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23.07.2026 | (rsn) - Von der Beschaulichkeit der Dahlener Heide des Vorjahres zu einer der legendärsten Autorennstrecken der Welt - kontrastreicher könnte das Ambiente für die Austragung der 4. Deutschen Gravelmeisterschaften kaum ausfallen. Inklusive Festivalcharakter, denn die am 25. Juli stattfindenden Titelkämpfe sind in “Rad am Ring” eingebettet, Deutschlands größtem Radsportevent, das alljährlich im Juli auf dem Nürburgring stattfindet.
Mit der Wahl des neuen Austragungsortes entschied sich Ausrichter German Cycling nach einem wenig profilierten Kurs im sächsischen Taura 2025 erneut für die Region der Geburtsstunde Deutscher Meisterschaften im Gravel. Nur 20 Kilometer südwestlich vom Nürburgring wurden 2023 in Daun (Vulkaneifel) die ersten Titelträger ermittelt. Ganz vorne damals Carolin Schiff (Canyon x DT Swiss ATR) und der Mountainbiker Lukas Baum (Orbea Speed Company).
Als Mittelgebirge ist die Eifel alles andere als flach. Ein Terrain, das Vorjahresmeister Paul Voß (AUTSAID x Rose Bikes), der aufgrund seiner bisherigen Saisonleistungen als einer der Favoriten ins Rennen geht, entgegenkommen dürfte. Direkt auf Augenhöhe mit dem Straßenprofi Emil Herzog (Red Bull – Bora – hansgrohe), der als ehemaliger Mountainbiker mit Platz 8 beim Unbound eindrucksvoll seine Qualitäten abseits der Straße demonstrierte. Überhaupt seien es die MTB-Spezialisten, die Voß auf dem auch technisch fordernden Kurs am Ende ganz vorne sieht.
“Da sind sicherlich die Speedcompany-Jungs Georg Egger und Lukas Baum zu nennen und auch Anton Albrecht (Fit4Stein-bikes), der in Polen schon gewonnen hat. Den kann ich zwar mega schlecht einschätzen, aber ich weiß, dass der bergauf richtig stark ist. Der eigentliche Favorit ist für mich aber Emil Herzog von Red Bull - Bora - hansgrohe. Der kann schon richtig Rad fahren und den gilt es zu schlagen”, zurrte er den Favoritenkreis auf Anfrage von RSN auf ein paar Namen fest.
Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung könnte aber auch das Team von Rose Racing Circle in den Kampf um die Medaillen eingreifen. Allen voran Luis Neff ist bei seiner ersten Teilnahme an Titelkämpfen heiß darauf, ein gutes Resultat für die Bocholter einzufahren - vorausgesetzt, er hat bis dahin seine Gehirnerschütterung, die zweite binnen weniger Monate, vollends auskurieren können.
Im Frauenrennen dürfte die Titelvergabe wohl nur über Nele Laing (Canyon x DT Swiss ATR) gehen, der Entdeckung des Jahres schlechthin in der Gravel-Szene. Die 27-jährige Darmstädterin konnte nicht nur kürzlich beim Hegau Gravel sowie beim 3Ride Gravel-Stage-Race ihre ersten internationalen Siege einfahren, sondern mit Platz vier bei den Deutschen Straßenmeisterschaften mit WorldTour-Profis wie Franziska Koch (FDJ United - Suez) und Antonia Niedermaier (Canyon - SRAM) auch noch bis ins Finale auf Augenhöhe fahren. Laing hat zudem mit Schiff, Jade Treffeisen und Larissa Hartog drei Teamkolleginnen an ihrer Seite, die selbst aufs Treppchen fahren können.
Der kletterstarken Nele Laing sollte der hügelige Kurs an Nürburgring liegen. | Foto: Canyon
“Für uns ist nur wichtig, dass wir am Ende des Tages das Trikot im eigenen Team haben”, sagte Schiff zu RSN. “Und obwohl ich Nele am ehesten den Sieg zutraue, ist natürlich das Meistertrikot auch für mich ein Traum. Es ist und bleibt ein offenes Rennen”, ließ sie auch eigene Ambitionen nicht außer Acht. Ob Rosa Klöser (Canyon - SRAM) ihren Titel verteidigen möchte, ist ungewiss.
Die Siegerin von Traka 360 ist zwar als Starterin gelistet, befinde sich jedoch noch in einer verzögerten Erholungsphase vom Unbound, wie Markus Schweikert vom Canyon-Marketingteam RSN auf Nachfrage mitteilte. Clara Koppenburg (Tudor) geht als exzellente Kletterin mit Außenseiterchancen ins Rennen.
Auf einer 25-Kilometerrunde teils auf, aber auch neben der “Nordschleife” des Nürburgrings müssen die Frauen auf vier Runden knackige 2200 Höhenmetern zurücklegen. Eine Runde mehr wartet auf die Männer, was laut Voß den entscheidenden Unterschied über Sieg oder Niederlage ausmachen könnte. Der Wahl-Düsseldorfer, eng involviert in die Konzeption der Austragung, fungierte neben Schiff im Vorfeld auf den sozialen Kanälen des Veranstalters als “Pate” des Events und nannte RSN den wohl alles entscheidenden Knackpunkt der DM-Strecke.
“Die Schlüsselstelle ist der lange Anstieg zur Hohen Acht, der vom tiefsten Punkt bis nach oben vier Kilometer aufweist. Ein solider 10 Minuten-Anstieg und das über fünf Runden. Das ist schon knackig. Letztes Jahr sind wir nur vier Runden gefahren und wenn es heiß wird, spielt das schon eine Rolle, da einmal mehr hoch zu müssen."
Da Schiff im Vorjahr aufgrund eines Schlüsselbeinbruchs die Premiere am Nürburgring verpasste, kenne sie die Strecke bis dato nur vom Hörensagen. “Ich weiß nur, dass es ein paar steile und wurzelige Anstiege auf der Runde gibt und werde mir die Strecke erstmals am Donnerstag anschauen können”, meinte die Bremerin zu RSN. Die ersten Kilometer werden ihr zumindest aus dem TV bekannt sein, wenn es auf der Grand-Prix-Strecke mit harmlosem Asphalt beginnt.
Danach ist, vorwiegend auf Schotterwegen, Gelände angesagt, bevor es wieder kurz vor Erreichen der Hohen Acht auf die Autorennpiste zurückgeht. Wer dann nach dem Scheitelpunkt des Anstiegs auf den verbleibenden welligen fünf Kilometern über Trails und Forstwege in der Schlussrunde noch die besten Beine hat, kann den 300 Meter langen Zielsprint in der Formel 1-Arena womöglich umgehen.
Die Runde der Deutschen Gravelmeisterschaften am Nürburgring mit einer Länge von 25 Kilometern und 550 Höhenmetern | Foto: Veranstalter
Eher unüblich im noch jungen Gravelrennsport ist eine angenehme Begleiterscheinung für die Aktiven. Fahren die Gravelpros selbst bei UCI-Rennen immer noch nur um die Ehre, stellt der Veranstalter für die fünf Erstplatzierten des Frauen- und Männerrennens eine Gesamtsumme an Preisgeld von 5200 Euro zur Verfügung - unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Altersklasse und der DM-Teilnahme. Die Sieger nehmen je 1300 Euro mit nach Hause.