Untersuchung der TU Wien in unterschiedlichen Sportarten

Team-Sport: Gemeinsam erzielte Erfolge erhöhen Gewinn-Chancen

Von Julia Neidhardt

Foto zu dem Text "Team-Sport: Gemeinsam erzielte Erfolge erhöhen Gewinn-Chancen"
| Foto: Zipp

04.12.2018  | 

Was macht ein erfolgreiches Team aus? Diese Frage ist nicht nur in vielen Sportarten entscheidend, sie spielt in fast allen Lebensbereichen eine Rolle, von der Unternehmensführung bis zur Politik. Dass ein Team nur dann gewinnen kann, wenn die Mitglieder das nötige Können mitbringen, versteht sich von selbst.

Aber darüber hinaus gibt es noch ein weiteres wichtiges Element:
Gemeinsame Erfolge in der Vergangenheit erhöhen die Gewinn-Chancen – und zwar auf ähnliche Weise, aber auf völlig unterschiedlichen Gebieten.

Ein Forschungs-Team der Northwestern University in Evanston, USA, dem Indian Institute of Management in Udaipur, Indien und der Technischen Universität Wien konnten dieses Phänomen nun durch Auswertung großer Datenmengen statistisch nachweisen, in Sportarten wie Fußball, Baseball, Cricket und Basketball, aber auch in E-Sports, untersucht anhand des Multiplayer-Online-Games „Dota 2“. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fach-Journal „Nature Human Behaviour“ veröffentlicht.

Das Forschungs-Team sammelte umfangreiches Daten-Material
über zahlreiche Teams aus mehreren Sportarten. Die Stärke einzelner Spieler wurde mit verschiedenen Parametern quantifiziert – zum Beispiel im Basketball über die Anzahl der erzielten Punkte und der Assists.

Die Stärke des Teams lässt sich dann als Durchschnittswert der Stärke der einzelnen Spieler berechnen. Damit erhält man einen Wert, mit dem sich das Ergebnis eines Spieles schon einigermaßen gut voraussagen lässt. Teams mit besseren Einzelspielern haben natürlich auch eine höhere Chance auf den Sieg – aber das ist eben noch nicht alles.

Die tatsächlichen Ergebnisse der Spiele lassen sich nämlich bei allen untersuchten Sportarten noch besser vorhersagen, wenn man nicht nur die Durchschnittsstärke der Team-Mitglieder betrachtet, sondern zusätzlich noch berücksichtigt, wie oft sie in der Vergangenheit bereits gemeinsam siegreich waren.

Es kommt also nicht nur darauf an, möglichst hochklassige Stars
auf das Spielfeld zu bringen, sie müssen auch zu einem Team zusammenwachsen – und das gelingt durch gemeinsame Erfolgserlebnisse. Gerade im Spitzensport, wo das Können aller beteiligten Profis extrem hoch ist, spielen individuelle Unterschiede nicht unbedingt die alleinige Hauptrolle. Je ähnlicher die Spielstärke, umso mehr gewinnt die gemeinsame Erfahrung an Bedeutung.

Besonders interessant ist, dass der Effekt in sehr unterschiedlichen Sportarten zu sehen war: Im Fußball, oder auch im E-Sport. Im untersuchten Spiel „Dota 2“ sind die Team-Mitglieder permanent aufeinander angewiesen, bei den meisten Aktionen spielen mehrere Akteure gleichzeitig eine wichtige Rolle. Im Baseball hingegen sind das Werfen und das Schlagen des Balls Einzel-Aktionen, auf die der Rest des Teams keinen Einfluss hat. Trotzdem ist der Team-Effekt überall nachzuweisen.

Ob dieser Effekt dadurch zustande kommt,
dass man durch jahrelanges gemeinsames Training besser aufeinander eingespielt ist und die Aktionen der Team-Mitglieder besser vorhersehen kann, oder ob es auch eine starke psychologische Komponente gibt, und gute Teams einfach emotional stärker zusammengeschweißt sind, lässt sich anhand der statistischen Daten nicht direkt ergründen.

Man sieht jedoch eindeutig, dass bei ähnlichem Leistungs-Niveau der Team-Spieler die Anzahl der gemeinsamen Erfolgserlebnisse eine wichtige statistische Variable ist. Dieser Effekt ist sehr robust, und zwar in ganz unterschiedlichen Sportarten. Das lässt vermuten, dass auch in anderen Bereichen, abseits des Sports, ähnliche Effekte auftreten.

Original-Publikation: Mukherjee et al., Prior shared success predicts victory in team competitions, Nature Human Behaviour (2018). DOI: 10.1038/s41562-018-0460-y

Die Autorin
Dr. Julia Neidhardt ist Mitarbeiterin am Institut für Information Systems Engineering der Technischen Universität Wien. Sie forscht in den Bereichen Team Performance, User Modeling sowie Recommender Systems - und sie betrachtet bei diesen Themen die Individuen nicht nur einzeln, sondern berücksichtigt auch ihre Beziehungen untereinander, zum Beispiel mit Hilfe der sozialen Netzwerk-Analyse.

Weitere Jedermann-Nachrichten

04.09.2026Team Velolease: Zum vierten Mal auf dem Stockerl

Mehr als 4000 Starter jedes Jahr - der Ötztaler Radmarathon gehört für viele Radsportler/innen zum Höhepunkt der Saison. Für das Team Velolease war die 45. Auflage des Klassikers noch einmal etwa

02.09.2026Team Strassacker: Trotz Verpflegungs-Problemen am Podium

227 Kilometer, 5500 Höhenmeter, vier Pässe - schon die blanken Zahlen des Ötztaler Radmarathons sprechen für sich. Am vergangenen Sonntag stellten sich fünf Jungs des Teams Strassacker - Nils Kes

30.08.2026Der Ötztaler Radmarathon im Livestream

(rsn) - Der legendäre Ötztaler Radmarathon live und in voller Länge im Stream: 227 Kilometer und 5500 Höhenmeter erwarten tausende Radfahrer am Sonntag. Vier Alpenpässe müssen überwunden werden

27.08.2026Deutschland-Tour Jedermann: Wieder ganz oben am Treppchen

Das Jedermannrennen der Deutschland-Tour gehört fest zur Team-Geschichte des Teams Strassacker - war es doch Anlass für seine Gründung. Nachdem wir dabei im Vorjahr leer ausgingen, sollte in diesem

03.08.2026Team Strassacker: Vier Rennen - und viele Erfolge

Seit vielen Jahren zieht es das Team Strassacker traditionell Ende Juli in die "Grüne Hölle" der Eifel. Auf dem legendären Nürburgring starteten die Jungs des Teams dieses Jahr in unterschiedliche

30.07.2026Rad am Ring: Florian Christ triumphiert in der grünen Hölle

Meine Vorgabe als Team-Chef für das Rennen am Nürburgring war eindeutig: Individuelle Ziele werden dem Gesamtsieg untergeordnet. Mit einer klaren Taktik gingen wir ins Rennen, denn das Ziel war: Am

27.07.20263Rides Gravel Winterberg: Zehn Stunden Vollgas auf Schotter

Drei Tage feinste Gravel-Action im Hochsauerland: Das 3Rides-Gravel-Etappen-Rennen lockte viele ambitionierte Radsportler/innen nach Winterberg, so auch das Team Strassacker. Auch wenn die anspruchsvo

07.07.2026Maratona dles Dolomites: Über sieben Pässe musst Du fahr´n...

Die Maratona dles Dolomites zählt seit vielen Jahren zu den prestigeträchtigsten Granfondos in Europa: 138 Kilometer, 4230 Höhenmeter, legendäre Dolomiten-Pässe wie Pordoi, Sella, Grödner Joch,

01.07.2026Granfondo Livigno: Teamwork auf den schönsten Alpenpässen

167 Kilometer, 4300 Höhenmeter und sieben Pässe – nur zwei Wochen nach dem für uns recht erfolgreichen SuperGiro Dolomiti folgte mit dem Granfondo Alé Livigno für neun Fahrer des Team VeloLease

30.06.2026Tour Transalp: Finale furioso am Lago

Die letzte Etappe der Tour Transalp führte uns von Lavarone nach Riva del Garda. Mit 85 Kilometern war sie etwas kürzer als die der vorherigen Tage, hatte mit rund 1850 Höhenmetern aber noch einmal

29.06.2026Gravel Vianden: Mit Knallgas an der Our

(rsn) - Gravel boomt - das sieht man auch in Vianden in Luxemburg: Das UCI Eislek Gravel Race zieht jedes Jahr mehr Starterinnen und Starter an. Am vergangenen Sonntag ging es auf einer 37-km-Runde mi

28.06.2026Tour Transalp: Zwei Zeitfahren auf einer Etappe

Die vorletzte Etappe der Transalp führte uns gestern von Semonzo nach Lavarone. Pünktlich um neun Uhr ging es auf die 126 Kilometer lange Strecke mit fast 2860 Höhenmetern - die mit einem besondere

JEDERMANN-RENNEN DIESE WOCHE
  • Keine Termine