RSNplus“Als sie rechts kamen, waren meine Beine schon gekocht“

Milan verlor Walscheids Hinterrad und damit die nötige Energie

Von Felix Mattis

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Jonathan Milan (Lidl - Trek) während der Auftaktetappe des Giro im Gespräch mit Giulio Pellizzari (Red Bull - Bora - hansgrohe). | Foto: Cor Vos

08.05.2026  |  (rsn) – Der große Traum vom Rosa Trikot zum Auftakt des 109. Giro d'Italia (2.UWT) ist für Jonathan Milan geplatzt. Das Sprint-Ass des deutschen Teams Lidl – Trek kam zwar gut positioniert auf den Schlusskilometer, entging 600 Meter vor dem Ziel dem Massensturz und hatte Leadout-Mann Max Walscheid sogar ganz an der Spitze des Feldes, während er selbst sich hinter dem Heidelberger sowie dem Soudal-Trio Jasper Stuyven, Dries Van Gestel und Paul Magnier an fünfter Stelle einsortierte.

Direkt am Hinterrad des späteren Siegers Magnier ging Milan also in den Sprint. Trotzdem aber fehlte dem Italiener am Ende im bulgarischen Burgas die nötige Power, um den Sieg und das Maglia Rosa zu erringen. Als auf der rechten Seite Tobias Lund Andresen (Decathlon – CMA CGM) den Sprint eröffnete und vorbeizog, konnte Magnier reagieren und den Dänen niederringen. Milan aber versuchte vergeblich, dagegenzuhalten und musste sich mit Platz vier begnügen.

"Als sie rechts kamen, waren meine Beine schon gekocht. Wenn ich da frisch, gut eskortiert und so weiter hinkomme, dann ist es eine andere Geschichte", sagte Milan den italienischen Medienvertretern vor Ort und erklärte, dass er seinen Sprintzug im Finale verloren hatte. Dabei betonte er auch, dass seine Teamkollegen eigentlich gute Arbeit verrichtet hatten. ___STEADY_PAYWALL___

"Die Jungs haben einen guten Job gemacht

"Das Gefühl war gut, aber wir haben uns etwas verloren. Ich wusste, dass es schwierig werden würde, wie eigentlich in jedem Sprint, zusammen zu bleiben", sagte Milan. "Die Jungs haben einen guten Job gemacht, wir sind zusammen gut durch die letzten Kilometer gekommen, aber dann haben wir uns verloren. Ich weiß nicht, fünf oder drei Kilometer vor Schluss – ein großes Chaos."

Jonathan Milan unterliegt im Sprint Paul Magnier, Tobias Lund Andresen und Ethan Vernon. | Foto: Cor Vos

Tatsächlich war der Lidl-Zug fünf Kilometer vor Schluss noch perfekt aufgereiht zu fünft am linken Straßenrand ganz vorn. Und auch an der Vier-Kilometer-Marke lief es noch wie am Schnürchen mit Tim Torn Teutenberg, Walscheid, Simone Consonni und Milan - bestens positioniert. In einer Linkskurve drei Kilometer vor dem Ziel aber kam Consonni nach einer Berührung mit einem Soudal-Fahrer etwas ins Straucheln und musste sich aus dem Zug verabschieden.

Nun hatte Milan seinen letzten Anfahrer nicht mehr direkt vor sich, saß aber sofort am Hinterrad von Walscheid, der bis dahin auch noch Teutenberg vor sich hatte. Eigentlich war das keine schlechte Ausgangslage, doch anschließend fuhr Milan immer wieder leicht versetzt neben Walscheid, anstatt mit vollem Vertrauen am Hinterrad seines neuen Teamkollegen zu bleiben. So bekam er schon 2,5 Kilometer vor dem Ziel erstmals unnötigerweise Wind ins Gesicht.

1,8 vor Ziel verlor Milan Walscheids Hinterrad

1,8 Kilometer vor dem Ziel dann verlor der Italiener das Hinterrad des Heidelbergers und gleichzeitig auch viele Positionen. 300 Meter lang ging es für Milan durch die 'Waschmaschine' des Pelotons und als er 1,5 Kilometer vor Schluss auf der rechten Seite ausgespuckt wurde, musste er einige Sekunden lang durch den Wind, um die verlorenen Positionen wieder gutzumachen.

"Ich war ziemlich weit zurück und habe auf der rechten Seite versucht, allein wieder aufzurücken. So hatte ich schon viel Energie verbraucht, als ich ans Hinterrad von… ich weiß nicht wem kam", erzählte Milan, der nach seinem Krafteinsatz eingangs des Schlusskilometers tatsächlich bei Magnier am Rad saß und dort auch blieb, bis der Sprint schließlich eröffnet wurde.

Max Walscheid rollt nach getaner Arbeit als Neunter ins Ziel der 1. Giro-Etappe. | Foto: Cor Vos

Walscheid schaute sich um, und als Milan drei Positionen hinter ihm am Soudal-Zug angedockt hatte, gab der Heidelberger vorne Vollgas. Er fuhr so schnell, dass er sogar eine kleine Lücke aufriss, die Stuyven und Van Gestel für Magnier erstmal wieder schließen mussten, bevor es in den Sprint ging. Für Milan, konnte man meinen, war das gut, da er im Windschatten des Soudal-Trios saß. Doch der Tank des Italieners war da wohl schon leer.

"Wir werden im Meeting besprechen, was wir besser machen können und dann nach vorne schauen", versprach Milan, der gleichzeitig aber auch seinen Hut vor der Konkurrenz um Sieger Magnier zog - der übrigens von Milans ehemaligem Anfahrer Stuyven durch den Schlusskilometer pilotiert wurde. "Die Soudal – Quick-Step-Jungs haben großartige Arbeit gemacht, chapeau an sie", so der Italiener.

Nächste Chance auf Etappe 3?

Das Finale der 2. Etappe in Veliko Tarnovo dürfte mutmaßlich etwas zu schwer für Sprint-Spezialist Milan sein, da dort knapp 15 Kilometer vor dem Ziel noch eine vier Kilometer lange und im Schnitt 6,8 Prozent lange Rampe wartet, die in der Spitze sogar bis zu 14 Steigungsprozente aufweist.

Damit sollte sich auch das Thema 'Maglia Rosa' für den 25-Jährigen bereits erledigt haben. Doch auf Etappe 3 in Sofia wartet möglicherweise wieder eine Sprintchance für ihn. Und dass Milan auch den Kampf ums Maglia Ciclamino bestreiten will, unterstrich er auf Etappe 1 bereits mit seinem Spurt am ersten Zwischensprint zu fünf Punkten.

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