Mit “Safety First“-Ansatz durch die 1. Giro-Etappe

Visma-Versammlung um Vingegaard am Ende des Feldes

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Visma-Versammlung um Vingegaard am Ende des Feldes"
Jonas Vingegaard und seine Teamkollegen sind auf Etappe 1 des Giro d´Italia keine Risiken eingegangen. | Foto: Cor Vos

08.05.2026  |  (rsn) – Auffällig unauffällig, so lässt sich der Auftritt von Jonas Vingegaard und seinem Team Visma – Lease a Bike auf der 1. Etappe des Giro d'Italia 2026 (2.UWT) wohl am besten beschreiben. Der Top-Favorit auf den Gesamtsieg und seine Mannen in Gelb-Schwarz hielten sich aus dem Geschehen weitgehend heraus und fuhren geschlossen am Ende des Hauptfeldes in den Zielort Burgas hinein.

Klar: Um einen Sprintsieg will Visma während dieser 109. Italien-Rundfahrt ohnehin nicht kämpfen. Doch es war schon auffällig, wie defensiv das Team agierte. Als das Peloton innerhalb der letzten zehn Kilometer aus der Helikopter-Perspektive gezeigt wurde, fuhren alle acht Visma-Profis in einer Traube ganz am Ende des großen Pulks, sogar mit ein paar Metern "Reaktions-Abstand" zur dem Ziel entgegenjagenden Konkurrenz. Visma rollte im Sog mit, ging aber jedem Risiko aus dem Weg.

"Das Wichtigste war für uns heute, sicher ins Ziel zu kommen. Die Jungs haben es ohne Probleme auf die letzten fünf Kilometer geschafft, also bestand keine Gefahr mehr, Zeit zu verlieren", erklärte der Sportliche Leiter Marc Reef nach der Etappe in einer Mitteilung seines Teams.

Tatsächlich konnte Visma problemlos und risikofrei bis in die für die Gesamtwertung relevanten fünf Schlusskilometer kommen, ohne sich ins Getümmel zu stürzen: Die Straßen bis dorthin waren breit, an einem etwaigen Sturz sieben oder acht Kilometer vor Schluss wäre man in der Position ganz, ganz hinten wohl völlig schadlos vorbeigefahren, wenn es denn zu einem gekommen wäre.

"Auf der 1. Etappe einer Grand Tour geht es immer um viel und im Schlusskilometer ist es ja auch ernsthaft schiefgegangen. Wir haben uns aber vorher entschieden, im Finale im Hintergrund zu bleiben", sagte Reef mit Blick auf die auf den letzten 1.000 Metern enger werdende Straße, auf der es gut 600 Meter vor Schluss dann ja auch zum Massensturz kam, hinter dem Vingegaard & Co. anhielten, warteten und eben dank der 5-Kilometer-Regel trotzdem ohne Zeitverlust blieben.

Einziger Wermutstropfen: Auto Nr. 21 auf Etappe 2

So rollte schließlich der Top-Favorit dieses Giro höchst selbst auf Platz 76 als erster Fahrer seines Teams über den Zielstrich und konnte zufrieden und erleichtert einen Haken an den stets gefährlichen Auftakt-Tag machen.

Einen Wermutstropfen aber musste man aufgrund der "Safety First"-Herangehensweise des gesamten Teams doch schlucken: Während die Konkurrenz von UAE – Emirates – XRG den Portugiesen Antonio Morgado am Red-Bull-Kilometer sogar um Bonifikationen sprinten ließ, um eine bessere Gesamtwertungs-Position und damit für Etappe 2 einen Platz weit vorne im Fahrzeugkonvoi zu ergattern, klebt auf dem Teamfahrzeug von Reef am Samstag die Nummer 21. Nur XDS – Astana und Tudor nämlich haben ihren jeweils besten Mann noch weiter hinten in der Gesamtwertung stehen.

Während die Konkurrenz die Position im Tross der Begleitwagen für Etappe 2 offensichtlich als wichtig einstufte, tat man das bei Visma wohl nicht. "Die morgige Etappe hat ein schwieriges Finale mit mehreren technischen Abschnitten. Viele Fahrer können da vom Sieg träumen", gab Reef zwar zu, betonte aber auch: "Für uns bleibt die Hauptsache, durch die ersten drei Tage in Bulgarien so gut wie möglich durchzukommen."

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