Politt über die weiteren Ziele bei dieser Tour

Jetzt will (und kann) Pogacar mit UAE alles abräumen

Von Joachim Logisch aus Thonon-Les-Bains und Christoph Matt

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UAE - Emirates - XRG will auch mit Isaac del Toro aufs Podium fahren | Foto: Cor Vos

22.07.2026  |  (rsn) – Nur Gelb reicht Tadej Pogacar und seinem Team UAE - Emirates - XRG in diesem Jahr nicht. Die von den Arabischen Emiraten geförderte Equipe will alles: Zum Gelben Trikot und damit dem Gesamtsieg durch den Slowenen, der auch schon das Bergtrikot in seinem Besitz hat, sollen ein Podiumsplatz für Isaac Del Toro und das Weiße Trikot des besten Jungprofis dazukommen. Und damit am Ende in Paris alle Mannschaftsmitglieder auf dem Podium stehen dürfen, kämpft UAE um den Sieg in der Mannschaftswertung.

Hauptaufgabe neben dem Gesamtsieg ist es, del Toro aufs Podium zu bringen. Das unterstrich ein gelassener Nils Politt nach dem Einzelzeitfahren in Thonon-les-Bains gegenüber radsport-news.com. “Klar spielt das für uns im Hinterkopf eine Rolle, mit zwei Leuten auf dem Podium zu stehen. Das wäre natürlich Weltklasse und super schön, auch für Isaac”, meinte Politt. Spätestens seit Pogacar seinen jungen Teamkollegen im Anstieg hinauf zum Plateau de Solaison unterstützte und dabei sogar seinen fünften Etappensieg riskierte, war klar, wie diese Tour weitergehen soll.

“Wenn der weltbeste Fahrer sich in die Helferdienste stellt, dann sieht man, was er für einen Charakter hat. Er hat sich mega gefreut, dass Isaac jetzt zurück auf dem Podium ist”, kommentierte Politt die Aktion, die Del Toro außerdem die Führung in der Nachwuchswertung bescherte.

Zusatzziel: Das Podium für alle in Paris

Nachdem Gelb, Punkte und Weiß auf einem guten Weg zu sein scheinen, ist das vermutlich größte Ziel die Mannschaftswertung, die auch das deutsche Team Lidl – Trek im Visier hat. Für diese Sonderwertung zählen immer die Zeiten der drei ersten Fahrer des Tages. Nach dem Zeitfahren ist UAE Lidl - Trek einen Schritt nähergekommen. Großen Anteil daran hatte die starke Leistung von Felix Großschartner (UAE - Emirates - XRG), der den Tag nicht als verlängerten Ruhetag nutzen konnte.

“Wir haben gesagt, ich starte mal rein und wenn ich mich gut fühle, dann fahre ich schneller. Ich habe mich dann gut gefühlt und wir haben auch im Hinterkopf die Mannschaftswertung, für die drei Leute schnell fahren müssen. Deswegen hat das ganz gut gepasst”, bestätigte der österreichische Zeitfahrmeister, der den Tag auf dem 13. Platz mit knapp 2 Minuten Rückstand auf Evenepoel beendete, gegenüber Eurosport.

Ohne Zwischenfall wäre jedoch vielleicht noch mehr drin gewesen: “Am Berg war ich ganz schnell, in der Abfahrt hatte ich leider einen Fahrer vor mir, der nicht wusste, dass ich von hinten komme, weil er von keinem Teamfahrzeug begleitet worden war, das ihn hätte warnen können. Dadurch bin ich nicht ganz so schnell runtergefahren, wie ich gekonnt hätte, aber so ist es. Am Ende des Tages war es eine solide Zeit“, war Großschartner trotzdem zufrieden. Immerhin reichte es, den Rückstand in der Teamwertung von 2 Minuten auf 31 Sekunden zu verkleinern.

Wird Pogacar noch mal warten?

Auch wenn Pogacar beim Zeitfahren 27 Sekunden in der Gesamtwertung auf den Zweitplatzierten Remco Evenepoel verlor, liegt er im Klassement immer noch 4:32 Minuten vorn. Wie viel Spielraum für taktische Manöver dieser Vorsprung bietet, wird sich auf den drei schweren Bergetappen der letzten Woche zeigen. Dass das gelbe Trikot auf Del Toro warten könnte, um ihn weiter zu unterstützen, schließt Politt jedenfalls nicht aus: "Wenn es hart auf hart kommt und genug Puffer da ist, könnte das auch passieren.”

Zumindest am legendären Anstieg hoch nach Alpe d’Huez kann sich der Deutsche Zeitfahrmeister diese Rücksichtnahme aber nicht vorstellen: “Ich denke, ein Sieg in Alpe d’Huez ist Prestigesache für Tadej. Er hat im Hinterkopf, dass er dort gewinnen möchte.”

Politt freut, dass er noch nicht so viel arbeiten musste

Nicht nur die Erfolge seiner Teamkollegen machen Politt so locker, sondern auch, dass er als Zugmaschine noch nicht so viel arbeiten musste. „Ich muss echt sagen, ich fühle mich noch richtig gut. Wir haben uns die Tage rausgesucht, die wir Vollgas fahren wollten. Das Gute war immer, dass danach zwei Sprintetappen waren, wo dann meistens die Sprinterteams auch übernommen haben. Da konnte ich mich ein bisschen im Feld erholen. Bis jetzt musste ich nie zwei, drei Tage hintereinander Vollgas fahren. Das hat mir das Leben schon ein bisschen einfacher gemacht hat“, sagt Politt, der aber weiß, dass es höchstens heute nach Voiron noch mal etwas leichter für ihn werden könnte.

"Vielleicht werden die Sprinter-Teams es nochmal versuchen. Aber dann, Donnerstag, Freitag, Samstag heißt es, alles rauszuholen, was geht. Danach haben wir genug Zeit zum Erholen", vermutet er, dass er zum Abschluss noch mal alles geben muss. Politt: „Die Tour ist noch nicht vorbei, man hat gesehen, wie schnell es gehen kann", spielt er auf die ehemaligen Podiumskandidaten Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike) und Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) an, die beide nach Stürzen die Tour verlassen mussten. Politts Warnung zum Schluss: "Wir müssen einfach aufpassen."

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