RSNplusAuch Vos stellt sich in den Dienst der Französin

Entspannte Ferrand-Prévot peilt mit Visma zweiten Toursieg an

Von Jens Claussen

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Hätte nichts gegen dieses Podium aus dem Vorjahr - Pauline Ferrand-Prévot (Visma - Lease a Bike) | Foto: Cor Vos

30.07.2026  |  (rsn) – Vorfreude, aber auch eine gewisse Entspanntheit war zu spüren - Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot (Visma - Lease a Bike) wirkte unaufgeregt, als sie am Mittwoch in einer internationalen Medienrunde ihres Teams geduldig Fragen rund um die 5. Tour de France Femmes avec Zwift (2.WWT) beantwortete.

Nach einer nahezu identischen Vorbereitung wie im Vorjahr, Ferrand-Prévot hat am kommenden Samstag am Start in Lausanne lediglich zwölf Renntage in den Beinen, scheint der Französin nicht bange vor der Konkurrenz zu sein. In den vergangenen Monaten hatte insbesondere Demi Vollering (FDJ United - Suez) mit Siegen bei der Flandern-Rundfahrt, Lüttich-Bastogne-Lüttich (beides 1.WWT) und auch beim Giro d'Italia (2.WWT) eindrucksvoll bewiesen, dass sie der Toursiegerin von 2025 alles abverlangenwird. ___STEADY_PAYWALL___

Dagegen wartet Ferrand-Prévot nach Platz zwei in Flandern und als Roubaix-Dritte noch auf den ersten Saisonsieg. ”Auch wenn ich in diesem Jahr kein Rennen gewonnen habe, lief die Saison sehr gut. Ich bin nicht der Typ Fahrerin, der die ganze Saison über performen will, sondern mich lieber auf ein großes Ziel konzentriere”, meinte sie gelassen. 

Erneut bei der Tour ganz oben zu stehen, sei zwar ein großer Wunsch, ein Sieg allein sei aber für ihr persönliches Wohlbefinden nicht ausschlaggebend. “Natürlich ist die Tour de France ein spezielles Rennen für mich und die Tour ist immer in meinem Herzen”, ließ Ferrand-Prévot  keine Zweifel an der Bedeutung der kommenden Tage aufkommen. “Aber mir geht es nicht nur um das Gewinnen. Ich möchte in dieser Zeit glücklich sein, möchte die Tage mit meinem Team genießen und das eigentlich Besondere an dieser Tour habe ich schon hinter mir: die Vorbereitungszeit, die ich sehr genossen habe", fügte sie an.

  Auch wenn sie hier das Feld anführt, fuhr Pauline Ferrand-Prévot (Visma - Lease a Bike) bei der Vuelta Femenina hinterher. | Foto: Cor Vos

Neben den erfahrenen Vollering, Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon - SRAM - We Femmes) und Anna van der Breggen (SD Worx - Protime) erweitert sich für Ferrand-Prévot der Kreis der Hauptkonkurrentinnen um die junge Spanierin Paula Blasi (UAE - Team L'Imad), die im Mai überraschend die Vuelta Femenina (2.WWT) gewann. 

Auf die Frage, ob sie besorgt über die zusätzliche Widersacherin sei, erwiderte sie: “Sie hat in den letzten Monaten beeindruckende Leistungen gezeigt und ihr Gewinn der Vuelta war sicherlich eine große Sache. Blasi wird eine der Protagonistinnen dieser Tour sein und es wird cool für sie, in diesem jungen Alter die Tour als eine der Favoritinnen entdecken zu können.” Bei der Vuelta hatte sich Ferrand-Prévot am berüchtigten Angliru einen Rückstand von 13:09 Minuten auf Blasi eingehandelt.

Das Einzelzeitfahren als große Herausforderung

Neben dem mit Spannung erwarteten Showdown am Mont Ventoux am siebten Tourtag könnte das 21 Kilometer lange Einzelzeitfahren der 4. Etappe nach Dijon schon richtungsweisend sein. In den vergangenen Jahren nicht gerade eine Paradedisziplin von Ferrand-Prévot, die ihr erstes Zeitfahren bei einer Tour bestreiten wird. 

“Seit Bekanntgabe der Tourstrecke haben wir einen Plan für das Zeitfahren ausgearbeitet. Angefangen erstmal damit, mich überhaupt auf das TT-Bike zurückzubringen“, musste sie schmunzeln. “Über eine gute Positionierung mit Windkanaltests bis hin zu Rennsimulationen. Ich habe wirklich eine Menge Zeit auf dem Zeitfahrrad verbracht, fühle mich wohl auf dem Bike und liebe diese Art von Herausforderung, die auf mich zukommen wird”, deutete die 34-Jährige an, auch in diesem Bereich ihre Hausaufgaben gemacht zu haben.

Wenn es drei Tage später erstmals für das Tour-Peloton auf den Mont Ventoux geht, bleibt abzuwarten, ob Ferrand-Prévot in ähnlicher Art und Weise wie im Vorjahr am Col de la Madeleine die entscheidende Lücke zur Konkurrenz reißen kann. Damals hatte sie mit einem Vorsprung von drei Minuten auf Vollering die Vorentscheidung im Kampf um den Toursieg herbeigeführt. “Ich bin den Ventoux oft im Training und Recon hochgefahren und er unterscheidet sich schon zum Madeleine. Der Wind wird einen viel größeren Einfluss auf das Rennen haben. Und hier wird vielleicht auch die Teamtaktik eine größere Rolle spielen als im letzten Jahr”, analysierte sie den womöglich alles entscheidenden Tag bei der diesjährigen Austragung.

  Ferrand-Prévot jubelte bei der Tour 2025 am Col de la Madeleine. | Foto: Cor Vos

Auf eine abschließende Frage zu ihrem Körpergewicht - ein Thema, das im Vorjahr für Diskussionen sorgte - meinte sie diplomatisch: “Natürlich habe ich jetzt nicht das gleiche Gewicht wie zu Saisonbeginn. Ich habe jetzt das Gewicht, mit dem ich nicht nur beim Klettern, sondern auch im Zeitfahren perfomen kann. Ich bin auf dem gleichen Gewichtslevel wie vor jedem anderen großen Event”, erklärte sie, ohne eine konkrete Zahl zu nennen.

Vos fährt ihre 22. Grand Tour

Ferrand-Prévot wird mit Marianne Vos eine Doppelspitze bei der Tour bilden. Die 39-jährige Niederländerin gewann im Vorjahr die Auftaktetappe und fuhr drei Tage lang im Gelben Trikot. Nach einer, auch aus privaten Gründen, fordernden Saison, freist Vos mit Wettkampfrückstand zum Grand Départ, nachdem sie sich bei der Vuelta das Schlüsselbein gebrochen hatte.

Dennoch ist sie motiviert wie eh und je und mit nur einem Ziel vor Augen: Gelb für Ferrand-Prévot in Nizza. Dafür stellt sie eigene Ambitionen in den Hintergrund. “Es ist kein Geheimnis, dass der Winter aufgrund der familiären Umstände ziemlich hart war”, blickte auf den Beginn des Jahres zurück, als ihr Vater nach längerer Krankheit verstorben war. “Die Vorbereitung auf die Straßensaison war deshalb nicht nur anders, sondern auch schwierig. Als ich dann aber nach meinem Schlüsselbeinbruch wieder zurückgekommen bin, liefen das Training und auch letztendlich die Vorbereitung auf die Tour gut. Wir hatten einen guten Trainingsblock in der Höhe und ich fühle mich bereit, die Tour für das Team zu bestreiten."

Bis dato einziger Saisonsieg für Marianne Vos auf der 3. Etappe der Katalonien-Rundfahrt | Foto: Cor Vos

Ob sie ihren drei Tour-Etappensiegen noch weitere hinzufügen oder gar nach 2022 und 2024 erneut im Grünen Trikot der Punktbesten auf dem Podium stehen möchte, ließ Vos offen. “Mit dem Team zielen wir natürlich auf die Gesamtwertung mit Pauline ab. Das ist unser Hauptbestreben und das große Ziel. Wir sind alle hier, um sie mit unterschiedlichen Rollen und Aufgaben zu unterstützen,” sagte sie. “Aber sollte es zudem auch Möglichkeiten geben, eine Etappe zu gewinnen, werden wir diese natürlich versuchen zu nutzen.” 

Also doch nicht so unwahrscheinlich, dass Vos ihrem beeindruckenden Palmarès einen weiteren Eintrag zufügen kann - und darauf eventuell nur noch 48 Stunden warten muss. Dann wird die 1. Etappe der Tour 2026 rund um Lausanne bereits Geschichte sein. Mit dem Finish für Puncheure sollte sie ihren Fähigkeiten entgegenkommen sollte.

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