Interview mit dem Red-Bull-Teamchef

Wegen der Zuschauermassen: Denk sorgte sich um Evenepoel

Von Joachim Logisch aus Alpe d´Huez

Foto zu dem Text "Wegen der Zuschauermassen: Denk sorgte sich um Evenepoel"
Ralph Denk, Teamchef von Red Bull - Bora - hansgrohe, übt Kritik an der ASO | Foto: Cor Vos

24.07.2026  |  (rsn) - Nach der ersten von zwei schweren Etappen mit Ziel im legendären Alpe d’Huez atmete Ralph Denk, der Teamchef von Red Bull - Bora – hansgrohe, erst mal durch. Sein Superstar Remco Evenepoel hatte nicht nur seinen zweiten Platz in der Gesamtwertung hinter dem überragenden Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) verteidigt, sondern sogar seinen Vorsprung aufr Pogacars Teamkollegen Isaac del Toro und dem französischen Jungstar Paul Seixas (Decathlon - CMA CGM) um einige Sekunden ausbauen können.

Sichtlich gelöst stellte sich der Raublinger nach dem 19. Teilstück dieser 113. Tour de France der Presse: "Es war eine schwere Etappe. Ein Radsportfest hier bei der Tour. Er hat es aber sehr gut gemacht. Remco hatte die richtigen Beine und konnte ein paar Sekunden auf seine Konkurrenten ums Podium herausfahren. Deshalb sind wir mit der Etappe zufrieden", lautete der erste Kommentar des Raublingers.

Evenepoel hatte angekündigt, kein Risiko bei der Verteidigung seines zweiten Platzes eingehen zu wollen. Nun hat er doch einen Angriff riskiert...
Ralph Denk: "Ich habe mit Remco selbst noch nicht sprechen können, aber er fährt ja nicht los, wenn ihm schon das Messer im Hals steckt – er hat sich gut gefühlt. Er war dann sogar etwas blockiert von den Zuschauern und den Motorrädern. Das war schon ganz schön eng und zeitweise auch gefährlich. Ich hatte eher Angst, dass er sich irgendwo an einem Zuschauer aufhängt, als dass er hier einbricht."

Sie erwähnen es: Als Evenepoel angriff, wurde er von Motorrädern aufgehalten, die wiederum hinter Thymen Arensmann herfuhren. Was ist dazu zu sagen?
Denk: "Ja, Fluch und Segen zugleich. Wir freuen uns natürlich, wenn so viele Leute uns folgen, die Rennfahrer anfeuern und unseren Sport größer machen. Auf der anderen Seite muss es sicher und fair für die Fahrer zugehen. Ich glaube, man kann bestätigen, dass es heute zumindest fair war. Sicher ist so eine Sache – aber das gehört eben dazu, man kann den ganzen Berg nicht eingittern, das geht nicht."

Hat Sie Evenepoels Form überrascht?
Denk: "Wir hatten schon spekuliert, dass Remco speziell in der letzten Woche im Hochgebirge diese Form zeigen würde. Pogacar war heute noch mal auf einem anderen Level, aber den Rest hatten wir zumindest heute im Griff. Deswegen gehen wir ganz zuversichtlich in die 20. Etappe." 

Was erwarten Sie?
Denk: "Die 20. Etappe ist länger die die heutige (19.) Drei ganz große Berge mit mehr als 30 Kilometern bergauf. Das wird noch mal eine große Prüfung. Es wird auch spannend, wie die Rennfahrer die harte Belastung von heute verdauen."

Evenepoel sieht sehr dünn aus, was hat er gemacht?
Denk (schmunzelnd): "Das ist sein Idealgewicht. Wie viel dünner er genau geworden ist, wollen wir nicht kommentieren. Das sind seine Privatwerte. Aber im Vergleich zu Lüttich-Bastogne-Lüttich, seinem letzten Rennen vor der Tour, hat sich schon einiges getan. Es ist aber auch Sommer – im Sommer hat man generell nicht so viel Hunger wie im Frühling. 
Es war sicher die richtige Entscheidung, es so anzugehen, auch mit der Rennpause vorher. Wir hatten bei ihm ja auch einen Trainerwechsel – zuerst Dan Lorang, dann Tim Heemskerk. Beide haben eigentlich den gleichen Ansatz verfolgt, was diese Rennpause betrifft. Da steckt ein Stück Dan Lorang drin und ein Stück Tim Heemskerk.“

Hätten sie vor der Tour mit Platz zwei gerechnet – davon gehofft, davon geträumt?
Denk: "Ich habe immer gesagt: Podium wäre schön, um den Erfolg vom letzten Jahr zu bestätigen. Ich war völlig leidenschaftslos, ist es Remco oder Florian (Lipowitz, d. Red.)? Es ist jetzt so gekommen für Florian (nach Sturz mit Schlüsselbeinbruch ausgeschieden, d. Red.), was mir wirklich leidtut. Wir stehen täglich in Kontakt mit ihm, und es schmerzt ihn schon. Ich fühle mit ihm mit. Aber auf der anderen Seite springt Remco jetzt in die Bresche, so wie es aussieht. Gegen Pogacar ist aber einfach kein Kraut gewachsen – das muss man ehrlich sagen und seine Leistung anerkennen. Aber mit dem aktuellen zweiten Platz, zwei Etappen vor Schluss, braucht man sich sicher nicht zu verstecken." 

Wie geht es Florian Lipowitz?
Denk: "Wir stehen täglich in Kontakt, es geht ihm gut. Er ist schon zu Hause und pflegt seine Wunden. Er verfolgt uns und schreibt immer wieder Nachrichten, freut sich mit uns. Er fiebert mit – er hat gestern bestätigt, dass er sich jede Etappe anschauen wird. Da ist eine große Verbundenheit, was mich stolz macht: dass er nicht wegschaut, sondern mit uns dabei ist."

Auf der 20. Etappe geht es über die 2000 Meter. Haben Sie Datenwerte, ob das ein Problem für Evenepoel werden könnte?
Denk: "Nein, man kann viel hochrechnen, aber man kann nicht vorhersagen, wie es nach 19 oder 20 Etappen aussehen wird. Deswegen gibt uns das heute (19. Etappe, d. Red.) Selbstvertrauen, aber wir bleiben fokussiert. Wir werden nicht zu offensiv fahren und erst einmal abwarten und beobachten."

Hatten die Daten vor der Tour nahegelegt, dass Evenepoel so stark sein würde?
Denk: "Wir haben schon gehofft, dass er in guter Form ankommt. Die Trainingsdaten in den Tagen vor der Tour waren schon vielversprechend."

 

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