Kostete Missverständnis Sieg auf 15. Tour-Etappe?

Pogacar: “Wollte, dass Isaac sprintet und er hat attackiert“

Von Christoph Matt

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Das UAE-Duo Tadej Pogacar (vorn) und Isaac Del Toro mit Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe, li.) im Finale der 15. Tour-Etappe | Foto: Cor Vos

19.07.2026  |  (rsn) - UAE - Emirates - XRG wollte auf der 15. Etappe viel, eventuell zu viel. Offenbar hatten Tadej Pogacar & Co. den Tagessieg, das Weiße Trikot, das Klassementpodium und die Teamwertung im Blick. Vielleicht wurde teamintern schon von einem weiteren Doppelsieg geträumt. 

Hinter keinen dieser Punkte konnte die schier übermächtige Equipe aber einen Haken machen. Pogacar und Isaac Del Toro bewältigten mit Remco Evenepoel (Red Bull - Bora - hansgrohe) im Schlepptau den Großteil des Schlussanstiegs. Im Bergaufsprint zogen die beiden UAE-Fahrer aber den Kürzeren und verzockten sich im Kampf um den Tagessieg, den der Belgier einheimste.

Über einen Großteil der 184 Kilometer langen Etappe hatte sich UAE nicht an der Tempoarbeit beteiligt. Mit Adam Yates hatte das Team eine vielversprechende Option in der Ausreißergruppe und überließ Visma - Lease a Bike die Nachführarbeit. Nach dem folgenschweren Sturz von Visma-Kapitän Jonas Vingegaard setzte sich am Fuß des Schlussanstiegs dann Red Bull - Bora - hansgrohe an die Spitze des Pelotons.

Yates schien jedoch nicht den besten Tag zu haben und strich am finalen Berg die Segel. Als neuer Kandidat für den Tagessieg wurde nun Del Toro erkoren. Der Mexikanische Meister war zwar in den Sturz mit Vingegaard verwickelt gewesen, sein Kapitän Pogacar traute dem 22-Jährigen dennoch einen erneuten Sieg zu.

“Wir haben über Funk gehört, dass Adam vielleicht nicht in der besten Verfassung ist, um auf den Sieg zu gehen. Dann habe ich versucht, Isaac nach seinem Sturz zu motivieren, da er etwas das Vertrauen verloren hatte. Mitten im Anstieg sagte er dann: Okay, lass es uns versuchen”, erzählte Pogacar in der Pressekonferenz.

7,6 Kilometer vor dem Zielstrich übernahm schließlich das Gelbe Trikot selbst die Tempoarbeit und reduzierte innerhalb weniger Meter die Gruppe der Klassementfahrer auf besagtes Trio. Der Gesamtführende fuhr rund 20 Minuten Tempo für seinen Teamkollegen, drehte sich dabei auffällig oft zu ihm um und ließ wenig Zweifel daran, dass er Del Toro mit nach oben ziehen wollte.

“Ich habe mich heute voll für Isaac reingehängt, wegen des Weißen Trikots und der Gesamtwertung für ihn. Er tut sonst auch alles für mich. Am Ende gab es dann vielleicht ein kleines Missverständnis zwischen Isaac und mir. Ich wollte, dass er sprintet und er hat attackiert. Ich glaube, er war nach dem Sturz einfach noch etwas verunsichert”, lieferte der Slowene eine mögliche Erklärung dafür ab, weshalb es nicht mit dem angepeilten Etappensieg geklappt hatte. 

Immerhin verbesserte sich Del Toro wieder auf Gesamtrang drei und holte sich das Weiße Trikot zurück und in der Teamwertugn verkürzte UAE den Rückstand gegenüber Lidl - Trek auf nur noch 3:19 Minuten. Doch das große Tagesziel wurde eben verpasst.

Im TV war der Funkverkehr zwischen den beiden UAE-Stars zu hören: Pogacar: "Kann ich anziehen?“, Del Toro: "Häng mich nicht ab!“ | Foto: Cor Vos

Del Toro startete eingangs des Schlusskilometers eine erste Attacke, die Evenepoel souverän parierte. 300 Meter vor dem Ziel versuchte er es erneut, sein Kontrahent ließ jedoch erneut keine Lücke aufgehen und sprintete sogar vorbei. Pogacar konnte dem 26-Jährigen zwar folgen, zum Sieg reichte es aber nicht.

“Das war heute eine beeindruckende Fahrt von Remco", lobte Pogacar seinen Konkurrenten. "Heute haben wir gesehen, wie stark er ist. Wir werden sehen, wie es läuft, wenn auf einer Etappe noch mehr Berge hintereinander kommen. Morgen ist erstmal Ruhetag und danach hat er seinen Tag beim Zeitfahren. Also ja, ich denke, er ist ein ganz heißer Kandidat", fügte der souveräne Gesamtführende an.

Wäre Pogacar den Schlussanstieg auf eigene Rechnung gefahren, wären die Siegchancen von Evenepoel wohl deutlich geringer gewesen. Der üblicherweise im Finale noch sehr spritzige Weltmeister will den Sieg allerdings keinesfalls verschenkt haben: “Ich habe es schon noch versucht. Ich habe aber alles für Isaac gegeben. Ich wollte ihn motivieren und ihn zum Sieg zu pushen. Es ist jedoch verdammt schwer zu kommunizieren, wenn so viele Menschen am Anstieg stehen. So ist es nun mal, ich bereue nichts, am Ende war Remco einfach besser. Er hat den Sprint super früh angezogen und ich hatte darauf einfach nicht die passende Antwort parat", erzählte Pogacar.

”Remco wird uns noch stark auf die Nerven gehen"

Interessant ist, dass der Rekordjäger Pogacar, wie er es schon mit seinem "Geschenk" an Del Toro  auf der 2. Etappe gezeigt hatte, den Tour-Etappenrekord wohl kaum im Visier hat. Für ihn scheint Radsport vielmehr ein Spiel zu sein, bei dem es eher darum geht, alle Level zu vollenden, statt bloß Punkte zu sammeln. Am Level Paris–Roubaix arbeitet er beispielsweise noch, während er Tour-Etappensiege offenbar großzügig an Mitspieler abtritt. 

In der Pressekonferenz deutete Pogacar jedoch an, dass der neue Gesamtzweite Evenepoel dafür sorgen könnte, dass er seine Karten in der Schlusswoche wieder überlegter ausspielen muss. “Remco braucht manchmal einfach einen kleinen moralischen Schub und dann fliegt er. Heute hat er gezeigt, dass er eine Rakete ist. Er wird uns nächste Woche definitiv noch stark auf die Nerven gehen", meinte Pogacar trotz seines Vorsprungs von genau fünf Minuten auf Evenepoel.


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