RCS will erst in einigen Tagen entscheiden

Fällt der Stelvio beim Giro dem Schnee zum Opfer?

Foto zu dem Text "Fällt der Stelvio beim Giro dem Schnee zum Opfer?"
Auch 2020 lag am Stelvio Schnee, aktuell aber ist es deutlich mehr. | Foto: Cor Vos

10.05.2024  |  (rsn) – Die Überfahrt über das Stilfser Joch zu Beginn der 16. Etappe des Giro d'Italia am 21. Mai wackelt gewaltig. Das legt die italienische Nachrichtenagentur ANSA nahe, derzufolge es die aktuelle Lawinenwarnstufe nicht möglich macht, den schneebedeckten Pass für das Rennen bereit zu machen.

"Die Lawinengefahr ist zu hoch, als dass der Giro-Tross den Stelvio überfahren könnte", erklärte Olaf Reinstadler, Chef der Bergrettung vor Ort, gegenüber ANSA. "Das Problem ist nicht die Straße, sondern die Tatsache, dass die Hänge darüber noch voller Schnee sind. Mit den dieser Tage ansteigenden Temperaturen, könnte es plötzliche Risse in der Schneedecke geben."

Der Giro-Veranstalter RCS Sport hat bislang noch kein Statement zur Lage am Passo dello Stelvio abgegeben, laut cyclingnews.com will man eine Entscheidung aber erst in einigen Tagen treffen, wenn die Etappe näher rückt und man die Wetterentwicklung besser überblicken kann. Abhängig ist das natürlich letztendlich auch von den lokalen Behörden.

Das Stilfser Joch soll in diesem Jahr auf der 16. Etappe das 'Dach des Giro' werden, der höchste Punkt des Rennens und damit der Ehren-Bergpreis 'Cima Coppi'. Es soll von Bormio aus auf der leichteren Westseite hinauf und dann die berühmte Serpentinenstraße im Osten hinuntergehen. Im Anschluss an die Abfahrt nach Prad würden fast 80 Kilometer abschüssig und flach durchs Tal nach Bozen führen, bevor es dann ins Grödnertal hinaufginge.

Zwei mögliche Ausweichrouten gibt es theoretisch

Alternativrouten gibt es zwei: Entweder von Livigno durch die Schweiz und über Santa Maria im Münstertal sowie Taufers und Schluderns nach Prad, um dort auf die ursprünglich geplante Strecke zu stoßen. Das würde die eigentlich 202 Kilometer lange Etappe etwas verkürzen, ist aber eigentlich die Route für den Fahrzeugkonvoi des Giro mit allen Mannschaftsbussen und würde durch den 3,4 Kilometer langen La Schera-Tunnel am Nordende des Lago di Livigno führen.

Wahrscheinlicher scheint, dass man von Livigno zunächst wie geplant in Richtung Bormio fährt, dann aber nicht zum Stelvio abbiegt, sondern über den Gavia-Pass nach Ponte di Legno gelangt und anschließend den Passo del Tonale hinunter ins Trentino nach Bozen nutzt. Das aber würde die Etappe sogar um rund 30 Kilometer verlängern und erschweren. Der Gavia-Pass ist mit 2.621 Metern Höhe nur rund 130 Meter niedriger als das Stilfserjoch, führt aber nicht an ganz so steilen Hängen entlang, wie die Passstraße am Stelvio.

Eine weitere Möglichkeit wäre, die Etappe drastisch zu verkürzen und via Münstertal mit den Bussen nach Prad zu fahren und das Teilstück erst dort auf der Ostseite des Stelvio zu starten. Dann stünden nur 124 Rennkilometer auf dem Programm und alles würde sich auf die Schlusssteigungen im Val Gardena konzentrieren.

Klar ist: Pässe wie das Stilfser Joch sind im Streckenplan des Giro d'Italia im Mai witterungsbedingt immer Wackelkandidaten und RCS Sport hat aus diesem Grund stets Alternativen in der Schublade. Bis die aber rausgeholt werden, wartet man meist so lange wie irgendwie möglich. Der Stelvio war bereits 1984, 1988 und 2013 kurzfristig gestrichen worden.

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