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27.05.2026 | (rsn) - “Darf man enttäuscht sein über einen zweiten Platz beim Giro?“ Diese Frage stellte der Sportliche Leiter von Uno-X, Michael Blaudzun, nach dem Zieleinlauf der 17. Etappe des Giro d’Italia bei Eurosport. Sein Schützling, Andreas Leknessund, bejahte das. Nicht mit Worten, sondern mit seiner Körpersprache, als er im Ziel auf seinem Rad saß und den Kopf hingen ließ.
"Es tut mir weh, dich so zu sehen", begann Eurosport-Reporter Anders Mielke das Interview mit dem Norweger deshalb möglichst gefühlvoll. Und der Mann, der zum bereits dritten Mal bei diesem Italien-Rundfahrt Zweiter geworden war, antwortet zunächst bruchstückhaft. "Heute bin ich ein wirklich gutes Rennen gefahren – bis zum letzten Kilometer", so Leknessund, der dann auf Nachfrage auch erklärte, was dort falsch lief:
"Mein Plan war über die Kuppe zu attackieren, ich war aber etwas zu weit vorn in der Gruppe. Valgren hat dann gemacht, was ich mir vorgenommen hatte", erzählte der Norwegische Meister mit Blick auf den Angriff des Dänen an der 1.000-Meter-Marke. Er setzte Valgren zwar noch nach, doch es reichte nicht, um den ersehnten Sieg zu holen.
Auf Platz zwei in Fermo am achten Renntag und den Silberrang auf der 13. Etappe in Verbania folgte auch in Andalo am Mittwoch erneut Position zwei. Dabei nähert sich der Norweger dem Etappensieg immer weiter an. Zunächst fehlten ihm 32 Sekunden, dann 26 und nun kam der Uno-X-Fahrer nur drei Sekunden hinter dem Sieger von EF Education - EasyPost ins Ziel.
"Es ist so traurig. Ich glaube, ich bin trotzdem ein ziemlich gutes Rennen gefahren, war allein in der Gruppe heute und habe dann an den Anstiegen noch den Sprung nach vorne geschaffft. Dort habe ich so wenig wie möglich gemacht, saß mehr oder weniger nur am Rad die letzten zwei Anstiege und habe mich wirklich gut gefühlt und dachte ich könnte cool bleiben. Aber dann, puh…", unterbrach er sein Resümee, schüttelte schwer enttäuscht und offensichtlich ungläubig ob des eigenen Patzers den Kopf, um anschließend doch noch hinzuzufügen: "Dann hatte ich den Plan, über die Kuppe anzugreifen – und schon war es zu spät."
Derweil beantwortete Blaudzun seine eingangs selbst gestellte Frage einige hundert Meter weiter auf dem Busparkplatz anders als sein Fahrer – dafür aber mit Wörtern: "Wir sind nicht enttäuscht, wir sind stolz auf Andreas, auf was er heute wieder getan hat. Er ist großartig, wie er diese Spitzengruppen erwischt, das ist unglaublich", so der ehemalige Telekom-Profi.
Leknessund hat es im Rahmen dieser Italien-Rundfahrt schon zum fünften Mal in die Gruppe des Tages geschafft, dreimal kam die vor dem Peloton ins Ziel – jedes Mal mit dem bekannten Resultat: Norwegens Meister auf Rang zwei.
Aber da aller guten Dinge ungefähr sechs sind, kündigte Blaudzun bereits die nächste Offensive an. "Natürlich versuchen wir es auch morgen wieder mit Angriffen. Deshalb sind wir hier. Wir haben fünf Jungs mit unglaublicher Moral hier und werden den nächsten Sieg bis Rom weiter jagen", so der 53-Jährige. Das 18. Teilstück weist im Finale einen kurzen, aber steilen Anstieg auf, an den beiden darauffolgenden Tagen gibt es schwere Bergetappen, bevor es zum Abschluss in Rom zum Massensprint kommen sollte. Weder in den Bergen noch bei den Spurts sollten die Norweger Chancen auf einen Triumph haben – am Donnerstag aber vielleicht doch wieder?