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08.05.2026 | (rsn) – Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) war einer der Shooting-Stars der letzten Saison, nur Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) gelangen zwei Siege mehr als dem jungen Franzosen, der es auf 19 brachte. Als er am 1. März 2025 Zweiter beim Omloop Nieuwsblad (1.UWT) wurde, war Magnier gerade 20 Jahre alt. Seinen ersten WorldTour-Sieg feierte er ein knappes halbes Jahr später bei der Polen-Rundfahrt (2.UWT), fünf weitere ließ er zum Saisonabschluss in China bei der Tour of Guangxi (2.UWT) folgen.
Die Grand-Tour-Premiere aber geriet 2025 zu einem regelrechten Debakel. Mit hohen Erwartungen startete der Franzose in Albanien in den Giro d'Italia, doch auf den ersten recht schweren Teilstücken konnte er nicht mithalten. Platz sieben am vierten Tag erfüllte die großen Erwartungen nicht, zwei Etappen später erzielte er mit Rang drei immerhin einen Achtungserfolg. Nachdem er in der zweiten Woche noch einmal als Achter auf der ersten Ergebnisseite auftauchte, verließ Magnier das Rennen nach der 15. Etappe.
Ganz anders dagegen verlief nun der Giro-Auftakt 2026. Schon beim ersten Anlauf passte bei Soudal – Quick-Step alles zusammen. Nach dem Sturz 600 Meter vor dem Ziel waren die Belgier die einzigen, die neben ihrem Sprinter mit Jasper Stuyven und Dries Van Gestel noch zwei Helfer dabei hatten – und die setzten sie perfekt ein.
Nach dem Massensturz im Finale der 1. Giro-Etappe sprinteten in Burgas nur noch elf Fahrer um den Sieg. | Foto: Cors Vos
“Wir waren vielleicht etwas zu kurz, als es auf den letzten Kilometer ging. Aber dann hat (Max) Walscheid noch mal richtig gezogen und kurz dachte man wahrscheinlich, er hängt mich ab“, blickte Routinier Stuyven bei Eurosport auf das Finale zurück, in dem nach dem Sturz rund 600 Meter vor dem Ziel nur noch elf Fahrer um den Sieg sprinteten.
Tatsächlich war zwischen ihm und dem Deutschen eine kleine Lücke entstanden. Die war aber nicht mehr als ein Sprintloch. “Ich wusste, dass ich Dries (Van Gestel) bei 400 Metern absetzen musste und habe das gemacht", erzählte der Routinier in Sachen Leadouts, der erst im Winter von Lidl – Trek zu Soudal gewechselt war und nun in Bulgarien seinem neuen Kapitän Magnier prompt zum Sieg über seinen alten Kapitän Jonathan Milan verhalf – vielleicht auch, weil er im Moment, als hinter Milans Anfahrer Walscheid die Lücke aufging, nicht panisch beschleunigte, sondern seinen eigenen Plan weiterverfolgte.
"Natürlich hat uns der Crash geholfen, mit der kleinen Gruppe dann", analysierte Stuyven außerdem. Keine Mannschaft konnte Soudals Vorbereitung stören und die beiden Belgier zogen ihrem französischen Kapitän den Spurt perfekt an.
"Das war natürlich das große Ziel. Wir haben einen Plan gemacht und natürlich ist es nie leicht, den dann auch durchzuziehen. Aber wir haben es heute wirklich perfekt hingekriegt. Das ist die Kombination aus einem starken Team und gutem Timing", urteilte der Sieger von Mailand-Sanremo 2021.
Nach perfekter Vorbereitung seines Teamkollegen holte sich Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) seinen ersten Tagessieg bei einer Grand Tour. | Foto: Cor Vos
Diese Kombination führte zu Magniers drittem Saisonsieg, wobei er die ersten beiden schon im Februar bei der Volta ao Algarve (2.Pro) festgemacht hatte. Vor dem Giro gab es für ihn einen Monat Wettkampfpause. “Es ist schon länger her, dass ich ein Rennen gefahren bin. Und ich hatte ein paar Probleme in der Klassikersaison. Es war etwas schwer, mich neu zu fokussieren. Ich habe im Trainingslager davon geträumt, in das Trikot zu fahren“, erzählte Magnier in der Mixed Zone.
Diesen Traum hat er sich jetzt erfüllt. Als Tobias Lund Andresen (Decathlon – CMA CGM) ihn gut 200 Meter vor dem Ziel mit Schwung rechts überholte, heftete Magnier sich sofort ans Hinterrad des Dänen. Von dort aus spurtete er dann am 23-Jährigen vorbei. Die anderen Sprinter konnten kaum oder keinen Raum auf Lund Andresen gutmachen, Magnier dagegen holte in kurzer Zeit mehr als eine Radlänge heraus und war somit klar der schnellste Mann auf der Zielgerade.
"Wäre jemand anderes als Magnier oder Milan an meinem Hinterrad gewesen, hätte ich gewonnen", meinte Andresen im Ziel am Eurosport-Mikrofon und ehrte den siegreichen Franzosen damit ebenfalls, der überglücklich erzählte:
“Es ist sehr emotional und schwer zu begreifen. Ich glaube, wenn ich morgen in Rosa am Start stehe, werde ich entspannter sein. Ich versuche, es so gut es geht zu genießen. Ich hänge das Trikot ganz sicher daheim auf!" Wenn es ganz 'schlecht' läuft, muss der Youngster seine Vitrine zu Hause ausbauen. Denn auch wenn die 2. Etappe deutlich schwerer ist als die erste, rechnet er sich etwas aus. “Morgen gibt es ganz vielleicht eine Chance, dass ich dranbleiben kann, wenn ich mich gut fühle. Ich habe im Höhentrainingslager sehr gut trainiert“, verriet er.
Nach getaner Arbeit rollte Magniers Teamkollege Jasper Stuyven völlig ausgepumpt als Elfter über den Zielstrich | Foto: Veranstalter
Auf die Unterstützung seiner Mannschaft wird Magnier jedenfalls zu hundert Prozent zählen können. “Nachdem (Mikel) Landa vor ein paar Wochen absagen musste, haben wir alles auf den Sprint gesetzt. Sogar die Kletterer haben uns im Finale geholfen. Es war unglaublich“, freute sich der Träger des ersten Rosa Trikots dieses Giro. “Die Kletterer“, das sind bei Soudal bei diesem Giro der Italiener Filippo Zana und mit Abstrichen dessen Landsleute Gianmarco Garofoli und Andrea Raccagni. Die Belgier Fabio Van Den Bossche, Ayco Bastiaens, Stuyven und Van Gestel dagegen sind ohnehin von Kopf bis Fuß auf Sprint eingestellt.