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12.03.2026 | (rsn) - Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) war zum ersten Mal seit Juniorenzeiten mal wieder vor seinem Kumpel Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) und zog dem Mexikaner dank der Bonussekunden für den zweiten Platz auf der 4. Etappe auch das Leadertrikot des Tirreno Adriatico aus.
Sein Glück konnte der Youngster im Ziel kaum fassen. “Puh, ich muss das erst mal verarbeiten“, sagte der Italiener auf der Pressekonferenz. “Da brauche ich sicher etwas Zeit. Aber das wird mir schon gelingen. Und jetzt will ich das Ganze genießen“, meinte Pellizzari und setzte ein ganz breites Lachen auf. Denn ihm war etwas gelungen, was ihm seit Jahren nicht mehr geglückt war. “Ich glaube, das letzte Mal war ich irgendwann in Juniorenzeiten vor ihm“, spielte er auf seinen einstigen Trainingsgefährten Del Toro an. ___STEADY_PAYWALL___
Nun hatte er mit seinem zweiten Etappenplatz und den damit verbundenen Bonussekunden dem Senkrechtstarter aus Mexiko aber das Blaue Trikot der italienischen Fernfahrt ausgezogen. Das sorgte auch für gute Laune bei den zwei Grand-Tour-Siegern von Red Bull – Bora - hansgrohe. Jai Hindley, Giro-Triumphator von 2022, und Primoz Roglic, viermaliger Vuelta-Sieger und ebenfalls Rosa Trikot-Sammler, plauderten jedenfalls angeregt miteinander im Zielbereich und freuten sich über den Erfolg des jungen Teamgefährten.
Im Zielsprint der 4. Tirreno-Etappe war Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe, im Weißen Trikot) “best of the rest“ hinter dem souveränen Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) | Foto: Cor Vos
Der kam nicht von ungefähr. Pellizzari hatte schon auf der Gravel-Etappe am Dienstag imponiert. Da war er Tagesdritter hinter dem auch jetzt in Martinsicuro erfolgreichen Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) sowie Del Toro. Jetzt war erneut der Niederländer eine Nummer zu groß für ihn. Aber den auch für seine Endschnelligkeit bekannten Mexikanischen Meister hielt er in Schach. Ebenso den mit einem guten Spurt gesegneten Wout van Aert (Visma – Lease a Bike).
Bemerkenswert war, dass Pellizzari schon früh im Finale eine Attacke versucht hatte, die aber neutralisiert wurde. Doch er hatte immer noch genug Pulver für den zweiten Schuss. Das überraschte ihn selbst ein wenig. “Ich weiß gar nicht so genau, was im Sprint passierte. Ich war etwas hinten, die anderen haben etwas rausgenommen. Ich habe dann die Lücke gefunden, unglaublich“, beschrieb er die letzten Meter, als die Konkurrenz wohl noch etwas konsterniert war von der letztlich entscheidenden Attacke des Tagessiegers.
Der optische Eindruck täuscht: Mit seiner Leistung und dem Ergebnis war der 21-jährige Italiener sehr zufrieden. | Foto: Cor Vos
Unmittelbar hinter van der Poel kam aber eben Pellizzari ein. Der 21-Jährige muss sich dran gewöhnen, von den Großen der Szene umringt zu sein, von Exweltmeistern und Grand-Tour-Siegern. Roglic folgt ihm schließlich in der Gesamtwertung auf Rang drei hinter Del Toro. Und zu den Geschlagenen des Tages gehörten aus der kleinen Frontgruppe eben auch Männer wie Van Aert, Matteo Jorgenson (Visma – Lease a Bike) oder Filippo Ganna (Ineos Grenadiers).
Für entschieden hält Pellizzari den Tirreno allerdings noch lange nicht. “Am Ende werden auch nicht nur wenige Sekunden Abstand herrschen“, prognostizierte er. Selbst sieht er sich im Vergleich zum Vorjahr in vielen Belangen verbessert. “Ich habe dazugelernt, wie man sich gut und sicher im Peloton bewegt, da haben mir auch meine Teamgefährten geholfen“, meinte er. Auch verstärktes Zeitfahrtraining macht sich bemerkbar.
Erstmals seit Juniorenzeiten lag Pellizzari wieder vor Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) und nahm seinem Kumpel sogar das Blaue Trikot ab. | Foto: Cor Vos
Den Druck, den er inzwischen auch von der Teamleitung vermittelt bekommt, wandelt er in positive mentale Energie um. “Im letzten Jahr war es noch so: Wenn ich gut performe, dann ist es prima. Wenn ich nicht performe, amen. In diesem Jahr nimmt der Druck, Leistung zu zeigen, zu. Aber es ist ein Druck, den ich mag. Ich lerne das auch zu managen, und das Team hilft mir dabei“, sagte er.
Ein großer Stimulus bleibt aber weiterhin, sich mit dem nur sechs Tage jüngeren Del Toro zu messen. “Ich möchte den Abstand zu ihm schließen“, sagte er. Einmal immerhin war Pellizzari jetzt vorn. Und in den nächsten Tagen hat er Heimvorteil. Der Tirreno erreicht nämlich die Provinz Marken. Am Samstag ist seine Heimatstadt Camerino sogar Zielort. “Schon allein in den Marken zu fahren, ist fantastisch. Und jetzt noch mit diesem Trikot – das ist das Optimum“, meinte er.
Nach dem Tirreno wird Pellizzari übrigens auch Mailand – Sanremo fahren. “Um dem Team zu helfen und selbst zu lernen“, beschrieb er seine Aufgaben. Bei den heutzutage vielseitig talentierten Fahrern weiß man nie, wozu es gut ist, auch einen erst 21-Jährigen schon mal die Classicissima fahren zu lassen.