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21.07.2026 | (rsn) - Der Moment hätte kaum schöner sein können. Seinem Erfolg im Bergsprint gegen Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) unmittelbar vor dem Ruhetag fügte Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) gleich am Tag danach einen Sieg im Zeitfahren hinzu. “Es ist schön, zwei Mal hintereinander eine Tour de France-Etappe gewinnen zu können“, sagte er im Ziel der 16. Etappe der 113. Tour de France.
Kirsche auf der Torte war, dass der zweite Sieg sich am Belgischen Nationalfeiertag ereignete. „Das macht es noch etwas besonderer“, meinte Evenepoel. „Ich habe heute Morgen gelesen, dass es schon eine Weile zurückliegt, dass ein Belgier am Nationalfeiertag gewonnen hat. Ich bin stolz, jetzt der zu sein, der es geschafft hat.“ Es war übrigens bereits der dritte Erfolg im Kampf gegen die Uhr bei der Tour, was seine Ausnahmestellung in dieser Disziplin unterstreicht. ___STEADY_PAYWALL___
Evenepoel untermauerte damit auch seinen zweiten Ge-samtrang. Der stellt eine Verbesserung dar. 2024 wurde er noch Gesamtdritter, im vergangenen Jahr gab er auf. Jetzt, nach dem Ausscheiden von Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), scheint ihm der Platz direkt hinter dem Dominator Pogacar aber sicher, zumal die mitunter ablenkende Co-Kapitänsfrage bei Red Bull – Bora - hansgrohe nach dem dramatischen Ausscheiden vom Teamkollegen Florian Lipowitz keine Rolle mehr spielt.
Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) auf dem Weg zum Zeitfahrsieg bei der 113. Tour de France | Foto: Cor Vos
Evenepoel bedauerte das selbstverständlich. “In erster Linie ist das immer ein sehr trauriger Moment für den Fahrer selbst. Denn wie ich schon bei Jonas (Vingegaard) und dessen Ausscheiden auf der Etappe zuvor) gesagt habe: Wir alle haben große Opfer gebracht. Und das gilt auch für Lipo. Wir waren zusammen in der Sierra Nevada, er ist die Slowenien-Rundfahrt gefahren, dann noch ein Höhen-Trainingslager. Wenn man dann in einer blöden Kurve stürzt und sich wahrscheinlich etwas bricht, ist das einfach extrem traurig für ihn und uns als Team.“
Der 26-Jährige bedauerte zudem, dass Lipowitz in der dritten Tourwoche mit dem doppelten Ritt nach l’Alpe-d’Huez nicht mehr als Unterstützung zur Verfügung stehen wird: “Lipo ist einer der besten Bergfahrer der Welt. Für die kommenden Etappen wird er dem Team sehr fehlen. Er ist ein riesiger Verlust für uns als Team, ihn zu verlieren, weil er offensichtlich eine sehr gute Tour de France gefahren ist. Ich persönlich und auch das gesamte Team werden ihn sehr vermissen“, betonte Evenepoel.
Allerdings hatte man in den vorherigen zwei Tourwochen auch nicht zu jedem Zeitpunkt eine großartige Synthese zwischen den beiden Co-Kapitänen verspürt. Jetzt herrschen immerhin klare Verhältnisse. Alle für Remco. Und hoffentlich ist dann ein eigentlich auch toller Bergfahrer wie Jai Hindley länger an der Seite seines Teamchefs.
Der Fokus von Evenepoel gilt in der kommenden Woche allerdings dem Spatzen, den er schon fest in der Hand hält, dem zweiten Platz. “Ich denke nicht an den Sieg. Ich muss mich auf mich konzentrieren“, sagte er. Dabei muss er sich der Jungspunde Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG / 22) und Paul Seixas (19 / Decathlon – CNA CGM) erwehren. “Für die beiden ist der Kampf um das Weiße Trikot ziemlich eng. Das wird ein schönes Rennen im Rennen. Ich muss also definitiv alle im Auge behalten, das ist klar“, meinte er.
Wen er nicht zu denen zählt, mit denen er konkurriert, ist der Mann auf Position 1. “Ich denke, Tadej ist auf seinem eigenen Planeten und dahinter kommen die anderen. Ich werde mich auf meinen zweiten Platz konzentrieren und alles geben, um ihn zu verteidigen. Das ist mein Ziel für den Abschluss der Tour de France.“
Dem unerreichbar scheinenden Tadej I. wand Evenepoel in der Pressekonferenz noch einen besonderen Lorbeerkranz. “Tadej ist auf dem Weg, zum fünften Mal die Tour de France zu gewinnen. Es ist fantastisch, halbwegs nah an ihm dran zu sein, und es ist eine Ehre, mit ihm gemeinsam Rennen zu fahren, denn er ist einer, wenn nicht der Beste aller Zeiten“, meinte er.
Nach dem Sturz-Aus seines Teamkollegen Flori-an Lipowitz ist der Belgier nunmehr alleiniger Kapitän bei Red Bull – Bora - hansgrohe | Foto: Cor Vos
Und allen, die den Radsport aufgrund der Dominanz des Slowenen für langweilig erklären, schrieb er ins Stammbuch: “Ich persönlich finde es nicht langweilig, sondern super beeindruckend, was für Leistungen er abliefert. Ich schaue zu ihm auf. Ich versuche, davon zu lernen und dieses Niveau ebenfalls zu erreichen, was weder im Training noch bei Rennen einfach ist. Ich meine, er ist ein Superstar. Er ist der beste Fahrer aller Zeiten. Ich finde also nicht, dass man das als langweilig bezeichnen sollte. Ich verstehe es, wenn man vor dem Fernseher sitzt und er einfach angreift, wann immer er will, dass das langweilig wirkt.“
Für seine Gegner im Rennen träfe das allerdings nicht zu. “Für uns ist es eine Herausforderung und eine große Ehre, gegen einen solchen Champion zu fahren. Für mich ist es aufregend, das aus nächster Nähe mitzuerleben. Denn man darf nicht vergessen: Wir werden hier Zeugen von Geschichte. Vielleicht holt er seinen fünften Tour-de-France-Sieg, womit er mit dem Rekord gleichziehen würde. Man sollte das also meiner Meinung nach überhaupt nicht als langweilig abstempeln.“
Auch wenn er ihn im Zeitfahren schlagen konnte, so bleibt Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) für Evenepoel weiterhin unerreichbares Maß aller Dinge. | Foto: Veranstalter
Die Lobpreisung wurde hier (fast) ungekürzt wiedergegeben, weil sie eben auch eine Einsicht eines Athleten enthält, der viel besser als Livestream guckende Sofa-Helden bewerten kann, was Pogacar leistet. Evenepoel wiederum ist zu wünschen, dass er sich von Pogacar so viel abguckt, dass er den Slowenen noch vor dessen Karriereende auch bei Grand Tours bezwingen kann. Teilsiege hat er ja schon errungen, in seiner Spezialdisziplin Zeitfahren. Aber auch im Bergsprint hat er ihn letzten Sonntag niedergerungen.
Ermutigende Zeichen dafür, dass die Langeweile der Pogacar-Siege - bei aller Klasse erzeugt das eben doch Langeweile – irgendwann ein Ende findet. Evenepoel jedenfalls kristallisiert sich nach dem bereits ausgeschiedenen Vingegaard als zweite Kraft der möglichen Langeweile-Beender heraus.