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26.10.2015 | Am kommenden Wochenende begeht das Internationale Festival des Fahrrad-
Films sein zehnjähriges Jubiläum. Und gefeiert wird - das Fahrrad.
Es gibt eine Leichtigkeit, eine gute Laune,
die ausschließlich auf dem Fahrrad erlebt
werden kann. Albert Einstein wusste dass, David Byrne weiß es, viele Gedichte des
großen Horst Tomayer zeugen davon.
Auf der Leinwand des zehnten "International Cycling
Film Festival" (ICFF) erbringt Spiderman den Beweis, das Fahrradfahren das Leben in
einen Urlaub verwandelt, auch wenn er sich im Film „Time for Vacation“ aus Estland
blaue Flecken holt.
Seit inzwischen zehn Jahren zelebriert das ICFF
das Fahrrad als eine
der besten Erfindungen der Menschheit. Und, quasi nebenbei, zeigt es das Fahrrad als
Spiegel der Gesellschaft: Am kommenden Wochenende präsentiert das ICFF im Hauptprogramm
18 Fahrradfilme aus zehn Ländern.
Und am Vorabend des ICFF, am Freitag (30.) startet das "Rough Conditions Adventure Film Festival", in Kooperation mit der "Groningen Adventure Society". Der Abend geht mit sieben
Filmen der Sehnsucht nach dem (Fahrrad-)Abenteuer auf den Grund.
Zwischen den
Filmen berichtet Erwin Zatinga,
Macher der "Groningen Adventure Society", über seinen
letzten Trip: auf dem Fahrrad ohne Landkarten und Orientierungshilfen zum Mont Blanc.
Ohne Lebensgefahr, ohne Energydrink. Abenteuer voller Geschichten, mit vielen
helfenden Leuten, und Lust an der Ungewissheit über die nähere Zukunft.
Das Samstags-Programm beginnt mit zwei kollektiven Fahrradfahrten zu den
Flottmann-Hallen, eine von Dortmund aus (Treffpunkt 13:30 Uhr Friedensplatz), die
andere aus Bochum (Treffpunkt 15:30 Uhr Glocke, Bochum Rathaus).
In den Flottmann-Hallen angekommen,
erwartet die kritische Masse an Radfahrer/innen ab 17 Uhr ein
veganes Buffet aus den Suppentöpfen der Dortmunder "VeloKitchen".
Hometrainer, Plattenspieler und Videotechnik bilden die Basis für den "Vinylsprint"-Hometrainer-Wettkampf, mit dem der schnellste Teilnehmer des Festivals ermittelt wird.
Am Nachmmitag öffnet das ICFF außerdem seine dunkelste Truhe, und zeigt das große Halloween-Sonderfilm-Programm. Die Mutigen unter den Zuschauer/innen bekommen die besten Horror-Fahrradfilme der vergangenen zehn Jahre gezeigt: Fahrrad-Zombies aus Japan, Bike-Splatter aus Portugal, und allerlei radelnde Untote aus Luxembourg.
Am Abend, genauer um 20 Uhr, beginnt das Hauptprogramm
des ICFF: Es entführt sein Publikum in reale und
phantastische Fahrradwelten, beginnend mit Einblicken in die Klapprad-Forschung bis hin
zum kältesten Film der Festival-Geschichte, eine Fahrradtour auf dem Baikal See im sibirischen Winter bei minus 30 Grad.
Das Hauptprogramm im Jubiläumsjahr enthält 18 Filme aus zehn Ländern. Ein echt phantastischer Streifen ist der spanische Animationsfilm „Bendito Machine – fuel the machines“ von Jossie Malis, der die zerstörerischen Kräfte der kapitalistischen Produktionsweise zum Thema hat.
Der mit aufwendiger Zeichentechnik inszenierte Film
zeigt
eine Reise durch eine exotische Maschinenwelt, die mit dem Fahrrad beginnt und in der
Katastrophe endet, ausdrucksvoll von der Komponistin Julie Reier untermahlt. Das Fahrrad steht buchstäblich am Rand
des Films, als Platzhalter für eine
bessere Welt.
Zu den kurzen Spielfilmen des Programms zählt „Groen – Grün“, eine absurdes Kammerspiel von Lukas Camps aus den Niederlanden. Ein Student, auf dem Rad und in Eile, wird an einer roten Ampel von einer Gruppe Passanten aufgehalten. Ein Blinder hört den Verkehr schicksalsschwer heranrollen, und das Publikum hält den Atem an. „Hand vor den Mund!“ schimpft eine wartende Mutter. Alle harren auf das grüne Licht wie beim Warten auf Godot, in einem Film voll tickender Spannung wie in High Noon.
Eine Hommage an das dänische Kino ist „Ride“
von Coffus Hofmann, ein kurzes Remake
des Spielfilms „Drive“ von Nicolas Winding Refn. Im neo-noiren Fahrradfilm spielt Julia
Rölle eine Fluchtfahrerin, die präzise und eiskalt ihren Job erledigt – mitten in Berlin, mit
Rad, Lolli und einem Froschmann als kongenialen Partner.
Neben den Spielfilmen enthält das Programm des ICFF etliche Dokumentationen, „De Benen van Amsterdam“ zum Beispiel. Der Film portraitiert Frans van der Meer, der als Fahrradmechaniker die Fahrräder Amsterdams am Laufen, und so einen guten Teil der Stadt in Bewegung hält. Seine inzwischen 90 Jahre alte Werkstatt ist eine soziale Institution, die eine außerordentlich charmante Ausstrahlung besitzt. Eine Dokumentation, gedreht von Wytse Koetse.
Am Ende des Filmprogramms singt M.A. Numminen
ein Lied, und stellt darin zweifelsfrei
fest: Fahrradfahren ist notwendig. Das Programm des 10. ICFF beweist, weiß, wie Recht
sie haben, die Finnen, die Klapprad-Forschung, Spiderman und all die anderen, die Filme
übers Fahrrad gemacht haben.
Gegen 23 Uhr wird es schließlich glamourös, wenn der beste Film mit dem Preis „Goldene Kurbel“ prämiert wird, der als Oscar des Genres gilt, und der weltweit älteste Filmpreis für Fahrradfilme ist.
Die Laudatoren des 10. ICFF sind
Erwin Zantinga aus den
Niederlanden, Vorsitzender der "Groningen Adventure Society" und Aleksander Kopia aus
Kattowitz, Polen, Fahrrad-Beauftrager der Woiwodschaft Schlesien.
Das Filmprogramm wird umrahmt von der Foto-Installation „ein de rosa ist ein de rosa ist ein de rosa“ von Friedbert Rogge. Es gibt Fahrrad-Eigenbauten aus Haselnuss und Bambus und martialische Chopper-Bikes anzuschauen.
Zu hören ist DJ Mono, der ausschließlich
Filmmusik
auf seinen Philips-Mono-Plattenspielern auflegt. Insgesamt beste Zutaten für
einen schönen Abend der Film- und Fahrrad-Kultur in den Flottmann-Hallen in Herne.
die Daten:
10. International Cycling Film Festival
30. Oktober, 20 Uhr: Rough Conditions Adventure Film Festival
31. Oktober, 20 Uhr: 10. International Cycling Film Festival
ab 17 Uhr Rahmenprogramm mit Halloween-Fahrrad-Spezialfilmen u.v.m.
Veranstaltungsort:
Flottmann-Hallen, Straße des Bohrhammers 5, 44625 Herne
Eintritt:
30./31.10., 20 Uhr: 5 Euro (Kinder und Erwachsene)
31.10. am Nachmittag: freier Eintritt
Gernot Mühge
ist Gründer und Leiter des "International Cycling Film Festival".
Das Festival ist eine Gemeinschaftsproduktion des Bochumer „Team Hollandse Frietjes – non-professional cycling“, dem Herner "Roomservice - Forum für Jugend-Kultur" und der "Śląska Inicjatywa Rowerowa", der schlesischen Fahrrad-Initiative in Polen.
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