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24.07.2026 | (rsn) - Es gibt noch Männer, die es wagen, Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) herauszufordern. In der Wertung fürs Gelbe Trikot kann sich der Slowene angesichts seines Vorsprungs relativ sicher sein. In der Bergwertung allerdings haben sich zwei zähe Knochen an ihn herangepirscht.
Richard Carapaz (EF Education - EasyPost) kam ihm als Tagessieger auf dieser 18. Etappe um 23 Punkte näher. Valentin Paret-Peintre (Soudal - Quick-Step), der den ganz großen Coup nach tapferem Kampf verpasste, sammelte ebenfalls 23 Zähler, während Pogacar diesmal leer ausging.
Was man bei Bergankünften einer Tour de France auch nicht so häufig sieht, ist gut für einen kleinen Spannungsmoment bei dieser 113. Frankreich-Rundfahrt: Bis auf einen Zähler kam der Franzose am Donnerstag an den slowenischen Bergkönig heran.
___STEADY_PAYWALL___Paret-Peintrer war im Ziel in Orcieres-Merlette natürlich etwas geknickt, dass es nicht ganz gereicht hatte. “Es war am Ende sehr anstrengend. Ich war völlig leer”, bezog er sich auf die letzten Kilometer. Da hatte er zwar noch kurz gezuckt, Carapaz aber war ihm locker gefolgt. Mit einer eigenen Attacke knapp vier Kilometer vor dem Ziel zerteilte der EF-Kapitän die bis dahin toll harmonierende Fluchtgruppe. Paret-Peintre versuchte sich noch ranzuhängen.
Valentin Paret-Peintre war nicht der Einzige, der das Trikot unverdient anhatte | Foto: Cor Vos
Bei einem weiteren Antritt des früheren Giro-Siegers war er aber machtlos. Zu seinem Pech musste Paret-Peintre auch noch den famosen Schweizer Mauro Schmid (Jayco - AlUla) und den erstarkenden US-Amerikaner Matteo Jorgensen (Visma - Lease a bike) ziehen lassen. Hätte er nur einen von beiden gestellt, läge er jetzt einen Punkt vor Pogacar und könnte sich das Gepunktete Trikot auf dem Tagespodium der Tour überreichen lassen.
So aber steckt der 25-Jährige weiter in der verzwickten Lage, das Trikot zwar tragen zu dürfen, aber nur in Vertretung Pogacars. Der kleidet sich ja in Gelb, die höherwertige Trikotfarbe bei der großen Schleife.
Seit einigen Tagen geht das schon so. Französischen Medien erzählte der spindeldürre Kletterspezialist, dass er nicht länger gewillt sei, weiter mobiler Kleiderständer für ein Textil zu sein, das eigentlich einem anderen gehört. Nein, Paret-Peintre will sich aus selbst erworbenem Recht das Trikot überstreifen. “Dafür werde ich bis Ende kämpfen”, versprach er in Orcieres-Merlette den umstehenden Journalisten. Er kauerte da noch immer am Boden, seinen Kampfeswillen durfte man ihm aber abnehmen.
Schon zu Beginn der Etappe war Paret-Peintre immer wieder vorne zu finden. Er duellierte sich mit Carapaz am ersten Bergpreis, dem Côte d'Engins nach 36,7 Kilometer und fuhr dort vor dem Ecuadorianer über den Zielstrich. Das gleiche Bild an der Côte de Monteynard, knapp 60 Kilometer später, wie auch an der Côte des Terrasses bei km 112,8 und der Côte de Saint-Léger-les-Mélèzes knapp 20 Kilometer vor dem Ziel.
Warum Carapaz, der es ebenfalls ganz offensichtlich auf die Punkte abgesehen hatte, gar nicht den Versuch machte, ins Sprintduell zu gehen, erklärte er pragmatisch-realistisch so: “Der Quick-Step-Fahrer (Paret-Peintre) ist einfach explosiver bei den kleineren Bergen. Ich hingegen habe Vorteile bei den größeren.“ Die habe er dann auch ausgespielt, sagte er mit unüberhörbarem Stolz auf der Pressekonferenz und fügte an: "Ich wusste, dass am Ende der Etappe der Berg der Wahrheit wartet, wo es auch ein paar Punkte mehr gibt.”
Sein Rivale schätzte die unterschiedlichen Qualitäten zwischen ihm selbst und Carapaz ähnlich ein. “Ich weiß, dass ich besser bin als Carapaz im Sprint, aber er ist stärker in den Anstiegen.” Daher spielte er bei den moderateren Anstiegen der 2. und 3. Kategorie seine Stärken aus, war auch noch frisch genug, die erste Kategorie ganz am Anfang der Etappe für sich zu entscheiden. Im Finale aber setzte sich die größere Widerstandskraft der “Lokomotive aus Carchi” durch.
Faszinierend war im Laufe der gesamten Etappe aber zu sehen, wie sich zwei Männer mit doch unterschiedlichen Stilen immer wieder belauerten, sich beschatteten, sich gegenseitig kaum einen Zentimeter gönnten – und das Ganze mit Leidenschaft und großer Fairness zugleich austrugen.
Das Belauern und Beschatten dürfte sich auch freitags und samstags fortsetzen. | Foto: Cor Vos
Erwähnen muss man aber auch, dass dieses für Carapaz an jenem Tag eher Beifang darstellte. Er war ganz klar auf den Etappensieg aus. Nach dieser Schlacht hat er aber Blut geleckt. Das Bergtrikot der Tour, das er schon 2024 gewann, ist wieder in sein Sichtfeld gerutscht. “Es kommen zwei Tage, in denen man viele Punkte für das Trikot holen kann. Und in meinem Kopf hat sich der Gedanke festgesetzt, wie schön es doch wäre, erneut mit dem Trikot in Paris auf dem Podium zu stehen.”
Bei Paret-Peintre ist dieser Gedanke ohnehin längst eingeloggt, auch der Franzose will kämpfen. Gegen Carapaz, das weiß er, wird es nicht leicht. “Der ist in den langen Anstiegen stärker”, wiederholte er. Und dann gibt es ja noch den, der das Trikot noch immer trägt: Tadej Pogacar. Ihm das Trikot abzunehmen dürfte fast noch schwerer sein, als Carapaz auf Distanz zu halten. “Pogacar wird die Punkte holen, die er will. Da kann man wenig kontrollieren”, meinte der Franzose leicht resigniert.
Aber will Pogacar tatsächlich die Punkte? Es gibt ein paar Anzeichen dafür. Der Slowene betonte, wieviel es ihm 2020 gegeben haben habe, als er erstmals das Bergtrikot der Tour überstreifen konnte. Er zollte aber auch Carapaz und Paret-Peintre Respekt. “Richard hat einen phänomenalen Etappensieg geholt und Valentin hat sehr viele Punkte gesammelt. Es ist ziemlich knapp. Und in den kommenden Tagen gibt es viele Punkte zu sammeln, besonders am Samstag mit Calibier, Telegraphe und was auch immer. Für Valentin kommt es darauf an, an beiden Tagen zu kämpfen und das Maximum an Punkten zu holen. Dann werden wir sehen, wer das Trikot nach Hause bringt.“
Am Freitag könnte es pari – pari ausgehen zwischen Fluchtgruppe und Favoritenfeld. Bei den 1er und 2er Bergwertungen im Laufe der Etappe sind maximal 20 Punkte zu holen, wie dann auch am finalen Anstieg hoch zur Alpe. Am Samstag aber könnte das Pendel zugunsten der Fluchtgruppe ausschlagen. 70 Punkte sind dort unterwegs zu holen, Pogacar vergaß, den gleich zu Beginn anstehenden Col de la Croix de Fer (HC) zu erwähnen.
Zu Beginn der Tour de France trug Pogacar das Punktetrikot noch selbst | Foto: Cor Vos
Bleibt die Gruppe bis zum Galibier vorn und sind Paret-Peintre und/oder Carapaz dort auch präsent, verliert Pogacar vielleicht noch dieses Trikot. Sonderlich grämen würde sich der Slowene sicher nicht. “Es ist nicht meine Priorität“, machte er auf der Pressekonferenz klar. Er lächelte allerdings auch verschmitzt, als er sagte: “Es geht eng zu. Es ist ein schöner Kampf, vor allem für die Zuschauer.” Lust auf eine "Battle" hat der Superstar des Radsports eigentlich immer.
Wenn es ganz gut läuft mit Spannungsmomenten, dann liegen vor der abschließenden Etappe in Paris weniger als vier Punkte zwischen den Konkurrenten. Vier Punkte, darunter drei beim dreimaligen Befahren des Pariser Stadtbergs Montmartre, sind am letzten Tag noch zu vergeben. Vielleicht bleibt in dieser Wertungskategorie ja noch Spannung bis Ultimo.
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