“Im Endeffekt war es wohl ein Ticken zu hart”

Waseberg zu schwer für schweren Milan?

Von Christoph Matt

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Der Waseberg als Scharfrichter ging mit Jonathan Milan (Lidl - Trek) hart ins Gericht. | Foto: Cor Vos

16.08.2026  |  (rsn) - “Ich möchte nicht sagen, dass es für Sprinter nicht möglich ist, hier in Hamburg zu gewinnen. Die Sprinter haben sich sowieso komplett verändert. Viele Sprinter sind sehr bergfest”, analysierte André Greipel vor den Cyclassics gegenüber der ARD – und behielt recht: Ein Sprinter konnte gewinnen. Und war eben bergfest.

Für Jonathan Milan war die diesjährige Ausgabe jedoch schlicht zu schwer. Das traditionelle Hamburger Sprinterfest fand zwar statt, nur eben ohne den Italiener. Seine Mannschaft Lidl - Trek setzte voll auf ihn als Kapitän, doch nach der letzten Überfahrt des Wasebergs war Milan abgehängt. “Wir haben 100 Prozent auf den Sprint gesetzt und das hat heute einfach nicht funktioniert. Wir haben alles gegeben für die Position von Jonathan am Waseberg, im Endeffekt war es wohl ein Ticken zu hart”, resümierte Teamkollege Max Walscheid nach dem Rennen im ARD-Interview.

Nicht geholfen dürfte dabei die Taktik von UAE - Emirates - XRG haben. Die Mannschaft war ohne klassischen Sprinter am Start und fuhr mit Isaac Del Toro als Kapitän durch die Hansestadt. Dementsprechend hoch war das Tempo am letzten Anstieg, um die schwereren Männer mit den schnellen Beinen abzuhängen.

Beim späteren Sieger Paul Magnier (Soudal - Quick-Step) ging die Taktik allerdings nicht auf: Mit seinen laut Statistikern 77 Kilo kletterte der Franzose stark genug mit. Bei Milan hingegen könnten die laut Datenblatt acht Kilo Zusatzgewicht am Waseberg entscheidende Körner gekostet haben. Als Gegenthese präsentierte sich jedoch Sören Waerenskjold (Uno-X - Mobility): Mit kolportierten 92 Kilo rettete sich der Norweger in die erste Gruppe und sprintete auf Rang sieben.

Neben dem harten Finale musste Lidl - Trek zudem früher als geplant Körner lassen: “Wir sind in die schwierige Situation gekommen, dass wir schon zwei Leute brauchten, um (der Gruppe des Tages, d.Red.) hinterherzufahren. Der Fahrer, der eigentlich die Positionierung in den Waseberg hinein übernehmen sollte, musste schon vorher arbeiten. Dadurch bin ich in der Reihenfolge eins nach vorne gerutscht und war zu früh dran”, erklärte Walscheid.

Tatsächlich dürfte das mit ausschlaggebend gewesen sein: Nachdem Milan und Olav Kooij (Decathlon - CMA CGM) am Waseberg abgehängt wurden, kämpften ihre verbliebenen Helfer auf den letzten 15 Kilometern darum, die Lücke zum gut 50-köpfigen ersten Feld wieder zu schließen. Dabei hatten die Franzosen aber nur noch drei und Lidl - Trek mit Tim Torn Teutenberg und Simone Consonni nur noch zwei Mann an der Seite ihrer Kapitäne - und die konnten das lange Zeit nur rund zehn Sekunden große Loch nicht stopfen.

”Ich freue ich mich umso mehr auf die Deutschland Tour”

Trotz des verpassten Mannschaftserfolgs konnte der Wahl-Heidelberger das Heimrennen allerdings genießen: “Ich persönlich muss mich bedanken. Ich bin extrem oft angefeuert worden – das war wirklich geil und hat echt Spaß gemacht, auch wenn es ein ganz schön hartes Brett war. Mit diesem Rückenwind freue ich mich umso mehr auf die Deutschland Tour. Ich denke, da werden wir eine gute Woche haben.”

Auch wenn das Profil in den letzten Jahren spürbar verschärft wurde und im Vorjahr ein Ausreißer siegte, kann man Lidl - Trek keinen Vorwurf machen, voll auf ihren Top-Sprinter gesetzt zu haben. Für die kommenden Ausgaben könnten manche Mannschaften dennoch bergfester aufstellen, besonders wenn Teams wie UAE - Emirates - XRG mit Fahrern wie Del Toro an den Start gehen.

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