfavoritinnen wie Paula Blasi (UAE - L'Imad), Anna van der Breggen (SD Worx - ProTime) und Antonia Niedermaier (Canyon - Sram) fuhren acht Sekunden hinter der Siegerin ins Ziel.

"Ich kann es fast nicht glauben", sagte Wiebes im Sieger-Interview. "Das Team hat superhart gearbeitet heute. Am Ende kam Anna (van der Breggen) noch nach vorne, einen Kilometer vor Schluss. Dann hat Demi attackiert und ich dachte: Okay, da muss ich mit! Es war ein langer Sprint, aber ich bin superhappy!"

Nach 138 Kilometern rund um die Schweizer Stadt Lausanne wurde der Schlussanstieg selektiv. Gut einen Kilometer vor dem Ziel stürzten Letizia Paternoster (Liv - AlUla - Jayco) und Dominika Wlodarczyk (UAE - L'Imad), was die kleine Gruppe er Favoritinnen zusätzlich auseinanderriss. Vollering erhöhte das Tempo und sorgte für eine Selektion der besten Fahrerinnen für das Gesamtklassement - und Wiebes. Die ließ sich mit einem Antritt 200 Meter vor dem Ziel das Gelbe Trikot nicht nehmen.

"Ich hatte erwartet, dass es Attacken geben würde, aber beim ersten Angriff von Celia Gery habe ich mich immer noch gut gefühlt", beschrieb die Siegerin den letzten Kilometer aus ihrer Sicht. "Dann dachte ich: 'Okay, ein Kilometer noch, ich muss jetzt dran bleiben, jetzt darf ich nicht mehr abreißen!' Ich war dann etwas eingebaut, weil EF rechts eröffnet hat. Aber ich habe links meinen Weg gefunden und auch wenn es da noch etwas früh war, dachte ich: 'Okay, ich muss los!'"

Neben der Gesamtwertung ist Wiebes durch den Sieg auch die Führende in der Punktwertung. Das Bergtrikot wird auf der 2. Etappe die heutige Ausreißerin Océane Mahé (Ma Petite Enterprise) tragen. Im Weißen Trikot ist von Aigle nach Genf Paula Blasi unterwegs. Die Favoritin auf den Tagessieg in Genf trägt das Gelbe Trikot - auf den 148 Kilometern durch die Schweiz wird es zwar nicht komplett flach, aber ein Massensprint ist dennoch wahrscheinlich.

So lief die 1. Etappe der Tour de France Femmes

Der Grand Depart in der Schweiz begann nach einer etwa neun Kilometer langen neutralen Phase mit äußerst viele Rennaction. Die ersten zehn Kilometer waren geprägt von Attacken, vor allem durch die Continental Teams. Initiiert von Idoia Eraso (Laboral Kutxa – Fundacion Euskadi) und Maud Rijnbeek (VolkerWessels) bildete sich mit Nikola Noskova (Cofidis) und Oceane Mahe (Ma Petite Entreprise) eine vierköpfige Spitzengruppe, die immer mehr an Vorsprung bekam.

Das Feld zeigte keine Anstalten die Ausreißerinnen wieder einzuholen, womit nach 35 Kilometern der Abstand auf über vier Minuten anwuchs. Dazwischen befanden sich mit Alison Jackson (St. Michel – Preference Home – Auber93) und Kiara Lylyk (Mayenne – Monbana – My Pie) noch zwei Fahrerinnen, die sich etwas später absetzen konnten. Ihr Rückstand zur Spitze betrug zu diesem Zeitpunkt eine Minute.

Das Streckenprofil der 1. Etappe der Tour de France Femmes | Foto: Veranstalter

Angekommen an der ersten Bergwertung schaffte es Jackson bis auf 30 Sekunden an die Spitzengruppe heran. Eine Attacke von Mahe, die sich vor Eraso und Reijnbeek die ersten drei Bergpunkte an der Cote de Chables (3. Kat.) sicherte, sorgte dafür, dass Jackson wieder Zeit einbüßte. Lylyk wurde wenig später wieder vom Hauptfeld geschluckt, das über der Kuppe bereits fünf Minuten zurücklag.

Wenig später wurde es turbulent. Zwei Stürze im Peloton prägten die Rennmitte, in den Fenix – Premier Tech mit Christina Schweinberger und Laura Claes verwickelt waren. Die Österreicherin musste sich vom Rennarzt am linken Handgelenk behandeln lassen. Zur selben Zeit war auch der Ausreißversuch von Jackson erfolglos zu Ende gegangen. Das nächste Highlight bildete die Sprintwertung in Villeneuve, wo Eraso sich den Sieg und damit 25 Punkte sicherte. Der Sprint um Platz fünf im Feld ging an Charlotte Kool (Fenix – Premier Tech) die noch 13 Zähler im Kampf um das Grüne Trikot sammelte.

<

Noch vor der nächsten Bergwertung an der Cote de Villars-le-Comte (3. Kat.) setzte sich das Team FDJ United – Suez an die Spitze des Pelotons und verringerte damit den Abstand auf die Spitzengruppe deutlich. Mahe war an der Bergwertung erneut die Stärkste und nahm damit weitere drei Bergpunkte mit. Dahinter attackierte Riejanne Markus (Lidl – Trek) und sorgte mit dieser Attacke für eine erste Selektion, der nicht alle Fahrerinnen folgen konnten. An der Kuppe lag das Peloton nur noch 1:40 Minuten hinter der Spitze.

Wenig später setzte sich in der Abfahrt Amanda Spratt (Lidl – Trek) vom Peloton ab und versuchte den Anschluss zur Spitze herzustellen. Die Australierin schaffte das bis zum nächsten Bergsprint an der Cote de Vulliens (3. Kat.) nicht. Mahe wurde hier hinter Noskova Zweite und sicherte sich damit das Gepunktete Trikot für die 2. Etappe. Durch die Attacke der Tschechin explodierte die Spitzengruppe völlig, und Noskova setzte sich allein an die Rennspitze. Das Peloton hielt den Abstand konstant zwischen anderthalb und zwei Minuten, bevor die finale Rennphase startete.

Viele Stürze rund um Lausanne

Noskova schaffte es lange Zeit, allein an der Spitze des Rennens zu fahren. Erst 16 Kilometer vor dem Ende wurde sie vom Trio Spratt, Eraso, Rijnbeek eingeholt. Das Peloton lag zu diesem Zeitpunkt nur noch 45 Sekunden zurück. Marlen Reusser (Movistar) schaffte es nach einem Sturz, gerade rechtzeitig wieder den Anschluss zu finden.

Die Spitzengruppe wurde sechs Kilometer vor dem Ziel eingeholt, womit das Finale erst kurz vor den Toren Lausannes begann. Alle Top-Teams versuchten, ihre Fahrerinnen in der perfekten Position in den finalen Anstieg hineinzuführen. Dabei passierte bereits zu Beginn der Steigung ein weiterer Sturz, in den Dominika Wlodarcyk (UAE – L’IMAD) und Letizia Paternoster (Liv – AlUla – Jayco) verwickelt waren. Der Anstieg war durchaus taktisch geprägt, wobei sich Le Court-Pienaar bereits früh an der Spitze zeigte. Vollering sorgte erst 800 Meter vor dem Ende für die erste echte Attacke, der aber sowohl Le Court-Pienaar, als auch Rüegg und Teamkollegin Cedrine Kerbaol folgen konnten. 300 Meter vor dem Ende schoss dann plötzlich Wiebes an allen vorbei und sorgte mit einem Fabelsprint für einen überlegenen Sieg.

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • DSSK - Donostia San Sebastian (1.UWT, ESP)
  • Radrennen Männer

  • Tour Alsace (2.2, FRA)
  • Kreiz Breizh Elites (2.2, FRA)
  • Tour de la Guadeloupe (2.2, FRA)
  • PostNord Tour of Denmark (2.Pro, DEN)