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20.03.2026 | (rsn) – Holt sich Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) im sechsten Anlauf endlich seinen ersten Sieg bei der “Primavera“ oder triumphiert Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) zum dritten Mal nach 2023 und dem vergangenen Jahr? Auf diese Frage lässt sich eine Vorschau auf das 117. Mailand-Sanremo (1.UWT) zuspitzen.
Sollte nichts gänzlich Unvorhergesehenes beim ersten Monument der Saison geschehen, sollte es auf ein Duell zwischen dem Slowenen und dem Niederländer hinauslaufen – wobei Pogacar wie schon im vergangenen Jahr versuchen wird, mit einer massiven Tempoverschärfung an der Cipressa seine Gegner um van der Poel loszuwerden. Der Titelverteidiger wird alles daransetzen, wie 2025 am Hinterrad des Weltmeisters die beiden letzten Hügel des Tages zu überstehen und sich auf seinen Sprint verlassen.
“Es ist kein Geheimnis, dass ich Mailand-Sanremo unbedingt gewinnen möchte. Ich denke, die Strecke liegt mir, aber auch vielen anderen Topfahrern“, machte Pogacar in einem Beitrag auf der UAE-Website aus seinen Ambitionen keinen Hehl, nach zuletzt zwei dritten Plätzen diesmal als Erster die Ziellinie auf der Via Roma zu überqueren.
Seine Zuversicht bezieht er nicht nur aus einem starken Team – in dem allerdings die im Vorjahr an der Cipressa so starken Jhonathan Narvaez und Tim Wellens wegen Verletzungen fehlen -, sondern auch sein Saisondebüt, bei dem er zu Monatsanfang souverän die Strade Bianche gewann. “Das Team war da außergewöhnlich, und wenn wir diese Leistung wiederholen können, ist alles möglich“, sagte er. Seine Hoffnungen ruhen dabei vor allem auf Isaac del Toro, der zuletzt mit dem Gesamtsieg bei Tirreno-Adriatico (2.UWT) seine Topform unterstrichen hat. Er soll als Edelhelfer an der Cipressa eine entscheidende Rolle spielen.
Bei der italienischen Fernfahrt präsentierte sich allerdings auch van der Poel in Glanzform. Zwei Etappensiege gelangen dem 31-Jährigen dort, ehe er am Schlusstag nochmals in die Offensive ging, um seine Beine zu testen. “Natürlich sind das die Intervalle und Rennsituationen, die ich zum Erreichen meiner Bestform benötige. Das war ein hartes Rennen mit hoher Grund-Pace und schlechtem Wetter in den Bergen“, sagte van der Poel auf der Pressekonferenz nach seinem zweiten Tirreno-Tagessieg schon mit Blick auf Mailand-Sanremo, bei dem nicht weniger als acht frühere Sieger dabei sind.
Dabei handelt es sich neben van der Poels Teamkollegen Jasper Philipsen (2024) um Matej Mohoric (Bahrain Victorious / 2022), Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step / 2021), Wout van Aert (Visma – Lease a Bike / 2020), Julian Alaphilippe (Tudor / 2019), Michal Kwiatkowski (Ineos Grenadiers / 2018) sowie John Degenkolb (Picnic – PostNL / 2015), der gegenüber RSN am Rande des Tirreno-Adriatico aber bereits deutlich machte, dass er bei seiner zehnten Teilnahme nicht mehr für ein Spitzenergebnis in Frage komme.
“Angesichts der Entwicklung, die das Rennen in den letzten Jahren genommen hat, muss man auch realistisch sein, dass da für mich kein Topergebnis herausspringen kann. Ich freue mich darauf und versuche die Mannschaft, so gut wie es geht, zu unterstützen“, so der Oberurseler, für den van der Poel der Topfavorit ist. “Es ist Wahnsinn, in welcher Verfassung Mathieu ist. Auf diesen vier bis fünf Minuten langen Anstiegen kann er mit der Konkurrenz machen, was er will“, fügte er an.
Am stärksten einzuschätzen sein aus der Gruppe der früheren Sanremo-Gewinner dürfte neben Philipsen – der bei Alpecin “Plan B“ für den Fall eines Sprints aus einer größeren Gruppe heraus ist – der Belgier Wout van Aert (Visma - Lease a Bike). Der 31-Jährige blieb beim Tirreno allerdings ohne Sieg, lediglich ein fünfter Etappenrang deutete darauf hin, dass er auch bei Mailand-Sanremo eine gute Rolle spielen könnte. Die ist dagegen sicherlich Filippo Ganna (Ineos Grenadiers) zuzutrauen. Auf dem Italiener, bei van der Poels beiden Siegen auf der Via Roma jeweils Zweiter, ruhen die Hoffnungen der Tifosi, dass erstmals seit Vincenzo Nibali 2018 wieder ein heimischer Fahrer ganz oben auf dem Treppchen stehen wird.
Hoch gehandelt wird auch Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5), der mit seinem stark herausgefahrenen Sieg bei Mailand-Turin (1.Pro) nachgewiesen hat, dass er bereit für den ersten großen Klassiker des Jahres ist. Ähnliches gilt für Romain Grégoire (Groupama – FDJ United), der bei Pogacars Strade-Solosieg Vierter in Siena geworden war.
Gut in Form ist auch der Neuseeländer Laurence Pithie. Der Hoffnungsträger von Red Bull – Bora – hansgrohe hat in dieser Saison bereits mehrere Spitzenergebnisse eingefahren und peilt die Top 5 an. Noch ohne Ergebnis im Radsportjahr 2025 ist dagegen Mads Pedersen. Der Kapitän von Lidl – Trek ist nach seinem schweren Sturz zum Auftakt der Valencia-Rundfahrt schneller genesen als erwartet und überraschte am Donnerstag mit der Ankündigung, doch am Start von Mailand-Sanremo zu stehen. Ob der Däne aber im Finale das erwartet hohe Tempo seiner Konkurrenten wird mitgehen können, ist eine der großen Fragen.
Keine Fragen bleiben dagegen offen zu den Chancen der fünf deutschen Teilnehmer. Die der 37-jährige Degenkolb bei Picnic wird der vier Jahre jüngere Jasha Sütterlin bei Jayco – AlUla als Road Captain unterwegs sein. Eine Helferrolle in Diensten von Stuyven und Paul Magnier übernimmt Maximilian Schachmann (Soudal – Quick-Step). Georg Zimmermann und Jonas Rutsch werden bei Lotto – Intermarché, das ohne erklärten Kapitän antritt, ohne große taktische Zwänge agieren können.
In unterstützender Funktion unterwegs sein werden drei der vier Schweizer, nämlich Jan Christen (UAE – Emirates – XRG), Silvan Dillier (Alpecin – Premier Tech) und Johan Jacobs (Groupama – FDJ United), wogegen der Schweizer Doppelmeister Mauro Schmid bei Jayco – AlUla in Abwesenheit des Vorjahresvierten Michael Matthews auf eigene Rechnung wird fahren können. Die beiden Österreicher Felix Großschartner (UAE – Emirates) und Michael Gogl (Alpecin – Premier Tech) stehen in Diensten der Topfavoriten Pogacar und van der Poel.
Mailand –Sanremo wird vom Start weg ab 9:45 Uhr auf HBO max und Discovery Plus übertragen. Wir steigen mit unserem Live-Ticker ab 14:20 Uhr in die entscheidende Phase des Rennens ein.