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02.08.2026 | (rsn) - Die 2. Etappe der Tour de France Femmes 2026 (2.WWT) wird man in den Reihen von Lotto - Intermarché wohl noch lange in Erinnerung behalten. Selten liegen große Freude und pure Tristesse so nahe beieinander, wie es das belgische ProTeam an diesem Sonntag am Genfer See erleben musste. Aber der Reihe nach.
Ungläubig stand Linda Riedmann mit einer Tüte Gummibärchen in der Hand nach Rennende im Zielraum und meinte im Gespräch mit RSN: "Ich glaube, ich bin in die Top-Ten gefahren." Was zunächst noch vage schien, sollte sich wenige Minuten später in der Ergebnisliste bestätigen.
Riedmann spurtete im Massensprint am Genfer Ufer auf einen starken zehnten Platz und bescherte damit ihrem Team das erste Top-Resultat dieser Tour. Und nicht nur das, auch war die 23-Jährige beste Deutsche auf diesem Teilstück, gefolgt von Rosa Maria Klöser (Canyon - SRAM - We Femmes) zeitgleich auf Rang 24. ___STEADY_PAYWALL___
"Ehrlicherweise habe ich so ein Ergebnis heute nicht erwartet", meinte sie immer noch völlig überrascht. "Unser Plan war eigentlich, für Sandrine (Tas) zu fahren. Aber sie war an den Anstiegen nicht stark genug und ist dann abgehängt worden. Sie war dann in einer Gruppe dahinter. Deswegen habe ich meine Chance bekommen. Ich denke, die habe ich auch genutzt."
Zupacken im richtigen Moment, daran sei nach der 1. Etappe in Lausanne eigentlich kaum zu denken gewesen, überlegte sie rückblickend. "Eine gute Form habe ich gestern eigentlich nicht gespürt und ich finde, heute war es schwer. Vielleicht sogar noch härter als gestern. Es war auf jeden Fall keine Flachetappe. An den Anstiegen wurde ein brutales Tempo gefahren", beschrieb sie die im Roadbook als Flachetappe ausgewiesenen 148 Rennkilometer.
"Aber heute war ich immer gut im Rennen und an den wichtigen Stellen vorne", spürte sie schon vor dem finalen Sprint die ansteigende Form. "Ich hatte auch bessere Beine als gestern. Ich habe unterwegs schon geglaubt, dass viel möglich ist. Dann war ich gegen Ende alleine in der Gruppe und hatte keine Teamkollegin mehr. Deshalb musste ich ein bisschen selbst meinen Weg suchen im Finale", beschrieb sie die Situation, bevor das Finale eröffnet wurde.
Dort surfte sie dann von Hinterrad zu Hinterrad. Dabei hätte sie ihren Fokus schon primär auf das Team von Visma - Lease a Bike um die endschnelle Marianne Vos gelegt. "Am Ende ging dann auf der linken Seite die Lücke auf. Da konnte ich dann meinen Sprint halb im Stehen, halb im Sitzen – je nach Situation – fahren. Es war auf jeden Fall hektisch", musste sie in ihrer Analyse abschließend einräumen.
Zu diesem Zeitpunkt wusste Riedmann noch nicht, dass sie die 3. Etappe am Montag mit drei Teamkolleginnen weniger in Angriff nehmen wird. In beunruhigend kurzer Abfolge wurde über den Ticker vermeldet, dass eine Lotto-Fahrerin nach der anderen das Rennen aufgeben musste.
Am schlimmsten erwischte es dabei Marieke Meert, die nach einem Sturz ins Krankenhaus von Lausanne gebracht wurde. Der Belgierin gehe es den Umständen entsprechend gut, bestätigte ihr Team gegenüber RSN. Trotzdem: Vorbei ist die Tour für sie, genau wie für Sterre Vervloet und die Estin Elisabeth Ebras. Sie hätten wohl schon am Samstag extrem mit den Bedingungen zu kämpfen gehabt und am Sonntag nun mit Hitzschlag die Segel streichen müssen.
Romina Hinojosa und Dina Boels erreichen das Ziel in Genf und sind froh, noch rechtzeitig angekommen zu sein. | Foto: Cor Vos
Dazu erreichten die Mexikanerin Romina Hinojosa und die bereits am Samstag gestürzte, 21-jährige Belgierin Dina Boels das Ziel in Genf erst 24:58 Minuten nach Siegerin Lorena Wiebes (SD Worx – Protime) und eben Riedmann als 138. und 139. Kurz vor dem Besenwagen – lediglich 1:41 Minuten vor Ablauf des Zeitlimits. Boels bekam außerdem eine Geld- und Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens hinter dem Teamauto während der Etappe. Auch sie dürfte am Montag auf Etappe 3 also nochmal einen harten Tag vor sich haben.
Auf die Frage, ob auch sie nach diesem Top-Resultat nun eigentlich nach Hause fahren könne, erwiderte Riedmann lachend: "Nee, ich will schon noch weiter fahren. Wenn es so gut läuft, habe ich das Mindset: Warum nicht noch mehr? Es kommen noch einige Etappen. Aber heute ist auf jeden Fall ein Traum wahr geworden."
Für Riedmann war das Top-10-Resultat ein Grund zu großer Freude, der Rest ihres Teams aber dürfte diesen 2. August als schwarzen Tag in Erinnerung behalten.